Zeche Hannover

LWL-Industriemuseum | Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur

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24.3. - 28.10.2018

Revierfolklore

Zwischen Heimatstolz und Kommerz

Das Ruhrgebiet am Ende des Bergbaus in der Populärkultur.

Förderwagen im Vorgarten, Schlägel und Eisen als Schlüsselanhänger und Ruhrpott-Schriftzüge auf T-Shirts – im Alltag finden sich viele Andenken an den Bergbau im Ruhrgebiet. Einige stehen nicht mehr für die Arbeit auf der Zeche, sondern markieren ein besonderes Lebensgefühl und die Verbundenheit mit der Region. Doch was steht hinter dieser Revierfolklore? Ist sie ein Ausdruck von Heimatstolz oder Folge einer Vermarktung der Erinnerung und Kommerzialisierung der Region? Das fragt die neue Ausstellung im LWL-Industriemuseum Zeche Hannover.

Gezeigt werden mehr als 200 Exponate: alte und neue Stücke aus Kohle und Kunststoff, Metall und Vinyl, Andenken und Objekte aus der Imagewerbung, dem Fußball, der Musik sowie der Ess- und Trinkkultur des Reviers.

Das Spektrum reicht vom Wandteppich über Skulpturen bis zu „Bergmännischen Geduldsflaschen“ und kuriosen Objekten wie Plüschpantoffeln mit Förderturm, Bade-Enten in Kumpel-Kluft und einer Eieruhr mit Schlägel und Eisen, die das Steigerlied spielt. An Hörstationen können Besucher Musik aus dem Revier lauschen. Ergänzt wird die Schau durch Fotografien von Förderwagen, die Museumsfotograf Martin Holtappels in einer Serie dokumentiert hat – 70 werden im Malakowturm der Zeche Hannover gezeigt, alle 600 sind weiter unten auf einer interaktiven Karte zu sehen.

Blick in den Ausstellungsbereich zur Bergbau-Tradition.

Themen der Ausstellung

Bergbausymbole und Traditionspflege

Symbole aus dem Bergbau begegnen uns im Ruhrgebiet auf Schritt und Tritt. Der Ruhrbergbau hat traditionelle Symbole wie Schlägel und Eisen aus alten Bergbaurevieren übernommen und teilweise neu gestaltet.

Obwohl die Zeiten des Steinkohlenbergbaus in den meisten Städten des Ruhrgebiets schon lange vorüber sind, pflegen Knappen- und Traditionsvereine bis heute die bergmännische Traditionen. Barbarafeiern und Knappenumzüge sind wichtige wiederkehrende Ereignisse des Vereinslebens. Ein aktuelles Film-Feature gibt in der Ausstellung Einblick in diese Tradition.

Fußball, Bier und Currywurst

Vom Kohlenpott zum Ruhrpott: Das Image des rußgeschwärzten Kohlenpotts prägte lange das Bild des Reviers. Städtewerbung und regionale Imagekampagnen setzten seit den 1980er Jahren Bilder von grünen und dynamischen Städten dagegen. Plakate und Imagebroschüren zeugen von den breit angelegten Kampagnen „Ein starkes Stück Deutschland“ und „Der Pott kocht“, mit denen der Kommunalverband Ruhrgebiet für ein neues, gemeinsames Image der Region warb.

Fußball und Ruhrgebiet gehören für viele Menschen einfach zusammen. Viele Fußballvereine im Ruhrgebiet berufen sich auf eine tiefe Verwurzelung im Arbeiterund Bergbaumilieu. Dies spiegelt sich in der Fankultur des Reviers, aber auch im Marketing der Vereine wider.

Motiv aus der Imagekampagne des KVR von 1998.

Die Erinnerung an die glanzvollen Zeiten des FC Schalke 04 und der Oberliga West sind ein wichtiger Bestandteil der Erinnerungskultur im Ruhrgebiet. Fußball hat heute eine große Bedeutung als identitätsstiftender Faktor im Ruhrgebiet.

