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Benno Jacob, Rabbiner in Dortmund


Benno Jacob (1862–1945) war einer der bedeutendsten Rabbiner und Bibelwissenschaftler des frühen 20. Jahrhunderts.

Benno Jacob im Ornat eines Rabbiners Benno Jacob im Ornat eines Rabbiners.
Foto: Familienbesitz
Nach der Studienzeit in Breslau fand er sein erstes Tätigkeitsfeld in Göttingen, wo er 13 Jahre lang neben der Gemeindearbeit und seinen Studien enge Kontakte zu den jüdischen Studenten der Universität pflegte. Mit seiner Frau Helene und den Kindern Ernst, Hanna und Ewald kam er 1906 nach Dortmund.

"Ein Volk für Gott erziehen"


Von 1906 bis 1929, bis zum Eintritt in den Ruhestand, war Jacob Rabbiner der Dortmunder jüdischen Gemeinde. Während seiner Amtszeit wuchs diese auf etwa 4.000 Personen an. Er schätzte sie wegen der "echt westfälischen Treue", mit der sie zu ihm stand. Dennoch gab es auch Spannungen, die Jacob mit den Worten kommentierte: "Ein Rabbiner, der nichts als populär sein will, erregt meinen Verdacht". Auf vielen Gebieten musste er in der noch traditionslosen Gemeinde neue Regelungen durchsetzen. Jacob verstand sich vor allem als Lehrer der Tora. Der Sinn der Tora war für ihn, "ein Volk für Gott zu erziehen".
Die Dortmunder Synagoge in den 1920er Jahren Die Dortmunder Synagoge in den 1920er Jahren.
Foto: Stadtarchiv Dortmund
Benno Jacob war ein glühender deutscher Patriot und beharrte immer wieder auf der Zugehörigkeit der deutschen Juden zu ihrem Vaterland. Gleichzeitig kümmerte er sich in seiner Dortmunder Zeit um die sozialen Probleme und die Integration der ostjüdischen Arbeiter, die ihm deswegen große Verehrung entgegen brachten.

Ausgleich zwischen den Gruppen


Während in vielen Gemeinden starke Spannungen zwischen den Einwanderern mit einer eigenen Kultur und ihren deutschen Glaubensgenossen aufkamen, gelang Jacob der erfolgreiche Ausgleich zwischen beiden Gruppen. Im Sinne der Integration richtete er eine Fürsorgestelle und eine ostjüdische Talmud-Toraschule zur Vermittlung der elementaren Kenntnisse des Judentums sowie eine Lesehalle ein.

Außerdem engagierte sich Jacob mit populären Aufklärungsvorträgen in Dortmund und in der Jugendarbeit seiner Gemeinde.
Benno Jacob und seine Familie um 1915 Familie Jacob um 1915: Henna, Benno, Helene, Ernst, ein Unbekannter und Ewald Jacob (von links nach rechts).
Foto: Privatarchiv A. Jürgensen

Umzug nach Hamburg


Bald nach seiner Pensionierung zog er nach Hamburg und widmete sich ganz der Arbeit an seinen Tora-Kommentaren. Diese Arbeiten gelten heute als unverzichtbare Beiträge zum Verständnis der Tora.

Im Jahre 1939 konnte sich Benno Jacob mit seiner Familie ins Londoner Exil retten und seine wissenschaftliche Arbeit fortsetzen. Am 24. Januar 1945 starb er dort.