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Hedwig Kiesekamp

Geboren am 21. Juli 1844 als Hedwig Bracht auf dem Rittergut Henrichenburg bei Castrop-Rauxel, das ihr Vater gepachtet hatte. Der frühe Tod des Vaters ließ sie und ihre sechs Geschwister in ärmlichen Verhältnissen zurück. Erster Unterricht in der Dorfschule durch einen Ortsgeistlichen, der sie zusätzlich privat unterrichtete. 1861 wurde sie ein Jahr lang auf einer Klosterschule der Ursulinerinnen in Marseyk (Belgien) unterrichtet. Rückkehr ins Elternhaus. 1864 Heirat mit dem in Münster ansässigen Ökonomen und Mühlenbesitzer Wilhelm Kiesekamp. Dieser wurde später Kommerzienrat und Handelskammerpräsident. Zunächst widmete sich Hedwig Kiesekamp der Musik: Schon früh war ihre schöne Sopranstimme aufgefallen, [...]. In Münster erhielt sie ihre musikalische Ausbildung als Sopranistin durch den hochbefähigten Musikdirektor Professor Dr. [Julius Otto] Grimm. [...] Sie wurde eine gefeierte Konzert- und Oratoriensängerin und feierte auch in vielen anderen Städten Triumphe. Bekannte Komponisten, wie Max Reger und Hans Pfitzner, komponierten für sie etliche ihrer Gedichte. Mit Johannes Brahms war sie eng befreundet, wie es ein lebhafter Briefwechsel belegt. Auch sie selbst gab von ihr vertonte Kindergedichte heraus. (Zillessen 1979)

Mancherlei Reisen, die sie fast durch ganz Europa führten, erweiterten ihren Gesichtskreis um ein bedeutendes. (Hinrichsen 1891) In Münster unterhielt sie einen musikalischen Zirkel. Man kam in der großartigen, nahe dem Schloßgarten gelegenen Villa Kiesekamp zu Konzerten, literarischen Veranstaltungen und schauspielerischen Aufführungen zusammen. Für Jahrzehnte standen diese im Mittelpunkt des kulturellen Lebens der Stadt. (Zillessen 1979) Ihr schriftstellerisches Werk wurde u.a. von Levin Schücking gefördert. Sie starb am 2. März 1919 in Münster.

Ihre erste Lyrik ist stark subjektiv gefärbt, auf eigenes inneres Erleben aufgebaut. In späterer Zeit zeigen ihre Gedichte weniger Gefühl und zuchtvolle Diktion. Waren anfangs Heinrich Heine und Bodenstedt ihre Vorbilder, so näherte sie sich unter dem Einfluß von Detlev v. Liliencron der damals modernen Lyrik mit reimlosen Rhythmen. Ihre Themen waren: Liebe, Heimat, Vaterland, aber auch soziales Eintreten. Sie schrieb Balladen, Melodramen und versuchte sich in der Dramatik. [...] Bedeutsamer erscheint uns Heutigen wohl ihr erzählendes, novellistisches Werk. Da gibt es Geschichten, die weder an Örtlichkeit noch Zeit gebunden, gute Unterhaltungsliteratur sind. (ebd.)

Sympathische Märchenerzählerin, die ihrem Namen innerhalb provinzieller Grenzen einen guten und reinen Klang zu geben wußte. Ein reiches Gemüt und eine freundlich erfindende Phantasie, sowie die am Borne heimatlichen Volkstums genährte Erzählkunst verleihen ihren poetischen Kleinwerken intimen Reiz. Als lyrischer Dichterin ist ihr manches sangbare Lied geglückt. (Geißler 1913)

Pseudonyme: L. Rafael; Helene Kornelia.

