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Arnold Andreas Friedrich Mallinckrodt

Geboren am 27. März 1768 in Dortmund als Sohn eines Wandschneiders und Ratsherrn. Eine jüngere Verwandte war die Ordensgründerin Pauline von Mallinckrodt. Von 1778 bis 1786 Besuch des Dortmunder Archigymnasiums. Anschließend einsemestriges Jura- und Kameralistikstudium in Halle. Fortsetzung des Studiums bis 1778 in Jena. Nach der Promotion zum Dr. jur. Rückkehr nach Dortmund. Dort neben juristischen Ämtern und kommunalen Ehrenämtern Teilhaber der Verlagsbuchhandlung Gebrüder Mallinckrodt. Fortan neben seinem juristischen Beruf Tätigkeit als Verleger, Lokalhistoriker und politischer Schriftsteller. 1802 Regierungsrat. 1812 Ausscheiden aus dem öffentlichen Dienst, um sich ganz der Publizistik zu widmen.

In der "Publizität" sah Mallinckrodt das Mittel, durch das er an der Bildung einer öffentlichen Meinung mitarbeiten und in der breiten Öffentlichkeit zu Gehör kommen konnte. [...] Mit Hilfe des Abonnentenwesens organisierte er seinerseits die Leserschaft, ward zur Keimzelle entstehender geselliger Agglomerationen und kettete kontinuierlich Massen zusammen. Als Redakteur des Westfälischen Anzeigers volksaufklärerisches Wirken. Erklärter Zweck des Westfälischen Anzeigers war es, "den Gemeingeist in Westfalen zu wecken, zu nähren, zu beleben, die Vaterlandsliebe immer mehr anzufachen; nützliche Kenntnisse in größeren Umlauf zu bringen und zu verbreiten; jedes Gute zu befördern, wo sich Gelegenheit dazu bietet; dem edlen Sinne fürs Gute, für Religion und Tugend Stoff und Nahrung zu geben; das zu prüfen und zu beherzigen, was das gesellige und bürgerliche Leben erleichtert und verschönert". Mallinckrodt zog etwa 300 Mitarbeiter an das Blatt heran, mit dem er eine Leserschaft von mindestens 6000 Personen erreichte. Er trat nachdrücklich für die Pressefreiheit ein und kam selbst verschiedentlich mit der Zensur in Konflikt.

Als der Anzeiger es wagte, die Übergriffe der preußischen Einquartierungen zu rügen, wurde Mallinckrodt zu zweimonatiger Festungshaft verurteilt. Er hat die Strafe nicht angetreten, sondern sein Recht bis in die höchste Instanz verfochten, die ihn freisprach. Sein Kampf um die Pressefreiheit erregte in Deutschland einiges Aufsehen, führte aber zu keinen Fortschritten. Im Dezember 1818 sah er sich gezwungen, die Herausgabe des Anzeigers endgültig aufzugeben. (Zitate nach G. Luntowski, in: Westfälische Lebensbilder) Hierauf Verkauf des Blattes samt Druckerei und Vertrieb. Vergeblicher Versuch, in Jena eine Professur zu erlangen und den Rheinischen Merkur als Neuen Rheinischen Merkur wieder erstehen zu lassen. Zog sich daraufhin ins Privatleben zurück. 1819 Kauf des Gutes Schlefe bei Soest. Verstarb am 12. Juni 1825 bei einem Besuch in Soest. Seine Grabstätte ist in Schlefe.

Mallinckrodt war neben Peter Florens Weddigen im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert der bedeutendste westfälische Publizist nach Justus Möser.