Bier und Currywurst gelten als typisch für das Ruhrgebiet. Mit der Entstehung der Großbrauereien in der Region entwickelte sich der Dreiklang von Kohle, Stahl und Bier im Revier. Heute werben die Brauereien wie Fiege oder Brinkhoffs im Ruhrgebiet mit ihrer Verbundenheit zur Region. Mit Flaschen, Werbeschildern und „Ruhrpott-Curry-Ketchup“ setzt die Ausstellung die kulinarische Seite des Reviers in Szene.

Adolf Tegtmeier als Urgestein der Comedy aus dem Revier.

Das Ruhrgebiet in Liedern, Film und Comedy

Vom Schlager bis zum Gansta-Rap: Die Musikszene des Ruhrgebiets bedient sich in ihren Liedtexten über alle Genres hinweg der gängigen Symbole und Klischees des Reviers. In dieser Ausstellungsabteilung gibt es nicht nur jede Menge Plattencover und CDs zu sehen, sondern auch Kostproben für die Ohren – von Wolle Petry bis zum Knappenchor. Das Steigerlied nimmt heute oft die Bedeutung einer Hymne der Region ein – bei bergmännischen Feiern genauso wie in den Fußballstadien.

Ob Bergmann mit Mutterwitz, schrulliger Rentner oder prolliger Angeber mit dem Herz am rechten Fleck: Film und Comedy aus dem Ruhrgebiet greifen die Klischees und Stereotypen des typischen „Ruhris“ auf, vertiefen und variieren sie. Der Nachwuchswettbewerb „Tegtmeiers Erben“ entwickelt aus der Tradition der Ruhrgebietscomedy neue Formen und Formate. Die Siegertrophäe des Wettbewerbs, eine Tegtmeier-Mütze aus Bronze, ist in der Ausstellung ebenso zu sehen wie der Förderwagen des "Steigers“ aus der Ruhrgebietscomedy „Geierabend“.

Andenken aus dem Revier

Die Folklorisierung des Ruhrgebiets zeigt sich heute in einer Vielzahl von Andenken und Souvenirs. Ob Kaffeebecher, T-Shirt oder Badehandtuch – viele Objekte zeigen Symbole des Bergbaus und der Region. Die Bandbreite reicht von der nostalgischen Verklärung des Bergbaus bis hin zur künstlerischen Bearbeitung der Skyline des neuen Ruhrgebiets als Ruhrpott mit Industriedenkmalen und Landmarken.

Symbole aus der Montanindustrie stehen heute nicht mehr für die aussterbende Branche des Bergbaus, sondern haben sich vielmehr zu Zeichen  für die gesamte Region und einer Identifikation mit dem neuen, gewandelten Revier entwickelt.

=> Zur Pressemitteilung mit Fotos zum Download.

Katalog

Revierfolklore. Zwischen Heimatstolz und Kommerz. Das Ruhrgebiet am Ende des Bergbaus in der Populärkultur. Hg. LWL-Industriemuseum, Dietmar Osses und Lisa Weißmann. 272 Seiten, Essen 2018, ISBN 978-3-8375-1957-0. 19,95 Euro

Förderwagen im Revier | Interaktive Karte mit Fotografien von Martin Holtappels

Die Dokumentation wird fortgesetzt, und die Karte laufend erweitert. Hinweise zu Standorten von Grubenwagen an fotoabteilung.industriemuseum@lwl.org.

Begleitprogramm

Fr, 6.4. – So, 8.4.
Heimat und Fremde im Revier. Theater-Workshop für Jugendliche in Zusammenarbeit mit dem Jungen Schauspielhaus Bochum. Anmeldung bis 26.3. unter Tel. 0231 6961-236. Abschlusspräsentation So (8.4.), 17 Uhr

So, 22.4. | 16 Uhr
Der sagenhafte Bergbau. Bergbausagen erzählt mit Klang und Musik für jung und alt. Mit Jessica Burri, Sopran und Dulcimer. Begleitveranstaltung zur Ausstellung „Revierfolklore“. Eintritt frei