Selbständige Veröffentlichungen: Am Kamine. Märchen. Münster: Russell 1878. 153S. – Frischer Märchenstrauß für liebe Kinder. Mülheim/R.: Bagel 1880. III, 192S. [mit Abb.] – Wie man im Walde singt und was die Vögel sich erzählen. Frühlings-Märchen. Paderborn: Schöningh 1884. 98S. (ULB Münster, SB Wuppertal-Elberfeld) – Was der Sturm sang. Märchen. Berlin, Rostock: Albumstiftung 1887. VI, 143S. [Pseud. L. Rafael] (SB Wuppertal-Elberfeld) – Am Gardasee. Erzählungen, Märchen, Skizzen. Arco: Emmert 1888 [Pseud. Helene Kornelia] – Gedichte. Mit einer Einl. von F. Dahn. Leipzig: Breitkopf und Härtel 1888. XII, 180S. [Pseud. L. Rafael] (SB Wuppertal-Elberfeld); 2. Aufl. ebd. 1890; 3., gesichtete und durchges. Aufl. ebd. 1900. XIV, 209S. – Neuer Märchenschatz für liebe Kinder. 2. Aufl. Mülheim/R.: Bagel [1890]. 180S. [Pseud. Helene Kornelia] (SB Wuppertal-Elberfeld) – Winterträume. Neue Märchen. Dresden: Pierson 1892. VII, 254S. [Pseud. L. Rafael] – Neue Gedichte. Leipzig: Breitkopf und Härtel 1894. XIV, 242S. [Pseud. L. Rafael] (ULB Münster) – Großmutter erzählt! Märchen, Erzählungen und Gedichte [Illustr.]. Münster: Aschendorff 1896. 196S. (ULB Münster, StA Bielefeld) – Ebbe und Flut. Gedichte. Leipzig: Breitkopf und Härtel 1896. X, 280S. [Pseud. L. Rafael] (ULB Münster, StUB Köln) – Das Schützenfest [Lustspiel in 1 Akt]. Paderborn: Esser 1897. 24S. (=Essers leicht aufführbare Theaterstücke 51) – Heinrich. Familiendrama in 2 Akten. Leipzig: Breitkopf und Härtel 1898. 76S. [Pseud. L. Rafael] (StUB Köln) – Der Prinz kommt. Lustspiel in 3 Akten. Leipzig: Breitkopf und Härtel 1898. 99S. [Pseud. L. Rafael] – Junge Herzen. Novellen. Stuttgart: Roth; München: Allg. Verlags-Gesellsch. 1900. VII, 182S. – Abendgluten. Gedichte. Leipzig: Breitkopf und Härtel 1901. IX, 222S. [Pseud. L. Rafael] (StUB Köln, Germ. Inst. der WWU Münster) – Vom alten Sachsenstamme. Leipzig: Amelang 1905. 210S. [Pseud. L. Rafael] (ULB Münster, StLB Dortmund, StUB Köln, WLA Hagen) – Tiefen der Sehnsucht. Neue Gedichte. Leipzig: Amelang 1906. VIII, 88S. [Pseud. L. Rafael] (ULB Münster, ULB Düsseldorf, StUB Köln) – Schultsch Ebbinghaus und ihr Einziger und andere Geschichten. Kevelaer: Berker [1907]. 99S. (=Aus Vergangenheit und Gegenwart 23) (StA Bielefeld) – Aus der Skizzenmappe. Kevelaer: Butzon und Bercker [1908]. 100S. [Pseud. L. Rafael] – Der Spökenkieker und andere westfälische Geschichten. Essen: Fredebeul und Koenen 1909. 238S. [Pseud. L. Rafael] (ULB Münster, StA Bielefeld, UB Bonn) – Das Lied der heiligen Cäcilie. Heimgeholt. Dora. Münster: Aschendorff 1910. 96S. [Pseud. L. Rafael] (StA Bielefeld, StUB Köln); 3. Aufl. Münster: Aschendorff 1918. 94S. (=Unsere Erzähler 27) – Des Mädchens Wahl. Leipzig [um 1910]. VI, 192S. [Pseud. L. Rafael] (StUB Köln) – Goldgretels Weihnachtsbuch. Kindergedichte. 2., verb., und verm. Aufl. Münster: Coppenrath 1911. 95S. [Pseud. L. Rafael] (ULB Münster) – Ausgewählte Gedichte. Essen-Ruhr: Fredebeul und Koenen [1911]. 80S. (UB Bonn); 2., verm. Aufl. Münster: Coppenrath 1913. 125S. (ULB Münster) – Der goldene Garten. Ein neues Märchen- und Geschichtenbuch. Münster: Coppenrath 1911. 210S. (ULB Münster, StA Bielefeld, WLA Hagen) – Auf roter Erde. Geschichten aus der Heimat. Münster: Coppenrath 1914. 262S. (ULB Münster, StLB Dortmund) – Im Zeichen des Schwertes. Kriegsgedichte. Mönchengladbach: Volksverein-Verlag [um 1914]. 19S. (ULB Münster, UB Bonn) – Aus Widukinds Land. Erzählungen. Saarlouis: Hausen [1916]. 105S. (UB Bonn); 2. Aufl. ebd. 1916 (ULB Münster, WLMKuK Münster); 3. Aufl. ebd. [1926] – Was mir der Wind erzählte. Novellen. München: Müller 1916. 96S. (ULB Münster) – Traum und Leben. Erzählungen. Regensburg: Habbel [1919]. 335S. [Pseud. L. Rafael] (StLB Dortmund, ULB Münster) – Ausgewählte Gedichte. Münster: Coppenrath o.J. 125S. – Der Geburtstag [Lustspiel in 1 Akt]. Kempten: Kösel o.J. (=Kath. Dilettantenbühne) – Die Liebe siegt [Lustspiel in 1 Akt]. Kempten: Kösel o.J. – postum: Gesammelte Gedichte. Hg. von L. Bette. Leipzig: Breitkopf und Härtel 1920. IV, 619S. (ULB Münster, WLMKuK Münster).