Selbständige Veröffentlichungen: Versuch über die Verfassung der kaiserlichen und des heiligen römischen Reichs freyen Stadt Dortmund. 2 Bde. Dortmund 1795 – Dissertatio inauguralis de praescriptione servitutem extinctiva. Jena 1788 – Kurzer Unterricht über Testamente und deren Aufnahme, nach Grundsätzen des Preußischen Rechts. Dortmund 1798 – Kleine Beiträge fürs practische Leben. Dortmund: Mallinckrodt 1815. 188S. (StLB Dortmund, StB Essen, Bibl. des Vereins für Orts- und Heimatkunde Witten) – Belehrung des Bauern-Standes über die demselben von Seiner Kaiserlichen Majestät durch die beyden Verordnungen vom 12. Dezember 1808 und vom 13. September 1811 verliehenen Rechte, und über dessen Pflichten gegen die bisherigen Hofesherrn. 2. Aufl. Dortmund: Mallinckrodt 1811. 57S. (ULB Münster, StLB Dortmund, StA Soest) – Zwey Reclamationen auf den Grund des kaiserlichen Decrets vom 28. März 1812 für einen Leibgewinner und einen Zeitgewinner. Dortmund: Mallinckrodt 1812. 15S. (StA Soest, StUB Köln) – Vertheidigungs-Rede des vormahligen Regierungs- und Präfacturrathes Dr. Arnold Mallinckrodt. Dortmund: Mallinckrodt 12S. (StA Soest) – Vernehmlassung der vormahligen Regierungs- und Präfacturraths Dr. Arnold Mallinckrodt zu Dortmund. Dortmund 1813. 36S. (StA Soest, StUB Köln) – Was thun bey Deutschlands, bey Europas Wiedergeburt. 2 Bde. Dortmund: Mallinckrodt 1812-1814 (UB/ StB Köln, StLB Dortmund, ULB Düsseldorf, StB Essen) – Ueber die neuen Urkunden, welche die Besitzer von Bauerngüter aufzustellen haben. Dortmund: Mallinckrodt 1812. 16S. (ULB Münster, StA Soest, StUB Köln) – Ist der aufgehobene Besitz über das aufhebende [!] Gesetz und über den [!] Kaiser? Dortmund: Mallinckrodt 1812. 16S. (StUB Köln, StA Soest) – Versuchter Entwurf einer Landes-Grundverfassung für die Staaten Teutschen Stammes. Leipzig: Gleditsch 1814. 78S. (StUB Köln, Lipp. LB Detmold, StB Trier, StB Essen) – Vater Jakob, der reich gewordene Bauer. Ein Hausbuch für den Bauernstand. Dortmund 1814 – Der Bauernstand an seinen gerechten König Friedrich Wilhelm III. Ueber die gutsherrlichen und bürgerlichen Rechtsverhältnisse mit besonderer Rücksicht auf die Grafschaft Mark und die Provinz Westfalen überhaupt. Dortmund: Mallinckrodt 1816. VIII, 202S. (StLB Dortmund, ULB Münster, ULB Düsseldorf, EAB Paderborn) – Bemerkungen, Teutschlands Litteratur und Buchhandel betreffend. Dortmund 1815 (ULB Münster); Nachdr. in: Quellen zur Gesch. des Buchwesens 9, 1981, S. 327-374 [unter falscher Namensnennung: Armin Mallinckrodt] – Thue recht und scheue Niemand. Berufung ans Publikum gegen einen öffentlichen Angriff in Beziehung auf die Rechtsverhältnisse des Bauernstandes. Dortmund: Mallinckrodt 1814. 108S. (StLB Dortmund, Bad. LB Karlsruhe, EDDB Köln, StA Soest) – Berufung der Öffentlichkeit an die Öffentlichkeit. Dortmund: Mallinckrodt 1817. VIII, 48S. (StLB Dortmund, EDDB Köln) – Preßfreyheit, Preußens Grundton. Dortmund: Mallinckrodt 1817 – Zeitgegenstände. Kleine Beyträge über Staatsverfassung und Staatsverwaltung. Leipzig: Tippmanns 1817. 144S. [anonym] (ULB Düsseldorf, StB Trier, StB Pirmasens); Dortmund: Mallinckrodt 1818. 263S. (StUB Köln, StLB Dortmund) – Ein merkwürdiger Prozeß, in zwey Prozeßakten. Dortmund: Mallinckrodt 1818 – Umriß meiner Vorlesung über praktisches Geschäftsleben. Dortmund: Mallinckrodt 1819 – Ein Angriff der Preußischen Staatszeitung und eine Vertheidigung in Aktenstücken. Ein Beytrag zur Geschichte der Zeit, insbesondere zur Verwaltung in derselben. Jena: Braun 1819 (Bibl. Verein für Orts- und Heimatkunde Witten) – Beredsamkeit, ein Bedürfnis unserer Zeit, deren Werth und Würde. Weimar 1819 – Leitfaden zu Vorlesungen über das Teutsche Privatrecht. Jena 1819 – Über die Behandlung des Teutschen Privatrechts. Dortmund: Mallinckrodt o.J. – Ueber Beredtsamkeit überhaupt, und über geistliche, Staats- und gerichtliche Beredsamkeit insbesondere. Schwelm: Scherz 1821. 340S. (ULB Düsseldorf, Bibl. Verein für Orts- und Heimatkunde Witten, StUB Köln) – postum: Historische Nachrichten Dortmunds ältere Verfassung betreffend. Dortmund: Krüger 1844. 21S. (StLB Dortmund).

