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Ernst Adam

Geboren am 24. April 1879 in Gelsenkirchen als Sohn eines Lehrers. Besuch des Realgymnasiums in Gelsenkirchen, das er mit der Mittleren Reife abschloß. Anschließend arbeitete er zwei Jahre lang in verschiedenen großen Fabriken des Ruhrgebiets. Von 1899 bis 1902 Studium an der Technischen Hochschule in Darmstadt, wo er neben seinen Fachstudien auch Vorlesungen in Philosophie, Anthropologie und Sozialökonomie hörte. Beendigung des Studiums, um sich nur noch dem Schreiben zu widmen. Rückkehr nach Gelsenkirchen. Seit 1907 Wohnsitz in Essen, seit 1908 wieder in Gelsenkirchen, wo er nach langer Krankheit am 28. Januar 1919 starb.

A.s schriftstellerisches Werk ist recht schmal geblieben. So schrieb er nur vier Novellen und einen Band mit kürzeren Erzählungen. Seine Novellen haben kaum Erfolg erlangen können und müssen heutemit einer Ausnahmeals verschollen gelten. Der Roman "Heidezauber und Mädchenliebe" (1905) erzählt in offensichtlichen Bezügen zur Trivialliteratur von den Erlebnissen eines jungen Journalisten aus Hannover, die ihn mit den Bewohnern eines einsam in der niedersächsischen Heide gelegenen Hofes zusammenführen. [...] Mit dem Erzählband "Arbeit und Leben" (1910) widmete A. sich seiner näheren Umgebung, dem Ruhrgebiet. Die Geschichten berichten hauptsächlich aus dem Bergarbeitermilieu sowie von Gruben- und sonstigen Katastrophen, es finden sich aber auch Liebesgeschichten. [...] So thematisiert dieser Erzählband als einer der frühesten die sich deutlich abzeichnenden Umwälzungen im Revier mit dem ungelösten Konflikt zwischen dem niedergehenden Bauerntum und der aufstrebenden Großindustrie. (Die dt. Lit. VI, 1991, Bd. 1, D. Hallenberger) Sozialer Realismus und poetische Verklärung sind [...] die beiden bestimmenden Pole in Adams Prosawerk; Gedichte schrieb er keine. Sein Lebensweg, seine Ausbildung, sein vielfältig orientiertes Studium sowie sein journalistisch geschulter Blick fürs Detail und Wesentliche prädestinierten ihn als einen der ersten Schriftsteller des Reviers dazu, den Strukturwandel einer Region in vielfältigen Nuancen zu thematisieren, und dies tat er vor allem in seinen fünfzehn "Bildern und Geschichten aus dem Ruhrkohlenbezirk", wie der Untertitel seines Buches "Arbeit und Leben" lautet. Allerdings bot er allzu oft Lösungen an, die keine waren. [...] Ernst Adams Fehler war, die Lösung der strukturellen Probleme einer expandierenden modernen bürgerlichen Industriegesellschaft auf die personelle Ebene zu verlagern. Industrielle und gesellschaftliche Entwicklung entfernten sich weit vom privaten Umfeld, in dem andere Werte galten als in der neuen ökonomischen Welt, die kaum einer in ihren Mechanismen begriff. Die Schere zwischen öffentlichem und privatem Handeln klaffte immer mehr auseinander, und Adam wußte durchaus darum. [...] Wo die neue Gesellschaft ihren brutalen Weg geht, rettet Adam die humanistisch-bürgerlichen Werte poetisch ins Private hinüber. Das mochte den damaligen Lesern beruhigende, hoffnungsvolle Perspektiven eröffnen, auf Dauer waren solche Harmonisierungen keine Hilfe, die neue Realität zu bewältigen. Gleichwohl liefern die Adam-Geschichten mitunter recht klare Einsichten, etwa in den Verlust von Zeit und Geschichte durch die Industriegesellschaft. (Knorr 1995)

Pseudonym: Ernst Adam Dam.

Selbständige Veröffentlichungen: Die Russalka. Leipzig: Müller-Mann 1903. 143S. [Pseud. Ernst A. Dam] – Irrende Treue. Eine Geschichte. Dresden: Pierson 1904. 100S. [Pseud. Ernst A. Dam] – Wilde Liebe. Erzählung. Zürich: Schmidt 1904. 98S. [Pseud. Ernst A. Dam] – Heidezauber und Mädchenliebe. Roman. Berlin: Schröder 1905. 144S. [Pseud. Ernst A. Dam] – Arbeit und Leben. Bilder und Geschichten aus dem Ruhrkohlenbezirk. Essen: Fredebeul & Koenen [1910]. 189S. (Bibl. WHB Münster, StUB Köln, UB Bonn, StLB Dortmund).

Unselbständige Veröffentlichungen in: Der Niederrhein 1, 1911/1912: Die schwarzen Stürme. Nächte im Industriebezirk [Erz.] – De Kiepenkerl, Westf. Volkskalender, Essen, 6, 1914: Ein Gespenst im Kohlenlande. Phantastische Geschichte.

Nachschlagewerke: Geißler 1913 – Brümmer, Bd. 1, 6. Aufl. 1913 – Kürschner: Dt. Lit.-Kalender 36, 1914 – Kosch, 3. Aufl., Bd. 2, 1969 – Hallenberger/van Laak/Schütz 1990 – Die Dt. Lit., Reihe VI, Bd. 1, 1991 (D. Hallenberger) – Knorr 1995 – Dt. Biogr. Archiv, Fiche 4, Sp. 354; N.F., Fiche 7, Sp. 254f.