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Johann Arnold Kanne

Geboren am 28.(31.?) Mai 1773 in Detmold. Studium zunächst der Theologie, dann der Philologie in Göttingen. War Privatlehrer in Leipzig und Halle. Unternahm erste schriftstellerische Versuche im Stile Jean Paul Richters. Begann ein Wanderleben und lebte völlig verarmt und in romanhaft-abenteuerlichen Verhältnissen (Goedeke) als freier Schriftsteller in Jena und Würzburg. Widmete sich in dieser Zeit mythologischgeschichtsphilosophischen Studien. Geriet wegen seiner mythologischen Anschauungen mit der Zensur in Konflikt und wandte sich hilfesuchend an Jean Paul Richter, der ihm die Veröffentlichung ermöglichte. Mehrfach im Kriegsdienst und in Kriegsgefangenschaft, wurde er 1809 auf Bitten Jean Pauls von Friedrich Heinrich Jacobi freigekauft. Wurde 1817 Professor der Philosophie am Gymnasium in Nürnberg. Fortsetzung seiner sprach- und mythenarchäologischen Studien. 1818 Professur für orientalische Sprachen in Erlangen. Verstarb dort am 17. Dezember 1824.

Er muß zu denjenigen Geistern [...] gerechnet werden, die, ausgerüstet mit hervorragenden Geistesgaben, dennoch unfähig waren, die Conflicte ihrer Zeit zu überwinden, um an diesen schließlich zu zerschellen (Heinrich von Kleist, Grabbe u.a.). Seine Biographie ist nichts als eine Kette von Kämpfen und Wandlungen in seinem Inneren, aber es fehlen die Ruhepunkte, [...]. (ADB) – K gehört zu den wenigen bekannten Vertretern einer insbes. an Schelling u. Friedrich Schlegel anknüpfenden Geschichtsmetaphysik, die sich auf vergleichende Mythendeutung u. auf Spekulationen über symbolhafte bzw. sprachgenealogisch zu bestimmten Archetypen einer histor. Tiefenstruktur verlegte. Ähnliche Ansätze finden sich bei Creuzer, Görres u. Jacob Grimm. (Killy-Literaturlexikon)

Pseudonym: Walter Bergius; Johannes Author; Anton von Preußen.