Unselbständige Veröffentlichungen in: Mallinckrodt: Dortmundisches Magazin 1796: Allgemeine Einleitung, von dem Zweck und den Gegenständen des Magazins; Ueber die Quellen und Hülfsmittel der Dortmundischen Geschichte, als Einleitung in dieselbe – Mindener Sonntagsbl. 1818, H. 1: Preßfreiheit, Preußens Grundton – Die Zeiten 1819, März, St. 3: Noch zwey patriotische Reden – zahlr. Beitr. in seinen eigenen publizistischen Organen.

Herausgabe: Der Pfarrer von Elsey. Das Interessanteste aus dem Nachlasse Johann Friedrich Möllers, des Verfassers der bekannten Bittschrift an den König Friedrich Wilhelm i.J. 1806. 2 Bde. Dortmund: Mallinckrodt 1806-1810 (Lipp. LB Detmold, EAB Paderborn, StA Soest); 2. Ausg. u.d.T.: Patriotische Phantasien. 2 Bde. Hamm: Schulz und Wundermann 1821. XLVIII, 258S. (StUB Köln, StB Wuppertal-Elberfeld, StB Trier) – J[ohann] H[yancinth] Ph[ilidor] Seidenstücker's Nachlaß, die Teutsche Sprache betreffend. o.O. 1816 – Anthologien und Zeitschriften: Magazin von und für Dortmund. Jg. 1, St. 1-3, Dortmund 1796 [mit W. Schemann]; Jg. 1797, H. 1-2; Forts. u.d.T.: Magazin für Westphalen. H. 3-5. Dortmund: Blothe 1797. 564S.; Jg. 1798, H. 1-5. 576S; Nachdr. in 2 Bdn. Dortmund: Mallinckrodt 1798. 568S.; Nebentitel: Magazin für Westfalen. Der Geographie, Geschichte, Statistik und allem nützlichen Wissen gewidmet [1797 und 1798 mit Peter Florens Weddigen] – Allgemeiner Bauernkalender. Dortmund: Mallinckrodt 1811ff. (ULB Münster); 1.-3. Aufl. Dortmund 1811-1813 – Neuestes Magazin der Geographie, Geschichte, Statistik, überhaupt der genauern Kunde Westfalens gewidmet. Jg. 5. Dortmund: Mallinckrodt 1816. 404S. – Westphälischer Anzeiger [ab 1817 u.d.T.: Rheinland-Westfalen Anzeiger, 1817-1822 u.d.T.: Rheinisch-westphälischer Anzeiger, 1823-1830 u.d.T.: Rheinisch-westphälischer Anzeiger etc.; 1798-1818 hg. von Mallinckrodt, dann von seinem Schwiegersohn Heinrich Schulz]. Dortmund, Hamm, Wesel 1798-1818 (1815-1844 Hess. LB Wiesbaden; WLMKuK Münster) – Redaktion des Neuen Rheinischen Merkurs. Solingen, Mülheim/R. Jg. 1819 (StLB Dortmund).

Briefe von Mallinckrodt: an Ludwig von Vincke, 31.12.1813, 16.11.1814, in: H.J. Schoef: Briefe an Ludwig Vincke, in: Westfalen 44, 1966, S. 264-272.

Zeitgenössische Zeugnisse: Justus Gruner: Meine Wallfahrt zur Ruhe und Hoffnung, oder Schilderung des sittlichen und bürgerlichen Zustandes Westphalens, am Ende des achtzehnten Jahrhunderts. Bd. 1. Frankfurt/ M. 1802. Bd. 2. 1803 [mehrf. erwähnt] – Hüffer 1952, S. 444.

Selbständige Veröffentlichungen über Mallinckrodt: Verzeichnis der von den Herren Regierungsrath Mallinckrodt und Land- und Stadt-Gerichtsdirektor Geck nachgelassenen Bücher, welche am 25. Okt. verkauft werden sollen. Soest 1827 (StA Soest) – E. Maurmann: Arnold Mallinckrodt, sein Leben und Wirken. (1760-1825). Diss. Münster 1925 [vollst. Diss. als Handschr. in der StLB Dortmund] – Beiträge zur Geschichte der Familie von Mallinckrodt. H. 2. Dortmund 1913 (StUB Köln) – A. Meininghaus: Weitere Ahnen des westfälischen Publizisten Dr. Arnold Mallinckrodt. Dortmund 1933 [Aus: Mitteilungen d. Westdt. Ges. f. Familienkunde. 8,1] – G. Sandgathe: Der "Westfälische Anzeiger" und die politischen Strömungen seiner Zeit (1798-1809). Dortmund 1960 (=Dortmunder Beitr. zur Zeitungsforschung 5) [mit Bibliogr.].

