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Friedrich Wilhelm Helle (eigentlich: in der Hellen)

Geboren am 28. Oktober 1834 in Bökenförde bei Lippstadt im Haus seiner Großeltern mütterlicherseits, nachdem der elterliche Hof in Rüthen kurz zuvor durch Brand zerstört worden war. Von 1836 bis 1844 lebte er im elterlichen Haus in Rüthen, das sein Vater, ein Schmiedemeister und Landwirt, wiederaufgebaut hatte. Von 1845 bis 1848 wurde er von einem Onkel, einem Pfarrer in Hallenberg, auf das Gymnasium vorbereitet. Nach dessen Tod 1849 Rückkehr ins Elternhaus. Bis 1852 absolvierte er eine Buchbinderlehre. Hierauf Besuch der Gymnasien in Warendorf und Brilon, wo er 1860 die Reifeprüfung ablegte. Anschließend einsemestriges Studium an der Akademie Münster. Zur Finanzierung der Studienkosten übernahm er eine Hauslehrerstelle auf einem westfälischen Gut. Zeitweilige Rückkehr ins Haus seiner Eltern, die nach dem Verlust ihres Vermögens nach Witten umgezogen waren. In München und Wien Fortsetzung seiner philologischen Studien und Promotion zum Dr. phil. In Wien ging er bis 1867 ebenfalls einer Hauslehrertätigkeit nach und hielt außerdem Vorlesungen über klassische deutsche, spanische und orientalische Philologie. In dieser Zeit beschäftigte er sich besonders mit den afrikanischen Mythologien und mit neuholländischen und finnischen Liedern. Außerdem Sammlung von Material für seine Epopöe Jesus Messias. Eine Vorlesung aus dem ersten Teil des letzteren erwarb ihm hohe und allerhöchste Gönner, die ihm einen Aufenthalt in Rom ermöglichten, wo er vom Januar 1869 bis September 1870 verblieb, um den ersten Band dieser Dichtung zu vollenden, [...]. (Biogr. Jb. und Dt. Nekrolog) Nach Ausbruch des deutsch-französischen Kriegs 1870 Rückkehr nach Westfalen. Dort zwang ihn die Sorge um die Existenz seiner Familie, eine gesicherte Stellung anzunehmen. 1871 wurde er Redakteur der Dortmunder Volkszeitung und 1872 der neugegründeten Coblenzer Volkszeitung. Er legte diese Stellung nieder, um an der Gründung der Staatszeitung in Saarlouis mitzuwirken und deren Redaktion zu übernehmen. Von 1873 bis 1876 war er Redakteur der Schlesischen Volkszeitung. Da er die Rechte der katholischen Kirche im Kulturkampf mit großem Freimut verteidigte, entstanden ihm zahlreiche Preßprozesse und er wurde wiederholt zu längeren Gefängnisstrafen [insgesamt neun Monate] verurteilt. (Müller 1925). Von 1877 bis 1880 Redaktion der Frankenstein-Münsterberger Zeitung in Frankenstein. Er ging dann, um sich der liebevollen Aufmerksamkeit der Staatsanwälte zu entziehen (Biogr. Jb. und Dt. Nekrolog), nach Jauernig bei Breslau, um an Jesus Messias weiterzuarbeiten, wozu ihm der Fürstbischof von Breslau 1881 eine vierjährige Unterstützung von 1500 Gulden gewährte. 1883/1884 lebte er in Ossegg (Böhmen), wo er die Bibliothek des Zisterzienserstifts für sein Werk benutzte. Wegen des Schulbesuchs seiner Kinder lebte er hierauf bis 1887 in Teplitz. Bis 1891 redigierte er die Salzburger Chronik und daraufhin bis 1892 in Bilin bei Teplitz die Deutsche Volksschrift. Die Erkrankung eines seiner Söhne zwang ihn zum Umzug nach Dresden, wo er seinen mittelafrikanischen Schöpfungsmythos Kalanyas Völkersang (1894) und Jesus Messias abschloß. 1898 siedelte er nach München über, wo er Die Schöpfung herausgab. Wenige Monate vor seinem Tod wurde Jesus Messias von der theologischen Fakultät der Universität Würzburg preisgekrönt. Er starb fast erblindet und verarmt am 4. August 1901 in München.

Von dem Erscheinen seines „Jesus Messias“, an dem er vierzig Jahre gearbeitet hatte, erhoffte er viel zur Hebung seiner ärmlichen Lage. Aber er sah sich getäuscht. Viele Jahre hat er mit seinem Manuskript herumziehen müssen, ehe er einen opferwilligen Verleger fand, der es in ein würdiges Gewand kleidete. Und als das Werk erschien, fand es keinen größeren Absatz. (Lobreyer, in: Jb. der Helle-Gesellsch. 1959) Das Werk umfaßt 82 Gesänge mit etwa 50.000 Hexametern.