Selbständige Veröffentlichungen: Blätter von Aleph bis Kuph. Leipzig 1801 – Kleine Handreise von Walther Bergius. Penig 1803 – Blepsidemus oder Nicolais literarischer Liebesbrief [Drama in 5 Aufz.]. Leipzig 1803 – Über die Verwandtschaft der griechischen und teutschen Sprache. Leipzig 1804 – Neue Darstellung und Mythologie der Griechen und Römer. Leipzig 1805. Bd. 1. Leipzig: Breitkopf und Härtel 1802 (ULB Münster, StLB Dortmund) – Erste Urkunden der Geschichte oder allgemeine Mythologie. Mit einer Vorrede von Jean Paul Friedrich Richter. 2 Bde. Bayreuth: Lübeck 1808 (Lipp. LB Detmold, EAB Paderborn); Neuausg. Bayreuth, Hof Crauische Buchhdlg. 1814. 764S. (StLB Dortmund) – Gianetta, das Wundermädchen Roms [Roman]. Bayreuth 1809 – Comoedia humana oder Blepsidemus Hochzeit und Kindtaufe [Lustspiel in 2 Aufz.]. Bayreuth 1811 – Geschichte des Zwillings a pede. Nürnberg 1811 [Pseud. Johannes Author] – Pantheum der Aeltesten Naturphilosophie, die Religion aller Völker. Tübingen: Cotta 1811 (ULB Münster, Lipp. LB Detmold, StB Trier) – Johann Arnolds Kanne's System der indischen Mythe, oder Chronus und die Geschichte des Gottmenschen in der Periode des Vorrückens der Nachtgleichen. Nebst einer Übersicht des mytischen Systems als Beilage an den Verfasser von Adolph Wagner. Leipzig: Weygand 1813. 611S. (ULB Münster, StB Trier, StLB Dortmund, StUB Köln) – Zwanzig kritische Paragraphen und historische Noten zum Text der Zeit. Leipzig 1814 [Pseud. Anton von Preußen] – Lappalien und gekrönte Preisschriften. Leipzig: Weygand 1814. XVI, 78S. (StB Trier, StB/UB Köln) – Sammlung wahrer und erwecklicher Geschichten aus dem Reiche Christi und für dasselbe. 3 Bde. Nürnberg 1815-1822 (StB Trier, Lipp. LB Detmold) – Saemundis Führungen. Ein Roman aus der Geschichte der freien Maurer im ersten Jahrhundert. Nürnberg: Riegel und Wießner 1816. 324S. (Grabbe-Archiv Detmold, StB Trier) – Worte der Warnung. Nürnberg 1817 – Leben [Johann Arnold Kannes] und aus dem Leben merkwürdiger und erweckter Christen aus der protestantischen Kirche. Nebst angehängter Selbstbiographie des Verfassers. Bamberg, Leipzig: Kunz 1816. XX3üV, 296S. (Lipp. LB Detmold); 2. Aufl. Leipzig: Brockhaus 1842 – Romane aus der Christenwelt aller Zeiten. Nürnberg: Riegel und Wießner 1817 [Bd. 1: Die zwei Verfolgten; Die zwei Verirrten und der entlarvte Heuchler] (Bd. 1. Lipp. LB Detmold, StB Trier) – Biblische Untersuchungen oder Auslegungen mit und ohne Polemik. 2 Bde. Erlangen 1819f. (UB Bonn) [Forts. zu: Leben und aus dem Leben. 1816]; dass. Frankfurt/M.: Andreä 1824. VIII, 223S. (Städt. Ratsgymn. Bielefeld, Lipp. LB Detmold); 2. Aufl. Leipzig: Brockhaus 1842. XXXXVI, 272S. (Lipp. LB Detmold) – Ein Recensent und noch einer. Nürnberg: Schrag 1820. 30S. – Die goldenen Aerse der Philister. Nürnberg 1820 (StB Berlin) – Zwei Beiträge zur Geschichte der Finsterniß in der Reformationszeit oder Ph. Camerarius Schicksale in Italien, nach dessen eigener Handschrift und Adolph Clarenbachs Martyrthum nach einer sehr selten gewordenen Druckschrift. Frankfurt/M.: Hermann 1822. 232S. (StUB Köln) – postum: Aus meinem Leben. Aufzeichnungen eines deutschen Pietisten. Hg. von C. Schmitt-Dorotic. Berlin: Furche 1919. 66S. (Lipp. LB Detmold, StB Essen, StA Bielefeld); Wien, Leipzig: Karolinger-Verlag 1994 – Aus meinem Leben. Johann Arnold Kanne; Selbstbekenntnisse. Georg Heinrich von Berenhorst. Hg. von Albéric Caron. Mit einem Beitrag von Carl Schmitt (1918). Wien, Leipzig 1994 – weitere theol. und hist. Schriften, s. die unten genannten Nachschlagewerke.

Unselbständige Veröffentlichungen in: Fouque/Neumann: Musen 1814, St. 1: Germanische Trümmer – Jung-Stilling: Christl. Taschenbuch auf das Jahr 1830-1834.

Übersetzungen: Menschliches Elend. Aus dem Englischen des Jacob Beresford übersetzt von Adolf Wagner. Nebst Eigenbeweisen aus den Kupfern von Johann Arnold Kanne, Prof in Nürnberg. Bayreuth 1810 (UB Bonn).

Herausgabe: Auserlesene christliche Lieder verschiedener Verfasser der älteren und neueren Zeit. Nebst einem Anhang, enthaltend Lieder von D. Martin Luther. Gesammelt von einer Freundin [der Pastorin Mentze in Bremen]. Erlangen 1818 – Matthes Weyers geistreiche mündliche Sprüche, das inwendige Christenthum betreffend neu bearbeitet. Nürnberg 1817 (Lipp. LB Detmold) – Johann Friedrich von Meyer: Weissagungen und Verheissungen der Kirche Christi auf die letzten Zeiten der Heiden. Nach dem Werk des P. Lambert auszugsweise für Christen aller Konfessionen. Bearb. und mit Zusätzen und Anm. vers. von [...] Jaschem. Nürnberg 1818.

