Verschollene Ziegelei in Abendlichtern. Gemälde von Alexander Bernhard Hoffmann, 1926

9.4. - 17.9.2017

Perspektiven der Ziegeleiarbeit

Ziegelherstellung – das ist monotone Industriearbeit. Dass diese Arbeit auch Künstler zu Gemälden und Skulpturen und Dichter zu Texten inspiriert hat, wissen die wenigsten. Die Ausstellung beweist, wie vielfältig die künstlerische Beschäftigung mit dem Thema war und ist.

Der Biberschwanz-Ziegel mit Fischmotiv: Ein Exponat von 1550

Die Herstellung von Ziegeln gehört zu den ältesten und grundlegenden Fähigkeiten der Kulturvölker und unterlag seit Mitte des 19. Jh. einem radikalen Wandel – von der personalintensiven, kräftezehrenden Hand- zur vollautomatisierten Fabrikarbeit.

Neben rund 100 Objekten aus fünf Jahrhunderten der Kunstbereiche Malerei, Druckgrafik und Skulptur präsentiert die Ausstellung auch Arbeiterlyrik des lippischen Zieglerdichters Friedrich Wienke. Im Rahmen der Schau werden außerdem Exponate aus dem umfangreichen Sammlungsbestand des LWL-Industriemuseums, insbesondere aus den Grafik- und Feierabendziegelsammlungen zu sehen sein.


Die Ausstellung wird unterstützt und gefördert von der Ziegelindustrie. Der Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie e.V. übernimmt nicht nur die Schirmherrschaft über die Ausstellung, sondern stellt erstmals eine Reihe von Arbeiten des Malers und Zeichners Alexander Bernhard Hoffmann als Leihgaben zu Verfügung.

 

 


Die aus Industrieziegeln hergestellten, zum Teil großformatigen Skulpturen des 2014 verstorbenen Bildhauers und Malers Herbert Grützner stammen alle aus Privatbesitz. Mit dem Werk Grützners und weiteren Exponaten aus der Ausstellung haben sich auch Schülerinnen und Schüler aus der Region und aus Partnerschulen des LWL-Industriemuseums beschäftigt. Ihre Arbeiten sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen und ergänzen die vorhandenen Exponate um neue Perspektiven.

 

Schüler betrachten Herbert Grützners „Ziege“. Foto: LWL / Holtappels
Schülerinnen gestalten Feierabendziegel. Foto: LWL / Holtappels

Drei Partizipationsprojekte hat das Museum entwickelt. Insgesamt rund 300 Schülerinnen und Schüler haben bisher mitgemacht oder sind für weitere Workshops angemeldet.

Im Projekt "Romantik statt Maloche" setzten sie sich mit den Ziegeleilandschaften des Künstlers Alexander B. Hoffmann auseinander. Sie erkundeten das Verborgene und Unsichtbare in seinem Werk "Verschollene Ziegelei in Abendlichtern - Altdeutsches Ziegelwerk".

Beim zweiten Programm "Vom Hohlziegel zum Fabelwesen" stand das künstlerische Schaffen Herbert Grützners im Mittelpunkt. Sein Interesse galt mythologischen, religiösen, kultischen und alltäglichen Themen. Seine Skulpturen fertigte er aus Lochziegeln an. Die Schüler konnten hier ihre eigenen Ziegelskulpturen herstellen.

Das dritte Projekt "Feierabendziegel" richtete sich an Grundschüler. Sie erfuhren nicht nur Wissenswertes über die Nutzung und Bedeutung dieser alten Handwerkskunst, sondern fertigten auch ihre eigenen Feierabendziegel an.

Katalog

Perspektiven der Ziegeleiarbeit. Hg. LWL-Industriemuseum, Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur, Andreas Immenkamp, 142 Seiten, Klartext-Verlag, Essen 2016, ISBN 9783837517767, 14,95 Euro.

Begleitprogramm

  • So, 9.4., 11 Uhr: Ausstellungseröffnung
  • So, 30.4., 11 Uhr: Kuratorenführung mit Dr. Andreas Immenkamp
  • So, 30.4., 12 Uhr: "Perspektiven begreifen" - Führung für blinde und sehbehinderte Besucher
  • So, 7.5., 10-18 Uhr: Workshop "Gartenskulpturen aus Ziegelton" mit Christian Stiesch (30 €, Anmeldung erforderlich)
  • So, 11.6., 11 Uhr: Kuratorenführung mit Dr. Andreas Immenkamp für taube und hörbehinderte Besucher mit Gebärdendolmetscher
  • So, 11.6., 14 Uhr: Erzählcafé "Skulpturen aus Maschinenziegeln - Mein Leben mit Herbert Grützner" mit Monika Strube
  • So, 25.6., 11 Uhr: Kuratorenführung mit Dr. Andreas Immenkamp
  • So, 25.6., 14 Uhr: Erzählcafé "Partizipation - Das Mitgestalten von Ausstellungen" mit Anja Hoffmann
  • So, 9.7., 11 Uhr: Kuratorenführung mit Dr. Andreas Immenkamp
  • So, 9.7., 14 Uhr: Erzählcafé "Leben und Werk des lippischen Zieglerdichters Friedrich Wienke" mit Dr. Andreas Immenkamp
  • So, 3.9., 11 Uhr: Kuratorenführung mit Dr. Andreas Immenkamp für taube und hörbehinderte Besucher mit Gebärdendolmetscher
  • So, 3.9., 12 Uhr: "Perspektiven begreifen" - Führung für blinde und sehbehinderte Besucher
  • So, 3.9., 14 Uhr: Erzählcafé "Zieglers Botschaften - Die Feierabendziegelsammlung des LWL-Industriemuseums" mit Elisa Groß