Unselbständige Veröffentlichungen in: Baehr: Rhein.-Westf. Dichterbuch 1888, S. 450-452: Muth; Dünenrose; Falsches Strahlen; An den Wald; Sonnenaufgang am todten Meer – Uhlmann-Bixterheide/Hülter: Westf. Dichtung 1895, S. 94-99: Ahasver; Erlösung; Ich wollte Dich nicht lieben; Sein Jugendhaus; Abschied; Ewiger Tod – Hüttemann 1898, S. 486f.: Dünenrose; Falsches Strahlen – Schröder: Aus Westfalen 1899, S. 1: Mein Heimatland Westfalen; S. 538: In der Heimat [Pseud. L. Rafael] – Der Aar 1910-1913 – postum: Uhlmann-Bixterheide: Westfalens Erzähler 1922, S. 62: Fockemanns Zwillinge; S. 82: Sein Jugendhaus; S. 82: Abschied – A. Verstege (Hg.): Vor den Toren, Achter de Muer. 1977: Erinnerungsblatt aus der Jugendzeit. Mein altes, liebes Recklinghausen – Westf. Hausbuch 1983, S. 26: Mein Heimatland [Ged.] – Folkerts: Münster und das Münsterland, 2. Aufl. 1983, S. 22: Münster – Folkerts: Liebe Stadt 1993, S. 78: Münster.

Selbständige Veröffentlichungen über Hedwig Kiesekamp: Literarische Gesellschaft Münster. Hedwig Kiesekamp zum Gedächtnis. Münster am 22./23./24. April 1819. Münster: Westf. Vereinsdr. 1919. 5Bl. [Progr. der Veranstaltung; Fotogr.; Ged. von H. Kiesekamp] (ULB Münster).

Unselbständige Veröffentlichungen über Hedwig Kiesekamp: L. Krapp: Die Dichtungen von L. Rafael, in: Der Gral 1, 1906-1907 – E.M. Hamann: H. Kiesekamp, in: Allg. Rundschau 13, 1916; ders.: Hedwig Kiesekamp, in: Dt. Hausschatz 45, 1919 – M. Herbert: Erinnerungen an Hedwig Kiesekamp, in ebd. 16, 1919 – L. Bette: L. Rafael, in: Westmünsterland 4, 1919 – Kurzbiogr., in: Uhlmann-Bixterheide/Hülter: Westf. Dichtung 1895, S. 23-28 – W. Zillessen: Erinnerung an die vestische Dichterin und Schriftstellerin Hedwig Kiesekamp, in: Vest. Kalender 50, 1979 (1978), S. 179-183 [Fotogr.] – P. Reding: Hedwig Kiesekamp. Die Dichterin starb vor siebzig Jahren, in: Kultur und Heimat 50, 1999, S. 127-130.

Erwähnungen in: Uhlmann-Bixterheide/Hülter: Westf. Dichtung 1895, S. 22-28 [mit Bildn.] – Westf. Literaturführer 1992 (Stichw. Castrop-Rauxel-Henrichenburg, Münster u.ö.).

Bildnis: 1. Brustbild, Autotypie nach einer Fotogr. (StLB Dortmund; s. Westf. Bildnisse 1927, S. 15) – 2. 2 Fotogr. [Abb. in: Zillessen 1978 (s.o.)] – 3. 3 Fotogr. (WLA Hagen) – 4. Fotogr. (ULB Münster).

Nachlaß, Handschriftliches: I. Bestände in westfälischen Archiven – – II. Weitere Handschriften in Westfalen: StLB Dortmund: Werkmanuskripte: Albumblatt 1896; Korrespondenzen: 18 Briefe und Postkarten 1893-1918, davon 10 an Julius Hart, 4 an Karl Prümer, 4 an Wilhelm Lennemann – – III. Bestände und Handschriften außerhalb Westfalens: 1. DLA Marbach: 16 Briefe an Georg von Cotta, 1889-1918 – 2. SB/UB Frankfurt/M.: Briefe an E. Humperdinck, 1898-1911 – zum Inhalt s. Autographenkatalog Dortmund 1962, S. 182; Denecke/Brandis, 2. Aufl., 1981, S. 185

Sammlungen: WLA Hagen: Materialslg.

Gedenkstätte: Gedenkstein an der Westmauer des Zentralfriedhofes in Münster.

Nachschlagewerke: Raßmann, N.F. 1881 – Hinrichsen, 2. Aufl. 1891 – Pataky, Bd. 1, 1898 – Wienstein 1899 – Geißler 1913 – Dt. Biogr. Jb., Bd. 2, 1917-1920 (1928) – Degener, 8. Ausg. 1922 – Kürschner: Nekrolog 1936 – Kosch, Bd. 2, 1937 – Lex. der Frau, Bd. 2, 1954 – von Heydebrand 1983 – Huge 1983 – Freund 1993 – Dt. biogr. Archiv, Fiche 647, Sp. 22-26; N.F. Fiche 702, Sp. 164-170.