Zeitgenössische Zeugnisse: Brief Jean Paul Richters an G.A. Mahlmann vom 5.10.1801, in: Dichtung 1809, Bd. 8, S. 70 – Jean Paul Richter: Überchristenthum: Wider-Kanne. 1817 Mai, in ders.: Sämtliche Werke. Hist: krit. Ausg. 2. Abt. Weimar 1934. Bd. 4, S. 3567; ders : Erste Urkunden der Geschichte oder allgemeine Mythologie von Johann Arnold Kanne [1808], in ebd., 1. Abt. Bd. 16. 1838, S. 281-287 (Lipp. LB Detmold).

Briefe an Kanne: von Joseph von Görres, in ders.: Gesammelte Briefe. Bd. 2. Hg. von F. Binder. München 1874, S. 75f, S. 261-264 und 268.

Selbständige Veröffentlichungen über Kanne: E. Neumann: Johann Arnold Kanne. Ein vergessener Romantiker. Ein Beitrag zur Geschichte der mystischen Sprachphilosophie. Diss. Erlangen 1927 (Lipp. LB Detmold) – D. Schrey: Mythos und Geschichte bei Johann Arnold Kanne und in der romantischen Mythologie. Tübingen 1969 (=Studien zur dt. Literatur 14) (Lipp. LB Detmold) – M. Hierzel: Lebensgeschichte als Verkündigung. Johann Heinrich Jung-Stilling, Ami Bost, Johann Arnold Kanne. Göttingen 1998 (=Arbeiten zur Geschichte des Pietismus 33)

Unselbständige Veröffentlichungen über Kanne: R. von Raumer. Johann Arnold Kanne, in: Geschichte der germanischen Philologie vorzugsweise in Deutschland. München 1870, S. 362-365 (Lipp. LB Detmold) – J.L. Döderlein: Ein großer Gelehrter der Romantik- Johann Arnold Kannes Leben vollendet sich in Franken, in: Frankenspiegel 2, 1951- W. Lohmeyer: Johann Arnold Kanne. Ein Detmolder war Professor in Erlangen [1 Abb.], in: Unsere Kirche, Bielefeld, 22,1967, Nr. 23 (Lipp. LB Detmold) – S. Scholz: Erinnerung an Arnold Kanne. Anklage gegen sich selbst, in: Dt. Alig. Sonntagsbi., Nr. 51/52 vom 21.12.1974, S. 10 – F. Wiehmann: Aus dem Leben eines merkwürdigen Christen. Zur Erinnerung an Johann Arnold Kanne, in: Unsere Kirche, Bielefeld, 30, 1975, Nr. 5 (Lipp. LB Detmold) – H. Weigelt: Johann Arnold Kanne und die Fränkische Erweckungsbewegung im Spiegel seiner Korrespondenz mit Gotthilf Heinrich Schubert, in: Zeitschrift für bayerische Kirchengeschichte 67, Hg. von H. Clauß, 1998, S. 60-66.

Erwähnungen in: T. Kolde: Die Universität Erlangen unter dem Hause Wittelsbach 1810-1910. Festschr. der Jahrhundertfeier der Verbindung der Friderico-Alexandrina mit der Krone Bayern. Erlangen, Leipzig 1910 [mehrf. erwähnt] (Lipp. LB Detmold).

Nachlaß, Handschriftliches: 1. StBPK Berlin – 2. UB Erlangen – 3. Bayer. StB München – 4. GSA Weimar – 5. StB Wien – 6. StB Erlangen – 7. UB Göttingen – zum Inhalt: Frels 1934, S.153.

Nachschlagewerke: Hamberger/Meusel, 5. Aufl., Bd. 10, 1803; Bd. 11, 1805; Bd. 14, 1810; Bd. 18, 1821; Bd. 23, 1834 – Raßmann 1823 – Neuer Nekrolog 2, 1824 (1826), H. 2 – RaBmann 1826 – Wolff, Bd. 4, 1839 – Döring, Bd. 2, 1832 – Eckstein 1871 – ADB, Bd. 15, 1882 – Brümmer 1884 – Eckart 1891 – Jöcher/ Adelung, Bd. 7, 1897 – Goedeke, Bd. 6, 2. Aufl. 1898 – Kosch, Bd. 1, 1928; 3. Aufl. Bd. 8, 1981 – Lipp. Bibbogr., Bd. 1, 1957 – Killy, Bd. 6, 1990 – Dt. Biogr. Archiv, Fiche 625, Sp. 96-122.