Unselbständige Veröffentlichungen über Mallinckrodt: L. von Winterfeld: Arnold Mallinckrodt, in: Heimatblätter. Monatsschr. für das niederrhein.-westf. Land 2, 1920/21; dies.: Gedanken Arnold Mallinckrodts über Deutschland und Europas Wiedergeburt im Jahre 1814, in: Kalender für die westf. Mark 1925. Dortmund 1924 – G. Luntowski: Arnold Mallinckrodt (1768-1825), ein Vertreter des frühen Liberalismus in Westfalen, in: Beitr. zur Gesch. Dortmunds und der Grafschaft Mark 73, 1981; ders.: Arnold Mallinckrodt (1768 - 1825), in: Westfälische Lebensbilder Bd. 15, 1990, S. 91-107 – H. Klueting: Frühliberalismus und Konstitutionalismus am Rhein und in Westfalen. Arnold Mallinckrodts u. Johann Paul Brewers Beiträge zur Verfassungsdiskussion in d. preuß. Westprovinzen (1814 - 1820), in ders.: Nation - Nationalismus - Postnation. Beiträge zur Identitätsfindung d. Deutschen im 19. u. 20. Jh. Köln u.a. 1992, S. 11-25 – W.v. Rüden: Kämpfer für Recht und Freiheit. Dr. Arnold Mallinckrodt - Verleger in Dortmund, Bauer in Schwefe, in: Heimatkalender des Kreises Soest 1998 (1997), S. 46-47 – T. Schilp: Arnold Mallinckrodt (1768 - 1825). Ein Vertreter des Frühliberalismus in Dortmund, in: Heimat Dortmund 2, 1998, S. 17-19.

Erwähnungen in: H. Becker: Die Anfänge der Tagespresse in Dortmund, in: Beitr. zur Gesch. Dortmunds und der Grafschaft Mark 9, 1902 – d'Ester 1907 – Knebel 1908a, S. 7f., 37, 63 – Thoma 1909, S. 148f. – K. d'Ester: Zur Geschichte der Presse und der öffentlichen Meinung im Großherzogtum Berg, in: Zeitschr. des Bergischen Geschichtsvereins 44, 1911 – Lampmann 1914, S. 70f. – Gerwin 1920, Kap. 4,3: Mallinckrodts Zeitschriften, S. 76-90; Kap. 4,4: Der westf. Anzeiger, S. 90-218 – Casser 1928, S. 111 – Schwering 1930, S. 69 – Kiepke 1932, S. 18 – Casser 1934, S. 43, 47f. – A. Meininghaus: Der soziale Aufstieg der Dortmunder 'Mallinckrodt', in: Beitr. zur Gesch. Dortmunds und der Grafschaft Mark 44, 1938 – Heinemann 1974, S. 80f. – Keinemann 1974 [s. Register] – A. Klotzbücher (Hg.): Literarisches Leben in Dortmund. Beitr. zur Geschichte von Literatur, Buchhandel und Vereinen. Dortmund 1984, S. 61ff., S. 181ff. – Gödden/ Nölle-Hornkamp: Musen 1990 – B. Plachta: Zensur in Westfalen (1802-1848), in: Gödden/ Nölle-Hornkamp: Musen 1990, S. 231-238; ders.: Literaturvermittlung und Zensur. Die Auseinandersetzungen beim Betreiben einer Leihbibliothek in Münster zwischen 1798 und 1802, in: Westfalen 66, 1988, S. 113-123 – Gödden/ Nölle-Hornkamp: Westf. Dichter 1992 [Stichw.: Dortmund].

Bildnis: 1. Porträt in der Porträtslg. der StLB Dortmund (Abb.: Schulte: Westf. Köpfe, 3. Aufl. 1984) – 2. Autotypie (StLB Dortmund) – 3. zwei Brustbilder (StA Dortmund; Foto StLB Dortmund; erwähnt in: Westf. Bildnisse 1927, S. 19).

Nachschlagewerke: Hamberger/ Meusel, 5. Aufl., Bd. 5, 1797; Bd. 10, 1803; Bd. 18, 1821 – Neuer Nekrolog 3, 1825 (1827) – ADB, Bd. 20, 1884 – von Heydebrand 1983 – Schulte: Westf. Köpfe, 3. Aufl. 1984 – NDB 1987 – Westf. Lebensbilder 15, 1991, S. 91ff. (G. Luntowski) – Dt. Biogr. Archiv, Fiche 799, Sp. 54-61.