Schachthalle und Fördergerüst

Schachthalle

Wege der Kohle

Über einem 491 m tiefen Schacht steht die Schachthalle. Hier kam die Kohle zu Tage und erfuhr ihre erste Aufbereitung. Hier fanden auch Seilfahrt und Materialtransport statt. Die ursprüngliche Schachthalle wurde 1959 abgerissen, zehn Jahre später fiel das Fördergerüst. Die heutige Schachthalle und das Fördergerüst stammen von der Zeche Wilhelmine Victoria I/IV in Gelsenkirchen. Das LWL-Industriemuseum hat sie 1988 aufgebaut, um die wichtigsten Betriebspunkte und zugleich Symbole einer Zeche wieder herzustellen.

Die Ausstellung in der Schachthalle zeigt die Aufbereitungsstufen von der Rohkohle bis zu einer Fülle verkaufsfertiger Produkte. Im Mittelpunkt stehen jedoch die Menschen, die hier im Wandel der Zeiten gearbeitet haben.

 

Die Ausstellung erstreckt sich über vier Ebenen. Besucher, die noch höher hinaus wollen, haben Gelegenheit, das 36 m hohe Fördergerüst zu besteigen.

Ein Ort harter Arbeit

Die Ausstellung in der Schachthalle zeigt die Förderung und Verarbeitung der Kohle. Zeitlich erstreckt sie sich über die gesamte Geschichte der Zeche vom Abteufen des Schachtes bis zum Aufbau des Museums: Kaiserzeit, Erster Weltkrieg, Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg, Nachkriegszeit und Strukturwandel.

Im Mittelpunkt stehen die Menschen, die an diesem Ort gearbeitet haben – Schätzungen zufolge waren es im Laufe des Bestehens der Zeche insgesamt 30.000. Die Ausstellung verbindet die Darstellung technischer Prozesse und Abläufe mit den Themen, die diese Menschen in ihrem Arbeitsalltag umtrieben wie Unfallgefahren, Krankheiten, hohes Arbeitstempo und ständiger Druck, Zwangsarbeit oder Arbeit unter fremder Besatzung.

Blick in die Halle mit Leseband und Kohleloren

Sie macht deutlich, dass Lärm, Staub und schlechte Lichtverhältnisse, Hitze und Kälte ständige Begleiter der Arbeiterinnen und Arbeiter in der Schachthalle waren. Sehr unterschiedliche Gruppen von Menschen haben an diesem Ort gearbeitet: Alte Menschen und Jugendliche, Männer und Frauen und während der Weltkriege auch Zwangsarbeiter hatten ihren Arbeitsplatz in der Schachthalle. Zahlreiche Zeitzeugen haben ihre Erinnerung mit uns geteilt und lassen das Leben und Arbeiten dieser Gruppen lebendig werden.

Videostation mit dem Interview einer Zeitzeugin

Gestalterisch setzt die Ausstellung bewusst auf Reduktion. Das gestalterischen Konzept ordnet sich dem Raum unter, damit der Ort schwerer Arbeit in seiner Kargheit wirken kann und nicht ästhetisch überformt wird. Dies zeigt sich in einer starken Farbreduktion und akustisch im Verzicht auf Klang. Jenseits der Zeitzeugeninterviews finden sich in der Ausstellung nur stumme Filmsequenzen. Nur bei Führungen kommt eine Geräuschanimation zum Einsatz, die eine annähernde Vorstellung vom dem Lärm gibt, der in der Halle herrschte.