Selbständige Veröffentlichungen: Maria Antoinette. Eine episch-lyrische Dichtung. Wien: Seidel 1866. VIII, 143S. – Mahnrufe an das deutsche Volk. Gedichte aus den Jahren 1857-1866. Wien: Lechner 1866. 108S. – Mathilde von Meissen. Münster: Russell 1867; mit dem Untertitel: Lyrisch-epische Dichtung aus der Zeit der Kreuzzüge. 2., verb. und erw. Aufl. München 1921. IV, 211S. – Minneleben. Eine romantische Dichtung. Münster: Russell 1867. VII, 206S. (ULB Münster) – Rom. Katholische Dichtungen. Wien: Mechitharisten-Verlag 1869 (KPS Münster, StUB Köln) – Roms Hymnen und Klagen. Dortmund: Lensing 1870 – Christkindleins Wanderung. Christliche Weihnachtsmärchen. Gleiwitz 1875; 2.-3. Aufl. Donauwörth: Auer; Neuausg. Trier: Schaar und Dathe 1904 (ULB Münster) – Marien-Preis. Eine Festgabe zum fünfundzwanzigsten Jubiläum des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis Mariä. Neiße: Huch 1879; Neuaufl u.d.T.: Marien-Preis. Lieder und Balladen zur Verherrlichung der allerseligsten Jungfrau. 2., stark verm. Aufl. Münster: Alphonius-Buchhdlg. 1904. XII, 143S. (StUB Köln); 3. Aufl. hg. von P.A. Pöllmann. Ebd. 1906 – Golgatha und Ölberg. Christologisches Epos. Prag: Rohlicek und Sievers 1886. VIII, 463S. – Kalanya's Völkersang. Mittelafrikanischer Schöpfungsmythus. Heiligenstadt: Cordier 1894. 148S. – Jesus Messias. Eine christologische Epopöe. 3 Bde. Heiligenstadt: Cordier 1896 [Inhalt: Bd. 1: Bethlehem und Nazareth; Bd. 2: Jordan und Kedron; Bd. 3: Golgatha und Ölberg] (StA Rüthen, ULB Münster, EDDB Köln, SB Trier) – Die Schöpfung [ep. Dichtung]. Prolog zu „Jesus Messias“. Donauwörth: Auer [1899]. 222S. (ULB Münster).

Unselbständige Veröffentlichungen in: Schad/Hub: Dt. Dichter-Gaben 1868, S. 78: Ferdinand Freiligrath; S. 82: Von Nord nach Süd – Baehr: Rhein.-Westf. Dichterbuch 1888, S. 396-400: Die erste Kommunion der heiligen Apostel; Lied; Es glänzt ein Stern im Himmel; Des Bergmanns Abschied – postum: Hüttemann 1898, S. 421-424: Lied; In den Katakomben; Des Meeres erstes Leuchten; Tabor; Erweckung des Lazarus – Gottesminne 1, 1903, S. 322ff.; 377ff.; Jg. 2, 1904, S. 93ff.; 159ff.; 267ff.; 376ff.; 434ff.; 604ff.; 660ff.: Aus Friedrich Wilhelm Helles Nachlaß. Der Antichrist. Hg. von A. Pöllmann.

Herausgabe, Redaktion: Dortmunder Volksztg. 1871 – Koblenzer Volksztg. 1872 – Saarztg. 1872 – Schles. Volksztg. 1873-1876 – Oberschles. Volksstimme 1876 – Ratibor-Leobschützer Ztg. 1876 – Frankenstein-Münsterberger Ztg. 1877-1880 – Kath. Familienblätter. Monatsschr. zur Unterhaltung, Erheiterung und rel. Belehrung, Neisse, 1877-1879 – Salzburger Chronik 1887-1891 – Dt. Volksschrift. Bilin bei Teplitz 1891f.

Briefe an Helle in: Briefe Robert Hamerlings. Mit einem Geleitwort von P.E. Schmidt O.F.M., in: Lit. Warte 3, 1902, S. 416ff. – Briefe von Ernst Moritz Arndt und Joseph Kehrein, in ebd. 3, 1902, S. 486ff.

Literarische Zeugnisse, Widmungsgedichte: W. Becker: Gottesreich; Schöpferziel; Schöpferdrang; Mittelpunkt [jew. Ged.], in: Helle-Jb. 1951 (s.u.).

Zeitgenössische Zeugnisse: P. Revocatus: Erinnerungen an Dr. Friedrich Wilhelm Helle, in: Dichterstimmen der Gegenwart 16, 1902, S. 39ff.

