Zeche Zollern

LWL-Industriemuseum | Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur

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26.02. – 16.10.2016

Kumpel Anton, St. Barbara und die Beatles

Leitbilder im Ruhrgebiet nach 1945

Die Ausstellung lässt ein Stück vergessener Kulturgeschichte des Reviers wieder lebendig werden – eine Geschichte, die sich zwischen Traditionspflege und moderner Kunst, Bergarbeiterkultur und Pop bewegt.

Das Themenspektrum der Schau reicht von A wie Antibabypille bis Z wie Zechenlandschaft. Zu sehen sind über 200 Exponate, darunter Gemälde und Skulpturen von Laienkünstlern und Mitgliedern des „jungen westen“, Werke der Dortmunder Gruppe 61, Plakate der Ruhrfestspiele, alte Filmzeitschriften, historische Fotos, Schallplatten und Filme.

Die Schau zeigt dabei nicht nur die Leuchttürme der Hochkultur wie beispielsweise die Ruhrfestspiele. Sie thematisiert auch die breite Kulturförderung in den Betrieben, die Bergarbeiter und Angestellte an die Hochkultur heranführte und ihre künstlerischen Potentiale förderte. Damit spricht die Ausstellung auch heute noch aktuelle Fragen nach kultureller Teilhabe, Bildung und Identität an.

Die Entstehung der Ruhrfestspiele, die Gründung der „Vereinigung der Freunde von Kunst und Kultur im Bergbau e.V.“ in Bochum und der Künstlergruppe „junger westen“ in Recklinghausen, die Einstellung von Kulturreferenten durch die großen Zechengesellschaften oder des Arbeiterdichters Willy Bartock als Leiter der kulturellen Betreuung der Zeche Walsum – Ereignisse wie diese markieren zwischen 1946 und 1949 den Beginn eines breiten kulturellen Aufschwungs im Ruhrgebiet.

Kulturelle Neubesinnung

Zwar war die Region auch damals keineswegs kulturlos. Ihre Städte verfügten über hervorragende, auch überregional bedeutende Museen und Theater wie das Essener Folkwang Museum und das Bochumer Schauspielhaus. Allerdings seien diese Institute nicht von der besonderen Lebensform an der Ruhr geprägt und könnten nicht als spezifischer Ausdruck einer Ruhrkultur angesehen werden, urteilte Franz Große Perdekamp, Leiter der Kunsthalle in Recklinghausen, 1947.

20 Jahre später sah dies anders aus. Als der Bergbau nach dem Zweiten Weltkrieg neu geordnet wurde, erfolgte auch eine kulturelle Neubesinnung, und als es nach der Währungsreform wieder aufwärts ging, entwickelte sich rund um die Leuchttürme der bürgerlichen Hochkultur eine revierumspannende "Kultur von unten".

Holzskulptur "Heilige Barbara mit Schwert und Grubenlampe" von Erich Bödeker in der Ausstellung
Blick in die Ausstellung

Metropole des Jazz

Die Laienkünstler aus dem Bergbau stellten ihre Werke in den Betrieben und den Begleitausstellungen der Ruhrfestspiele aus. Die Konzerte der Bergarbeiterchöre und Werksorchester waren im Radio zu hören. Die Kunsthalle Recklinghausen entwickelte sich zu einem Zentrum der Moderne. Und die Schriftsteller der Dortmunder Gruppe 61 entdeckten die Arbeitswelt für die Literatur.

Fühlten sich dadurch vor allem die Erwachsenen angesprochen, wandten sich die Jugendlichen den Helden und Idolen der anglo-amerikanischen Kino- und Musikindustrie zu. Sie machten Dortmund in den 1950er Jahren zu einer Metropole des Jazz und Recklinghausen in den 1960er Jahren zum Mekka der Beatbewegung.

Begleitprogramm

Ausstellungsführungen jeden Sonntag und an Feiertagen um 14 Uhr

Di, 26.4., 18 Uhr

  • Liederabend mit Frank Baier: "Gesänge des Ruhrgebiets von 1870-1980". Eintritt frei

Di, 24.5., 18 Uhr

  • Happy Hour! Kuratorenführung mit Umtrunk von Dagmar Kift zu "Kumpel Anton, St. Barbara und die Beatles". Eintritt frei

Mi, 25.5., 18 Uhr

  • Ringvorlesung: "Thomas Grochowiak und die Laienkünstler im Ruhrgebiet". Eintritt frei.

    Thomas Grochowiak ist als international renommierter Künstler und im Ruhrgebiet auch als Museumsdirektor – u.a. der Kunsthalle Recklinghausen oder der Städtischen Galerie Oberhausen – bekannt. Mit seinem 1976 erschienenen kunsthistorischen Standardwerk „deutsche naive kunst“ stellt die Vorlesung einen weniger bekannten Aspekt seines Schaffens in den Mittelpunkt und schlägt dann einen Bogen zu aktuellen Forschungen zur Kulturgeschichte des Ruhrgebiets und ihren eher sozial- und kulturgeschichtliche Fragestellungen. Den Abschluss bildet ein Rundgang durch die Ausstellung „Kumpel Anton, St. Barbara und die Beatles. Leitbilder im Ruhrgebiet nach 1945“, zu deren Protagonisten auch Thomas Grochowiak und die Laienkünstler des Ruhrgebiets zählen.
  • Die Vorlesung ist Teil einer interdisziplinären Vortragsreihe der Forschungsplattform „Wissenschaftsgeschichte des Ruhrgebiets", die Entwicklungen, Strukturen, Institutionen und Akteure der regionalen Wissenschaftsgeschichte in den Blick nimmt. Sie wird vom Wissenschaftsforum Ruhr e.V. koordiniert, einem Zusammenschluss der außeruniversitären Forschungseinrichtungen im Ruhrgebiet, in dem auch das LWL-Industriemuseum Mitglied ist.

Di, 28.6., 18 Uhr

  • Filmabend mit Paul Hofmann: "Von Bergleuten und Beatfans. Schätze aus der Kinemathek im Ruhrgebiet". Eintritt frei

Di, 30.8., 18 und 19 Uhr

  • Kuratorenführung mit Dagmar Kift, anschließend Jürgen von Mangers kabarettistische "Stückskes" aus dem Alltag. Unterhaltsamer Vortrag von Joachium Wittkowski. Eintritt frei

Di, 27.9., 18 Uhr

  • Filmabend mit Dörte Hein: "Das Stadion Rote Erde - auch ein Stück Arbeiterjugendkultur", eine filmische Zeitreise zum Arbeiterjugendtag 1955 in Dortmund. Eintritt frei

So, 16.10., 16 Uhr

  • Finissage und Jazzkonzert mit "Echoes of Swing"


Das Rahmenprogramm wird in Kooperation mit dem Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeiterbewegung der Stadt Dortmund und dem Archiv der Arbeiterjugendbewegung organisiert.

Zur Ausstellung gibt es einen reich bebilderten Katalog (5,95 Euro), den Sie in unseren Museumsshops und im Buchhandel erhalten.