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Werner von Haxthausen

Geboren am 18. Juli 1780 in Bökendorf bei Brakel. Bruder von August von Haxthausen. 1799 Erziehung und Ausbildung durch Friedrich Leopold von Stolberg in Münster. Dort Studium der Rechtswissenschaft sowie klassischer und orientalischer Sprachen. Daneben Besuch von philosophischen und naturwissenschaftlichen Vorlesungen. Durch Stolberg Anregung zu deutschen Nachdichtungen pindarischer und horazischer Oden. Kontakte zum Kreis der familia sacra der Fürstin Amalia von Gallitzin. Über diesen Kreis Bekanntschaft mit Anton Mathias Sprickmann. 1804, nach zweijährigem Aufenhalt in Böhmen, juristisches Examen in Prag. 1805 Gerichtsreferendar in Münster. In Paderborn Übernahme einer vakanten Dompräbende. 1806 Deputierter der Ständevertretung des Hochstifts Paderborn, bis dieses von Napoleon aufgelöst wurde. Teilnahme an Aufständen gegen Frankreich. 1807 Studium orientalischer Sprachen in Paris. 1808 Fortsetzung des Studiums in Göttingen. Bekanntschaft mit den Brüdern Grimm. Anregungen zur Beteiligung an deren Sammelbestrebungen und germanistischen Studien. Führte die Grimms später in seine Familie ein und knüpfte so den Kontakt zum Bökendorfer Märchenkreis (_August von Haxthausen). 1809 zusätzliches Medizinstudium in Halle. Umgang im Kreis des Naturphilosophen Wilhelm Steffens. Teilnahme an den konspirativen, jedoch frühzeitig aufgedeckten Umsturzplänen des Majors Dörnberg gegen Jérôme Bonaparte. 1810 Mitglied eines geheimen Tugendbundes. 1811 wegen dieser politischen Tätigkeit Flucht über Schweden nach London, wo er mit einflußreichen preußischen Beamten, u.a. mit August Neithardt von Gneisenau, Freundschaft schloß. Unter dem Namen Dr. Albrock für zwei Jahre Hilfsarzt in einem Londoner Krankenhaus. 1813 Schiffsarzt bei der Britischen Ostindien-Kompanie. Schon im Begriff, nach Kalkutta abzusegeln, veranlaßte ihn die politische Entwicklung (Napoleons Flucht aus Rußland) zur Rückkehr nach Deutschland. Als Major Teilnahme an den Freiheitskriegen. 1814 Aufenthalt in Paris und Verkehr in politisch einflußreichen Kreisen. 1814/15 Teilnahme am Wiener Kongreß. Bekanntschaft mit Josef von Laßberg, dem späteren Schwager Annette von Droste-Hülshoffs. Gelangte in Wien in den Besitz des kostbaren Grundstocks seiner Sammlung neugriechischer Volkslieder. Durch von Hardenberg Ernennung zum Regierungsrat der preußischen Rheinprovinz. Freundschaft mit dem Grafen Solms-Laubach, dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz, der für die nächsten Jahre sein politischer Gönner war. Im Sommer 1815 in Wiesbaden Zusammentreffen mit Goethe, der Haxthausen auch später wiederholt zur Herausgabe seiner Sammlung neugriechischer Volkslieder anregte [es erschienen lediglich Proben in August von Haxthausens Wünschelruthe 1818]. 1825 Heirat mit der wohlhabenden Kölner Freiin Elisabeth von Harff. 1826 nach glückloser Tätigkeit Entlassung aus dem preußischen Staatsdienst. Übernahme der Verwaltung der Familiengüter in Bökendorf. 1830/31 längere Italienreise. 1833 Abgeordneter des Westfälischen Provinziallandtages. Aufgrund der Veröffentlichung seiner konservativen, für die Belange des westfälischen Adels eintretenden Schrift Über die Grundlagen unserer Verfassung zeitweilige politische Verfolgung und Inhaftierung in Münster. 1837 durch Vermittlung seines Freundes, des katholischen Publizisten Joseph Görres, Ansiedlung in Bayern. Erwerb des Gutes Neuhaus in Oberfranken. Dort zeitweilig wohnhaft. Weiterhin ausgedehnte Reisen. 1839 vom bayerischen König in den erblichen Grafenstand erhoben. Verstarb am 30. April 1842 in Würzburg.

