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Paul Walter Jacob

Geboren am 26. Januar 1905 in Duisburg als Sohn eines jüdischen Kaufmanns. Die Familie zog im Jahr seiner Geburt nach Köln und drei Jahre später nach Mainz. Nach dem Gymnasium Besuch des Konservatoriums in Mainz. Reifeprüfung. Seit 1921 Studium der Musik, Philosophie und Zeitungswissenschaft in Berlin. Dort bestand er die Aufnahmeprüfung an der Theaterschule. 1925 Assistent am Staatstheater Berlin. Mitglied im Pazifistischen Studentenbund. Ab 1926 Regieassistent an der Berliner Staatsoper Unter den Linden. 1929 verließ er Berlin, um sich die Sporen der Provinz zu verdienen (Biographien bedeutender Dortmunder). Für jeweils eine Spielzeit Engagements in Koblenz, Lübeck und Wuppertal, wo er nicht nur Regie führte, sondern vielseitige künstlerische Talente als Dramaturg, Dirigent, Schauspieler, Tänzer, Choreograph und Schreiber von Programmheften und Bühnenblättern entfaltete und sich zugleich in einem breiten Spektrum unterschiedlicher, künstlerischer Genres bewegte; an Wagner-Opern wirkte er ebenso mit wie an leichten Operetten, für klassische Musik setzte er sich ebenso ein wie für die neue avantgardistische Musik eines Arnold Schönberg oder Paul Hindemith. (ebd.) Seit 1932 Anfeindungen durch die Nazis. Flucht nach Amsterdam, dann Paris. In seiner vielversprechenden Karriere schlug er sich unter dem Pseudonym Paul Walter zunächst als Musikkritiker in deutschsprachigen Blättern durch, bevor er ab Herbst 1934 in Luxemburg als Mitglied der Gastspielbühne Die Komödie wieder an einem Theater arbeiten konnte. Daneben Tätigkeit für den Rundfunk. 1936 Wechsel an das Stadttheater Teplitz-Schönau (Tschechoslowakei). 1938 Aberkennung seiner deutschen Staatsbürgerschaft durch die Nationalsozialisten. Anfang 1939 ging er nach Argentinien, wo er am Argentinischen Tageblatt mitarbeitete. 1939 Heirat, wodurch er 1941 die argentinische Staatsbürgerschaft erlangte. 1940 Eröffnung einer Freien Deutschen Bühne in Buenos Aires. 1949 Rückkehr nach Deutschland. 1950 Intendant der Städtischen Bühnen Dortmund, später Generalintendant (bis 1962). Er zeichnete für zahlreiche hochrangige Theaterereignisse verantwortlich. Nachdem sein Vertrag nicht verlängert wurde, arbeitete er in mehreren Städten als freischaffender Schauspieler, Sprecher und Regisseur, behielt aber seinen Wohnsitz in Dortmund bei. Von 1964 bis 1970 Dozent an der Universität Köln. Er starb am 20. Juli 1977.

Pseudonyme: Paul Walter, Walter Jacques.

Auszeichnungen: Bundesverdienstkreuz (1969) – Ehrenmitglied der Dortmunder Bühnen (1975).

Selbständige Veröffentlichungen: El arte lirico. Su historia y sus compositores. Buenos Aires 1944 – Rampenlicht. Köpfe der Literatur und des Theaters. Ebd. 1945 – Zeitklänge. Komponisten-Porträts und Dirigenten-Profile. Buenos Aires: Editorial Cosmopolita, Freier dt. Buchverlag 1945 – Ricardo Wagner y su obra. Ebd. 1946 – Taten der Musik. Richard Wagner und sein Werk. Regensburg: Bosse 1952 – Richard Wagner. Leben und Werk. Hamburg: Sikorski 1958 – Jacques Offenbach in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten dargestellt. Reinbek: Rowohlt 1969, 1980, 1982, 1988, 1997 – Der beschwerliche Weg des Peter Cornelius zu Liszt und Wagner. Mainz: Krach [1974] – Max Reinhardt. Essay. Dortmund: Kulturamt 1974 – Jacques Offenbach 1880-1980. Bonn: Inter Nationes 1980 [mehrere Aufl.] – Im Rampenlicht. Essays und Kritiken aus fünf Jahrzehnten. Hg. von Uwe Naumann. Hamburg: Kabel 1985 – Musica prohibida. Verbotene Musik. Ein Vortrag im Exil. Hg. und kommentiert von F. Pohle. Hamburg: Hamburger Arbeitsstelle für Dt. Exilliteratur 1991.