So, 29.4.  | 16 Uhr
„Kohle, Bier und Fußball“. Die Traditionsgeschichte des Ruhrgebiets. Offene Führung durch die Sonderausstellung „Revierfolklore“

Do, 3.5.  | 18.30 Uhr
Schlägel und Eisen, Steigerlied, Knappenvereine: Bergmännische Symbole und Traditionen im Ruhrrevier. Vortrag und Gespräch mit Kuratorin Lisa Weißmann

So, 27.5.  | 16 Uhr
„Glückauf, der Steiger kommt“. Traditionen und Folklore im Ruhrgebiet. Offene Führung durch die Sonderausstellung „Revierfolklore“

Do, 14.6.   | 18.30 Uhr
Vom Kohlenpott zur Metropole Ruhr. Struktur, Image und Selbstverständnis des Ruhrgebiets im Wandel. Vortrag und Gespräch mit Kurator Dietmar Osses

So, 24.6. | 16 Uhr
„Schicht im Schacht“. Was war, was ist, was bleibt vom Revier in der Zukunft? Offene Führung durch die Sonderausstellung „Revierfolklore“

Sa, 30.6. | 18–2 Uhr
Extraschicht – die Nacht der Industriekultur. Musik und Show vor dem historischen Malakowturm präsentieren das Revier im Wandel. Illumination des Industriedenkmals und Vorführungen der historischen Fördermaschine. www.extraschicht.de

Do, 12.7. | 18.30 Uhr
Ruhrgebiets-Edition No. 1. Schauspieler Max Strestik, Essen, und Lukas Vogelsang, Bochum, lesen sich mit den Bieretiketten von Brinkhoffs durch die Städte des Ruhrreviers. Anmeldung erwünscht unter Tel. 0234 6100-874 oder zeche-hannover@lwl.org

So, 29.7. | 16 Uhr
„Bade-Ente mit Schlägel und Eisen“. Ruhrgebietssymbole in der populären Alltagskultur. Offene Führung durch die Sonderausstellung „Revierfolklore“

Do, 2.8. | 18.30 Uhr
Mädels aus dem Kohlenpott und Ruhrgebiet illegal. Das Ruhrgebiet in Songtexten von Schlager bis Gangsta-Rap. Vortrag und Musik von Historiker Dietmar Osses und DJ Lukas Schwermann

Fr–So, 24.–26.8.
Abschied vom Steinkohlenbergbau. Schicht im Schacht. Zusammen mit dem Förderverein Zeche Hannover

So, 26.8. | 16 Uhr
Typisch Ruhrgebiet. Von Fußballfans und Currywurst. Offene Führung durch die Sonderausstellung

Do, 30.8. | 18.30 Uhr
Pottoriginale. Eine Hommage an die letzten Originale ausm Pott. Film- und Gesprächsabend mit Regisseur Gerrit Starczewski. Anmeldung erwünscht unter Tel. 0234 6100-874 oder zeche-hannover@lwl.org

Mi, 12.9. | 20 Uhr
Gute Nachtschnittchen. Das Ruhrpott-Special mit Gewinnern und Finalisten des Wettbewerbs „Tegtmeiers Erben“. Comedy-Abend mit Moderator Helmut Sanftenschneider in Kooperation mit der Sparkasse Bochum. Eintritt VVK 19 Euro, Abendkasse 24 Euro. www.nachtschnittchen.net

So, 30.9. | 16 Uhr
Schräge Typen mit Ruhrpott-Charme. Filme und Comedy aus dem Revier. Offene Führung durch die Sonderausstellung

So, 14.10. | 16 Uhr
Glückauf in Deutschland. Geschichten von türkischen Bergmännern. Zeitzeugen-Gespräch zusammen mit dem Verein für Internationale Freundschaften e.V. Dortmund

So, 28.10. | 16 Uhr
Ein starkes Stück Deutschland. Imagewerbung für das Ruhrgebiet. Offene Führung durch die Sonderausstellung


Die Ausstellung ist Teil der Initiative Glückauf Zukunft! zum Ende des Steinkohlenbergbaus.