Verfügte über eine bedeutende Sprachbegabung. Bis 1818 eigene, nicht unbedeutende, jedoch bis auf geringe Proben unveröffentlicht gebliebene lyrische Versuche. Nach dem Verlassen des Stolbergschen Hauses Beeinflussung durch die Frühromantik. Begeisterung für Arnim und Brentanos Volksliedsammlung Des Knaben Wunderhorn. Seit dieser Zeit selbst aktiver Volksliedsammler. Um 1810 Plan zur Herausgabe eines Almanachs mit alten deutschen Jägerliedern. Zahlreiche weitere, jedoch jeweils gescheiterte Editionspläne. Daneben Sammlung altgermanischer Texte und Schwärmerei für die germanisch-deutsche Vorzeit (Hartmut Beckers). In Wien 1814/15 neben Joseph von Laßberg treibende Kraft bei der am 10. Januar 1815 erfolgten Gründung eines Allgemeinen Adelsvereins durch ganz Teutschland, die Kette genannt. Die Vereinigung verfolgte eine Wiederbelebung altadelig-ritterlicher Werte und Tugenden zur moralischen [...] Restauration Deutschlands nach den Wirren der Französischen Revolution. (Beckers) Angeregt durch Freunde aus dem Wallraf-Kreis und die Bekanntschaft mit Eberhard von Groote in seiner Kölner Zeit mit Studien zur mittelalterlichen deutschen Literatur befaßt. So hielt sich etwa der auf der Suche nach unbekannten germanischen Handschriftenschätzen weitgehend mittellos durch die Lande ziehende junge Heinrich Hoffmann von Fallersleben 1820/21 monatelang bei ihm auf. Die gemeinsame Begeisterung für die mittelalterliche deutsche Literatur [...] zeitigte den Plan eines gemeinsamen Editionsprojektes, das unter dem Titel "Westphälische Beiträge zur Geschichte deutscher Sprache und Dichtung, herausgegeben durch Werner von Haxthausen und Heinrich Hoffmann von Fallersleben" wichtiges altdeutsches Quellenmaterial bekannt machen sollte (Beckers), ein Vorhaben, das ebenfalls nicht zur Ausführung kam. – War in seiner Studienzeit häufig Gast in Hülshoff. Vermittelte um 1811 den Kontakt zwischen Annette von Droste-Hülshoff und Anton Mathias Sprickmann. 1825/26 längerer Aufenthalt der Droste in seinem Haus in Köln. Über ihn erschloß sie sich Zugang zur Kölner und Bonner Gesellschaft. Ansonsten herrschte ein eher gespaltenes Verhältnis zwischen ihr und von Haxthausen, u.a., weil er ihrem literarischen Schaffen kritisch gegenüberstand. (Zitate nach Beckers 1990)

Pseudonym: Sigurt Albrock.

Selbständige Veröffentlichungen: Ueber die Grundlagen unserer Verfassung. o.O. 1833. 241S. (ULB Münster); Unveränderter Abdruck mit einer Lebensskizze [von Ferdinand Bartscher], nebst Portrait und Facsimile des Verfassers. Neu hg. von seinem Schwiegersohn [Hermann von und zu Brenken]. Paderborn: Schöningh 1881. XXXIX, 248S. (DG Münster, ULB Münster).

Unselbständige Veröffentlichungen in: Wünschelruthe 1818: Proben aus seiner Übersetzung Neugriechischer Volkslieder – Mone: Anzeiger für die Kunde der teutschen Vorzeit 1837/38: Lieder, Reimsprüche.

Übersetzungen: postum erschienen: Neugriechische Volkslieder. Urtext und Übersetzung. Hg. von K. Schulte Kemminghausen und G. Soyter. Münster: Aschendorff 1935. IX, 135S. (=Veröffentl. der Annette von Droste-Gesellsch. 4) (ULB Münster).

Briefe von Haxthausen: F. Keinemann: Westfälischer Adel und preußische Staatsverwaltung. Aus unveröffentlichten Briefen Werner von Haxthausens, in: Westf. Zeitschr. 120, 1970, S. 458ff. – Briefe an Haxthausen: W. Oeke: Ein Goethebrief an Werner von Haxthausen. 1823, in: Heimatborn 15, 1935, S. 26 – Briefwechsel: Freundesbriefe von Jacob und Wilhelm Grimm [1812-1859]. Mit Anm. hg. von A. Reifferscheid. Heilbronn 1878 [Briefe an die Familie von Haxthausen] – W. Schoof: Freundesbriefe der Familie Haxthausen an die Brüder Grimm, in: Westf. Zeitschr. 94, 1938 – T. Hamacher: Die Briefe des Werner von Haxthausen vom Wiener Kongreß 1814/15, in: Die Warte 26, 1965, S. 4-6 und 57 – Werner von Haxthausen. Westfälischer Freiherr und bayerischer Graf im Briefwechsel mit seinen Geschwistern. Familienbriefe aus den Jahren 1825 bis 1850. Hg. von Ruth Gräfin von Westfalen. Münster 1998.

Zeitgenössische Zeugnisse: Joseph von Görres: Gesammelte Briefe. Bd. 3. Hg. von F. Binder. München 1874, S. 421ff. –  Ludwig Pernice: Rechtsgutachten betreffend die Ansprüche des Herrn Werner Grafen von Haxthausen zu Bökendorf auf das Dorf Welda und den gegenwärtigen Stand des zwischen gedachtem H. Grafen u. den Geschwistern Frh. Franz u. Freiin Therese v. Brakel zu Welda vor dem Kgl. Preuß. Oberlandesgericht zu Paderborn obschwebenden Rechtsstreit. Halle: Gebauer-Schwetschke 1840. 50 S. (StB Berlin) – Heinrich Steffens: Was ich erlebte. Bd. 6. Breslau 1843, S. 122ff.