Selbständige Veröffentlichungen über Helle: L. van Heemstede: Dr. Friedrich Wilhelm Helle. Heiligenstadt [1898] – F. Rothenfelder: Friedrich Wilhelm Helles katholische Messiasdichtung „Jesus Christus“. Diss. München 1909 – L. Weiser: Friedrich Wilhelm Helle und seine epischen Dichtungen. Ein Beitrag zur Literaturgeschichte des neunzehnten Jahrhunderts. Diss. Münster 1916; Dr. Wesel 1916 – E. Heitjahn: Zentrumspartei und Zentrumspresse an der Saar zur Zeit des Kulturkampfes. Straßburg/E. o.J. – Jb. der Friedrich-Wilhelm-Helle-Gesellschaft. Hg. vom Vorstand in Bökenförde bei Lippstadt. Bd. 1. Lippstadt 1959 [mehr nicht erschienen; Inhalt: Pfarrer Lobreyer: Friedrich Wilhelm Helle, ein tief religiöser Dichter und Kämpfer für seine Kirche; ders.: Friedrich Wilhelm Helle 1834-1901. Ein vergessener Dichter unserer Heimat; [...] Kersting: Friedrich Wilhelm Helle. Bökenfördes großer Sohn; W.P. Becker: Die Großen Drei; ders.: Ein verspätetes Gedenkblatt zum 100. Geburtstag des katholischen Dichters, Publizisten, Kämpfers und Propheten; M. Helle: Friedrich Wilhelm Helle; O. Martin: Des Dichters geistige Welt; H. Becker: Friedrich Wilhelm Helle. Messiasdichter, Journalist und Vorkämpfer in der Bismarckzeit (aus: Das Zentrum, Aug. 1951, H. 2); außerdem: Kurzbibliogr.; Genealogie etc.] (ULB Münster).

Unselbständige Veröffentlichungen über Helle: L. Tepe [L. von Heemstede]: Friedrich Wilhelm Helle aus Bökenförde, in: Dichterstimmen der Gegenwart 10, 1896, S. 10ff.; ders.: Friedrich Wilhelm Helle. Heiligenstadt 1897 (=Biogr. kath. Dichter der Gegenwart 1), S. 10ff. – W. Kreiten: Friedrich Wilhelm Helles „Jesus Messias“, in: Stimmen aus Maria Laach 51, 1896, S. 414ff. – A. Lignis: Friedrich Wilhelm Helle. Biographisch-literarische Skizze, in: Die Wahrheit 7, 1901, S. 560ff. – A. Wünsche: Die Schönheit der Evangelien in Helles „Jesus Messias“, in ebd. 1901, S. 569ff.; ders.: „Kalanyas Völkersang“ von Friedrich Wilhelm Helle. Ein Skizze, in ebd. 8, 1902, S. 55ff. – A. Pöllmann: Der Helledank, in: Rückständigkeiten. Ravensburg 1906, S. 123ff. – S. Wieser: Klopstock und Helle als Messiassänger, in: Gottesminne 5, 1907, S. 196ff. – P. Hankamer: Friedrich Wilhelm Helle. Zum Gedächtnis seines 90. Geburtstages, in: Kölnische Volksztg. vom 5.11.1924 – H.L. Müller: Friedrich Wilhelm Helle (1834-1901). Ein vergessener religiöser Dichter und Glaubenskämpfer, in: Allg. Rundschau 32, 1925, S. 239f.; ders.: Der Heimatdichter Friedrich Wilhelm Helle. Zu seinem 25jährigen Todestage am 4. Aug. 1926, in: Heimatbl. für den Kreis Lippstadt 8, 1926, S. 30f. – L. Weiser: Friedrich Wilhelm Helle, in: Westf. Lebensbilder 3, 1934, S. 448-459 [mit Bildn.]; ders.: Friedrich Wilhelm Helle. Zur 100. Wiederkehr seines Geburtstages am 28. Oktober, in: Koblenzer Volksztg. vom 27./28.10.1934 – W. Becker: Friedrich Wilhelm Helle. Ein Gedenkblatt zum 100. Geburtstage des westf. Dichters, in: Westf. Landesztg., Dortmund, vom 7.8.1934; dass. in: Westf. Volksbl., Paderborn, Nr. 248 vom 26.10.1934; ders.: Friedrich Wilhelm Helle. Ein verspätetes Gedenkblatt zum 100. Geburtstag des katholischen Dichters, Publizisten, Kämpfers und Propheten, in: Der Gral 1935; ders.: Friedrich Wilhelm Helle. Ein Gedenkblatt zum 100. Geburtstage des Dichters, in: Ruhrwellen, Beil. des Central-Volksblattes, Arnsberg, 12, Nr. 2, 1935; ders.: Friedrich Wilhelm Helle. Ein Gedenkblatt für den westf.-niedersächsischen Dichter, in: Osnabrücker Tagebl., Nr. 16, 672, vom 1.1.1937; ders.: Friedrich Wilhelm Helle, in: Heimatbl. für den Kreis Lippstadt 16, 1934, Nr. 5 – B. Renz: Dr. Friedrich Wilhelm Helle, in: Donaubote vom 26.10.1934 – F.A. Hengemühle: Friedrich Wilhelm Helle (1834-1901). Ein vergessener Dichter unserer Heimat, in: Heimatbl. für den Kreis Lippstadt 32, 1951, S. 71f.; ders.: Am Lebensabend des Dichters Friedrich Wilhelm Helle, in: Heimatbl., Organ für die Belange des Heimatbundes 41, 1960, Nr. 10, S. 75f. – H. Becker: Friedrich Wilhelm Helle. Messiasdichter, Journalist und Vorkämpfer der Bismarckzeit, in: Das Zentrum, Osnabrück, 1951, 8, Heft 2; dass. in: Westf. Volksbl., Paderborn, 1950/1951, Nr. 15 – A.H. Meyer: Dem Dichter des Monumentalwerkes „Jesus Messias“. Feier ehrt Friedrich Wilhelm Helle, in: Der Patriot, Lippstadt, Nr. 211 vom 12./13.9.1959 – Friedrich Wilhelm Helle. Messiasdichter und Redakteur, in: De Suerlänner 1961 (1960), S. 11 [anonym] – H. Walwei-Wiegelmann: Friedrich Wilhelm Helle (1834-1901), in: Literaten und Literatur aus Lippstadt,  Lippstadt, 1999 S. 17-24 (Lippstädter Spuren; 14).