Unselbständige Veröffentlichungen in: die aktion [l’action]. Organ zur Verteidigung der dt. Flüchtlinge und zum Kampfe gegen den Hitlerfaschismus, Jg. 1, 1933, Nr. 30 [Walter Jacques] – Das Blaue Heft, Paris 1932ff., Nr. 12f. – Dt. Freiheit, Saarbrücken, Jg. 1, 1933 [Paul Walter; P.W.] – Literatura, Buenos Aires, Jg. 2, 1942 – die neue Weltbühne, Jg. 30, 1934 bis 35, 1939 [Paul Walter] – Pariser Tagesztg., Jg. 3, 1938 [Paul Walter] – Jüd. Wochenschau, Buenos Aires, Jg. 2, 1941 – 1942 – Volksblatt, Buenos Aires, Jg. 1, 1941 – Das andere Deutschland, Jg. 5-7, Buenos Aires 1941/42-1944 – Porvenir. Zeitschr. für alle Fragen des jüd. Lebens, Buenos Aires 1942f.

Herausgabe: Leo Blech. Ein Brevier anläßlich des 60. Geburtstages. Hamburg 1931 – Felix von Weingartner. Ein Brevier anläßlich seines 70. Geburtstages. Wiesbaden 1933 – Theater. Sieben Jahre Freie Deutsche Bühne in Buenos Aires. Ein Brevier. Buenos Aires 1946 – Theater 1940-1950. Zehn Jahre Freie Deutsche Bühne in Buenos Aires. Ebd. 1950.

Übersetzung: Maurits Decker: Die Welt hat keinen Wartesaal. Schauspiel. 1950 – Mies Bouhuys: Jagd auf ein Pony. Jugend-Stück. 1956 – Miguel Mihura: Der Stoffesel. 1956 – Jacques Deval: Mademoiselle. 1956 – B. van Eysselsteijn: Wo immer es sei. Eine Welt ohne Furcht. Dramatische Phantasie nach einem legendären Motiv. Hamburg: Merlin [1957] Louis Velle: Ein solider junger Mann. 1958.

Hörspiel: Skandal in Weimar. Zu Peter Cornelius’ 90. Geb. (1965).

Bibliographie: Aktuelle Bücherlisten. StLB Dortmund, Nr. 22, Dez. 1969.

Selbständige Veröffentlichungen über Jacob: K.V. Wolfgang: Paul Walter Jacob und die Freie Dt. Bühne in Argentinien. Diss. phil. Wien 1979 [masch.] – U. Naumann (Hg.): Ein Theatermann im Exil. P. Walter Jacob. Hamburg 1985 – A. Löhrer (Hg.): Musikalische Streitschriften. Paul Walter Jacobs Musikpublizistik 1933-1949. Hamburg 2005 – Zwischen Schönberg und Wagner - Walter-A.-Berendsohn-Forschungsstelle für Deutsche Exilliteratur (Hg.): Musikerexil 1933-1949. Das Beispiel Paul Walter Jacob. Leipzig 2005. 

Unselbständige Veröffentlichungen über Jacob: K. Lauschke: Jacob, Paul Walter, in: Biogr. bedeutender Dortmunder. Hg. von H. Bohrmann. Bd. 2. Dortmund 1998, S. 70-72 [Fotogr.].

Erwähnungen in: H.-C. Wächter: Theater im Exil. Sozialgesch. des dt. Exiltheaters 1933-1945. München 1973, S. 200-204 – W.B. Lewis: Acitivsm and the Argentinean Exile Theater, in: W. Elfe, J. Hardin, G. Holst (Hg.): Dt. Exildrama und Exiltheater. Akten des Exillit.-Symposiums der Univ. Southern California 1976. Bern, Frankfurt/M., Las Vegas 1977.

Nachlaß, Handschriftliches: 1. DLA Marbach: Briefe an A. Kutscher 1948 (1), 1949 (2), undatiert (1) – 2. Archiv der Akad. der Künste, Berlin: Brief an H. Tietjen, 26.6.1956; Briefe von Ferdinand Bruckner, 14.3. 1958; von Erwin Piscator, 28.10.1953.

Sammlung: StA Dortmund: Biogr. Material Bestand 500 (Dossier).

Nachschlagewerke: W. Sternfeld, E. Tiedemann (Hg.): Dt. Exillit. 1933-1945. Eine Bio-Bibliogr. Heidelberg, Darmstadt 1962 – Kürschner: Dt. Lit.-Kalender 1978; Nekrolog 1971-1998 – Kürschner: Dt. Theaterlex. – Biogr. Handb. der dt.sprach. Emigration, Bd. 2, 1983 – Kosch, 3. Aufl., Bd. 8, 1981 – Dt. Biogr. Enzyklopädie, Bd. 5, 1997 – Dt. Biogr. Archiv, N.F., Fiche 641, Sp. 316-318 – Dt. Bibliothek.