Selbständige Veröffentlichungen über von Haxthausen: Gütige Mittheilungen der Freifrau von Brenken, geb. Gräfin von Haxthausen. o.O.u.J. – E. Arens: Werner von Haxthausen und sein Verwandtenkreis als Romantiker. Mit unveröffentl. Porträts. Aichach 1927 – J.L. Adams: Werner von Haxthausen: Political Romanticism and Restoration in Germany 1815-1842. Diss. Harvard, Cambridge, Massachusetts, USA, 1971 – H. Beckers: Werner von Haxthausen (1780-1842). Ein westfälischer Jugendfreund der Brüder Grimm und seine poetischen, germanistischen, volkskundlichen und antiquarischen Aktivitäten. Vortrag vor der Annette von Droste-Gesellschaft. Münster 1990.

Unselbständige Veröffentlichungen über von Haxthausen: J. Gotthardt: Aus der Jugendzeit Werner von Haxthausens, in: Hist.-polit. Blätter 1913, S. 511ff. – A. Klein: Werner von Haxthausen (1780-1842) und sein Freundeskreis am Rhein, in: Annalen des Hist. Vereins für den Niederrhein, insbesondere das alte Erzbistum Köln. Düsseldorf 1954, H. 155/56, S. 160-183 –  T. Hamacher: Werner von Haxthausen. Ein westfälischer Charakterkopf, in: Ders.: Aufsätze zur Geschichte und Kultur insbesondere des Paderborner Raumes. Paderborn 1986. S. 248-253; ders.: Der Anteil Werner von Haxthausens an der Organisation der Rheinprovinzen 1815/16, in: Ders.: Aufsätze zur Geschichte und Kultur insbesondere des Paderborner Raumes. Paderborn 1986. S. 275-278 – W. Gödden: "Wenn dich die Hoffnung flieht". Kein Gedicht der Droste [sondern Werner von Haxthausens], in: Jb. der Droste-Gesellsch. N.F. 2, 1988-1990, S. 83-86 – A. Raub: "Wat steit up use Rippe?" Bökendorf oder Ein besonderes Buch Werner von Haxthausens, in: Jahrbuch Westfalen 47, 1993 (1992), S. 34-48 – C. Schaden: "Bei Haxthausen viel Bilder-Plunder ..." Das Schicksal des städtischen Regierungsrats und Kunstsammlers Werner Moritz von Haxthausen in Köln 1816-26, in: Lust und Verlust 1, 1995, S. 205-213.

Erwähnungen in: Janssen, Bd. 2, 1877, S. 76, 161, 174-177, 360, 425 – [F.A.L. von der Osten:] Franz Ludwig August Maria Freiherr von Haxthausen. Ein Versuch von Freundeshand. Hannover 1868, S. 11f. – K. Dietrich: Goethe und die neugriechische Volksdichtung. 1929 – Schulte 1954, S. 407, 784, 766 – W. Schoof: Zur Entstehungsgeschichte der Grimmschen Märchen. Bearb. unter Benutzung des Nachlasses der Gebrüder Grimm. Hamburg 1959, S. 120ff.; ders.: Westfalens Anteil an der Entstehung der Grimmschen Märchen, in: Westfalen 38, 1960, S. 72-75A. Schaefer: Goethe in Wiesbaden 1814 und 1815, in: Jb. der Goethe-Gesellsch. N.F. 27, 1965 – Keinemann 1974, Bd 1, bes. S. 351-357; Bd. 2, S. 13-15, 133, 286; ders. 1987, S. 12, 137 – Kortländer 1979 [s. Register] – Woesler 1980 [s. Register] – mehrf. erwähnt in der Droste-Literatur.

Bildnis: Kupfer, in: Ueber die Grundlagen unserer Verfassung 1881 (s.o.) – weitere Abb. in: Ludwig Emil Grimm. Zeichnungen und Gemälde. Werkverzeichnis. Bearb. von I. Koszinowski und V. Leuschner. Marburg 1990.

Nachlaß, Handschriftliches: 1. ULB Münster: Ged. (1810-1812); einzelnes im Nachlaß von August von Haxthausen – 2. StLB Dortmund: 8 Briefe – zum Nachlaß allgemein: Denecke/Brandis, 2. Aufl. 1981, S. 139.

Nachschlagewerke: Raßmann 1830 – Neuer Nekrolog 20, 1842 (1844) – ADB, Bd. 11, 1880 – NDB, Bd. 8, 1969 – Kosch, 3. Aufl., Bd. 7, 1979 – Schulte: Westf. Köpfe, 3. Aufl. 1984 – Dt. Biogr. Archiv, Fiche 397, Sp. 14; Fiche 488, Sp. 356.