Erwähnungen in: B. Stein: Christus in der neueren Dichtung, in: Die Bücherwelt 4, 1906/1907, S. 140ff., 233ff. – R.M. Werner: Dt. Dichter und Denker der Neuzeit. Minden 1900, S. 281ff.: Moderne Messiasdichtungen – H. Helle: Stammtafel des Geschlechts Helle aus Rüthen i. Westf. Mit kurzem geschichtlichen Abschnitt, Quellenangaben und Personen- und Ortsreg. Bochum 1931 – Westf. Literaturführer 1992 (Stichw.: Lippstadt-Bökenförde).

Bildnis: 1. Fotogr. (Abb. in: Helle-Jb. 1959) – 2. Fotogr. (WLA Hagen) – 3. Fotogr. (StLB Dortmund).

Nachlaß, Handschriftliches: 1. StA Brilon: Dichtungen; Bildmaterial  –  2. Bayer. SB München (Ringeisiana): Brief an J.F. Schulte, 15.4.1867; 2 Briefe, Karte – 3. DLA Marbach: 2 Briefe an Georg von Cotta, München, 12.9. und 1.10.1899

Sammlungen: 1. StA Brilon: Slg. von Sekundärlit. und Zeitungsart. – 2. StA Rüthen: Genealog. Slg. „Helle“ – 3. WLA Hagen: Materialslg.

Gedenkstätten: Gedenkstein an der katholischen Pfarrkirche in Lippstadt-Bökenförde; Geburtshaus in Bökenförde (Fotogr. WLA Hagen). Lippstadt war Sitz einer 1959 gegründeten Friedrich-Wilhelm-Helle-Gesellschaft. Helle wird genannt auf einer Gedenktafel am Gymnasium Petrinum in Brilon. Grabstätte auf dem Moosacher Friedhof in München (Fotogr. WLA Hagen).

Nachschlagewerke: Kehrein, Bd. 1, 1868 – Kehrein, Bd. 2, 1872 – Brümmer, Bd. 1, 1876 – Brugier, 9. Aufl. 1893 – Wienstein 1899 – Biogr. Jb. und Dt. Nekrolog 4, 1900 – LThK, Bd. 1, 1907; 2, Aufl., Bd. 4, 1932 – Lindemann, 9. Aufl. 1915 – Kosch, Bd. 1, 1933 [mit Bildn.] – Kürschner: Nekrolog 1936 – Salzer/Tunk, Bd. 2, 3. Aufl. 1972 – Bautz, Bd. 2, 1990 – Kosch, 3. Aufl., Bd. 7, 1979 – von Heydebrand 1983 – Dt. biogr. Archiv, Fiche 507, Sp. 63-67; N.F. Fiche 555, Sp. 138-169.