Blick in die Kaue

Waschkaue und Kauenkeller

Sauber und gesund

Hygiene und Gesundheitsvorsorge im Ruhrbergbau

Als die Waschkaue der Zeche Zollern gebaut wurde, hatten sich auf den Ruhrgebietszechen Umkleide- und Waschräume für die Bergleute bereits durchgesetzt. Die Badebassins, in die alle Angehörigen einer Schicht steigen mussten, wenn sie sich waschen wollten und die Verbreitungsherd vieler Infektionskrankheiten waren, gehörten fast schon der Vergangenheit an. Die Ausstattung der Kaue von Zollern entsprach dem Standard der Zeit: ein Umkleideraum mit Brausegang und Haken, an denen die Bergleute ihre Kleidung unter die Decke zogen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Duschen in einen Anbau ausgelagert und es entstand ein neuer Umkleideraum, in dem nur noch die Straßenkeidung hing.

Die Ausstellung "Sauber und gesund" zeichnet anhand der Kauenausstattung die Geschichte dieser Einrichtung nach und bettet sie in die allgemeine Hygienegschichte ein. Sie stellt mit Bild- und Tondokumenten die Menschen vor, die in der Kaue arbeiteten und die sie benutzten: den Kauenwärter, der sie sauber hielt, und die Bergleute, für die die Kaue auch ein wichtiger Ort der Kommunikation war. Einbezogen werden die Frauen der Bergarbeiter, die bis 1969 die Arbeitskleidung der Bergleute waschen und instandhalten mussten. Gezeigt werden außerdem medizinische Geräten aus zecheneigenen Gesundheitshäusern.

Keine Herrenjahre

Arbeit und Freizeit im Revier

Seit den 1920er Jahren gibt es im Ruhrbergbau eine planmäßige Ausbildung. Sie war Teil einer neuen betrieblichen Sozialpolitik der Unternehmer: Der bergmännische Nachwuchs sollte systematisch geschult und über ein attraktives Freizeitangebot auch nach der Arbeit an die Zeche gebunden bzw. in die „Werksgemeinschaft“ integriert werden.

Die Ausstellung „Keine Herrenjahre“ rekonstruiert mit Originalexponaten unter anderem aus der Lehrwerkstatt, der Berufsschule und dem Lehrrevier die Stationen der Ausbildung.

Blick in die Ausstellung "Keine Herrenjahre"

Dabei geht es um den Arbeitsalltag der jugendlichen Berufsanfänger, ihre Lebensverhältnissen in der Kolonie, im Lehrlingsheim und im Pestalozzidorf sowie um ihre Freizeitinteressen im Spannungsfeld von betrieblicher Sozialpolitik, Arbeiterkultur und moderner Freizeitindustrie. Die Ausstellung skizziert darüber hinaus auch die unterschiedlichen pädagogischen und kulturellen Einflüsse, mit denen die jungen Bergleute sich auseinander setzten und zeigt, wie sie damit umgegangen sind, wo und inwieweit sie ihre Kultur und Geschichte selbst gestaltet haben.

Kauenkeller

Explosionsgefahr

Grubenrettungswesen und Versuchseinrichtungen


Die Arbeit im Bergbau ist mit zahlreichen Gefahren verbunden. Neben den alltäglichen Arbeitsunfällen ereignen sich immer wieder Grubenunglücke, die eine große Zahl an Todesopfern fordern. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts stieg nicht nur die Fördermenge, sondern auch Zahl der Explosionen unter Tage. Beim Abbau der Kohle wird Methan freigesetzt, das in einer bestimmten Konzentration mit Luft explosionsfähig wird und dann die sogenannten Schlagwetter bildet. Kohlenstaub ist ebenfalls eine potentielle Explosionsquelle.
 
Die verheerendsten Unglücke entstehen durch kombinierte Schlagwetter- und Kohlenstaubexplosionen, die über mehrere hundert Meter durch die Grubenbaue laufen können. Die Ausstellung thematisiert die spezifischen Unfallgefahren im Bergbau und erinnert an die schweren Grubenunglücke im Ruhrrevier. Sie macht die Besucher und Besucherinnen in einem nachgestellten Übungsraum anhand von Übungs- und Rettungsgeräten mit der Arbeit der Grubenwehr vertraut und würdigt deren Einsatz und Leistung. Mit Modellen, Versuchsanordnungen und Testobjekten aus der Dortmunder Versuchsgrube Tremonia und der Bergbauversuchsstrecke Derne werden außerdem die erfolgreichen Bemühungen um eine Verbesserung der Grubensicherheit gezeigt.
 

Tafel mit den Namen der tödlich verunglückten Bergleute

Ich hatte einen Kameraden

Tödliche Unfälle im Bergbau

Diese Ausstellung greift mit den tödlichen Arbeitsunfällen am Beispiel der Zeche Zollern eines der schwierigsten Kapitel der Bergbaugeschichte auf. Sie dokumentiert die 161 tödlichen Unfälle auf der Schachtanlage Zollern II/IV.

Die chronologische Übersicht der tödlichen Unglücke auf Zollern zeigt, welche Unfälle typisch waren, wie gehäuft sie auftraten und wie sie sich im Laufe der Zeit veränderten. Die Ausstellung bringt den Besuchern Arbeitsabläufe und Betriebsgeschichte aus einer nie gekannten Perspektive eindringlich und auf beinahe brutale Art und Weise nahe.

Der Ausstellungsraum ist mit nur wenigen Objekten bestückt. Dadurch wirkt er karg und auf das Wesentliche reduziert. An die Wand ist ein schlichter Wandstein montiert, den die Bergbau-Berufsgenossenschaft Bochum als Dauerleihgabe zur Verfügung stellte. Der „Den Toten“ gewidmete Stein hing früher im Foyer der Genossenschaft.