Zeche Hannover

LWL-Industriemuseum | Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur

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Mittelpunkt der Nachbarschaft. Trinkhalle in Castrop-Rauxel um 1958. Foto: Helmut Orwart

14.08.-30.10.2016

Revierkultur

Trinkhallen im Ruhrgebiet

Die als Open-Air-Ausstellung konzipierte Schau gibt mit eindrucksvollen Großfotos einen Überblick über die Geschichte der Trinkhallen im Ruhrgebiet von der Kaiserzeit bis zur Gegenwart. Sie vereint historische Motive mit Fotografien von Brigitte Kraemer, Dieter Rensing und Helmut Orwat.

 


Entstanden sind die Trinkhallen Mitte des 19. Jahrhunderts als Ausschank für wohltuendes Mineralwasser aus der Eifel – daher stammt auch die Bezeichnung, die es so  nur im Ruhrgebiet gibt. Im Lauf der Jahre haben die kleinen Läden dann ihr Sortiment erweitert. Mit der Einführung des Flaschenbiers wurden die Trinkhallen zur Jahrhundertwende eine echte Konkurrenz zu den zahlreichen Eckkneipen und Schankwirtschaften. Schließlich wurde den Buden der Verkauf von Bier und Schnaps gestattet, der Verzehr alkoholischen Getränken ist an der Trinkhalle bis heute jedoch untersagt – für viele Kunden ein Ärgernis.

Blick auf das Ausstellungsgelände
Historischer Kiosk am Kaiser-Friedrich-Platz in Bochum, 1910

Tatsächlich sind die Trinkhallen weit mehr als nur kleine Läden für Gelegenheitskäufe. Angesiedelt an den Werkstoren, in Zechenkolonien oder auf zentralen Plätzen der Städte und Stadtteile bilden sie oft den Mittelpunkt der Nachbarschaft. Sie sind Treffpunkte, an denen über das Wetter geplaudert, über Fußball gefachsimpelt oder der Tratsch aus der Nachbarschaft ausgetauscht wird.

Die Ausstellung „Revierkultur. Trinkhallen im Ruhrgebiet“ zeigt die Architektur und die Menschen rund um die Trinkhalle im Wandel der Zeit. Auf den stark vergrößerten Ansichtskarten des 19. Jahrhunderts rücken die Trinkhallen als Zierde der Parks und Plätze in den Mittelpunkt. Fotografien aus den 1940er und 50er Jahren zeigen die Buden auf Gehwegen und an noch wenig befahrenen Straßen. Die Aufnahmen aus den 1980er Jahren bis zur Gegenwart rücken die Menschen in den Vordergrund: freundliche Besitzer, die inmitten ihres breiten Sortiments auf ihre Kundschaft warten, Kunden, die ihre tägliche Zeitung holen oder Kinder, die ihr Taschengeld in die gemischte Tüte Süßigkeiten investieren.

Tag der Trinkhallen

Der „1. Tag der Trinkhallen im Ruhrgebiet“ stellte am Samstag (20.8.) die Trinkhallen ins Rampenlicht. In 50 ausgewählten Buden im Revier präsentierte die Ruhr Tourismus Gesellschaft (RTG) ein vielseitiges Kulturprogramm von Comedy über Literatur und Musik bis zu Tanz und Theater. An diesem Tag arbeitete das LWL-Industriemuseum Zeche Hannover mit der benachbarten Trinkhalle „Elkes Bude“ zusammen, wo die RTG Comedy und Kabarett zwischen Bier und Solei präsentierte. Die Zeche Hannover liegt auf der Radtour Gelsenkirchen-Herne-Bochum, die am Tag der Trinkhallen acht Buden als Spielorte für Kleinkunst, Musik und Tanz verbunden hat.





Der Fotoband „Die Bude. Trinkhallen im Ruhrgebiet“ mit Fotografien von Brigitte Kraemer ist in den Museumsshops der LWL-Industriemuseen erhältlich (gebunden, 136 S., 24,95 €).

In diesem Band erschien auch der Aufsatz "Von der Seltersbude zum Telefonshop. Kleine Geschichte der Trinkhallen im Ruhrgebiet" von Dietmar Osses.

Kiosk in Essen-Rellinghausen, 2007. Foto: Brigitte Kraemer