Zeche Hannover

LWL-Industriemuseum | Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur

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Plakat zur Ausstellung © Büro Weiss, Berlin

10.12.2014 bis 09.08.2015 - Haus der Geschichte, Bonn, 08.10.2015 bis 17.04.2016 – Zeitgeschichtliches Forum Leipzig, 21.05.2016 bis 16.10.2016 – Deutsches Historisches Museum Berlin

Immer bunter

Einwanderungsland Deutschland

Die Ausstellung beschreibt die Geschichte der Migration unter Berücksichtigung sozialer, wirtschaftlicher, kultureller und politischer Aspekte. Sie geht der Frage nach, welche Gruppen das Migrationsgeschehen maßgeblich prägen und unterscheidet Phasen der Migration. Die Ausstellung untersucht Ursachen und Erscheinungsformen der Zuwanderung sowie den Prozess der Eingliederung. Sie macht deutlich, dass die Zuwanderer, aber auch die Aufnahmegesellschaft den Integrationsprozess entscheidend prägen.

Konzept und Ausstellung

Mit dem Thema Migration wendet sich die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland einem gesellschaftlich bedeutsamen und zugleich hochaktuellen Thema zu. Zuwanderung und Integration sind Politikfelder von zentraler Bedeutung, die ebenso leidenschaftlich wie kontrovers diskutiert werden und die Gesellschaft immer wieder polarisieren.

2010 zählte das Statistische Bundesamt 15,7 Millionen Menschen, die nach 1950 aus dem Aus­land auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik eingewandert sind oder hier als Kinder von Mi­granten geboren wurden. Damit hat fast jeder fünfte Einwohner einen Migrati­onshintergrund. Aus dieser Gruppe stammen ein Drittel aller Kinder, die in der Bundesrepublik Deutschland gebo­ren werden. Weit davon entfernt, eine kleine Minderheit zu sein, gestalten sie schon heute ganz wesentlich die Zukunft Deutschlands mit. Die Integration der Migranten ist eine Schlüsselaufgabe der Gegenwart.

Die Ausstellung erzählt die Zuwanderung und den Prozess der Integration aus der Perspektive von Einwanderern und Einheimischen. Im Zentrum steht die Entwicklung in der Bundesrepublik. Der Situation in der DDR, in der Ausländer in wesentlich geringerem Umfang beschäftigt waren, widmet sich eine eigene Ausstellungseinheit.

Die Ausstellung fragt nach den Ursachen und Erscheinungsformen der Migration, nach Aufnah­mebedingungen und Ausländerpolitik in Deutschland sowie den Auswirkungen der Zu- bzw. Ein­wanderung auf die Aufnahmegesellschaft. Dabei berücksichtigt sie soziale, wirtschaftliche, politische und kulturelle Aspekte.

Ausstellunsgbereiche

Gastarbeiter im Wirtschaftswunderland

Zur Aufrechterhaltung des wirtschaftlichen Aufschwungs werden vor allem seit Anfang der 1960er Jahre ausländische Arbeitskräfte angeworben. Der Aufenthalt der „Gastarbeiter“  soll vorübergehend und nicht von Dauer sein. Der Gaststatus prägt die Lebenssituation der Gastarbeiter.

Gesellschaft im Wandel: Gastarbeiter als Einwanderer

Aus der befristeten Beschäftigung entwickelt sich seit den 1970er Jahren verstärkt ein Trend zum Daueraufenthalt mit dem Familiennachzug als wichtigster Form der Zuwanderung. Damit verbunden sind soziale, wirtschaftliche und kulturelle Folgeprobleme. Die neuen  Probleme verstärken in der deutschen Bevölkerung Abwehrhaltungen gegenüber Zuwanderung. Die Bundesregierung hält am Postulat der auf Zeit angelegten zeitlich begrenzten Migration fest und verzichtet auf eine durchgreifende Integrationspolitik.

Arbeiterwohlfahrt, Caritas und Diakonie suchen Anfang der 1970er Jahre Unterstützung bei der (Sprach)-Förderung von Gastarbeiterkindern. © Historisches Museum Hannover

„Sozialistische Freunde“ – Ausländer in der DDR

Ausländer sind in der DDR eine absolute Minderheit. 1989 ist nur 1% der Bevölkerung (zwischen 166.000 und 190.000 Menschen) ausländischer Herkunft. Je rund 30% davon stammen aus Vietnam und Polen. Das Verhältnis der DDR zu Ausländern ist ambivalent: Einerseits propagieren Staats- und Parteiführung beständig die „Solidarität mit den unterdrückten Völkern“ - vornehmlich der Dritten Welt; andererseits findet kaum eine soziale Integration der Ausländer, die als politische Flüchtlinge, Auszubildende oder Vertragsarbeiter - auf Zeit - in der DDR leben, statt.

Neue Herausforderungen: Die „Zuwanderungswelle“ in den 1980er und 1990er Jahren

Kommen Flüchtlinge und Asylsuchende in den 1980erJahren zunächst in erster Linie aus der „Dritten Welt“, ändert sich das Bild Ende des Jahrzehnts: Mit dem Zerfall der kommunistischen Herrschaft kommen die Migranten in erster Linie aus Ost- und Südosteuropa. Die Zahl dieser Zuwanderergruppe steigt steil an. Die Angst vor einer „Überflutung“ ist gesellschaftlich weit verbreitet. Es kommt zu ausländerfeindlichen Ausschreitungen, die sich zunächst gegen Asylbewerber richten und bald auch weiter ausgreifen. Nach einer Änderung des Asylrechts 1993 geht die Zahl der Asylbewerber drastisch  zurück.

Einwanderungsland Deutschland

Um die Jahrtausendwende verändert sich in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die Einstellung zur Migration. Es wird deutlich, dass Einwanderung angesichts der dramatischen Alterung der Gesellschaft und des Mangels an qualifizierten Arbeitskräften notwendig ist und das Potential der bereits Zugewanderten unzureichend genutzt wird. Nicht mehr die Abwehr unerwünschter Zuwanderer steht im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion, sondern Fragen der Zuwanderungssteuerung und der Integration. Das Staatsangehörigkeitsgesetz 2000, das Zuwanderungsgesetz 2005 und die Etablierung umfassender Integrationsprogramme markieren den Paradigmenwechsel.

In einer globalisierten Welt wird die grenzüberschreitende Migration auch in Zukunft von großer Bedeutung sein. Die Menschen leben dabei zunehmend in Räumen, die durch die moderne Technologie global miteinander vernetzt sind, ohne dass noch territoriale Zusammenhänge bestehen. Geschlossene Kulturräume mit einem festen geografischen Kern und Wir-Bewußtsein verlieren an Bedeutung. Die Verbreitung transnationaler Identitäten nimmt zu. Kulturelle Vielfalt wird zur gesellschaftlichen Normalität. Die Antwort auf die Frage, was eine Gesellschaft zusammenhält, wird schwieriger.

Ergänzung in Berlin: Themenraum zur aktuellen Flüchtlingssituation

Die Übernahme der Ausstellung „Immer Bunter. Einwanderungsland Deutschland“ des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn (HdG) ermöglicht es, ein brandaktuelles Thema als Ausstellung aufzugreifen und das Thema Einwanderungsland Deutschland weiter zu vertiefen. Da die Ausstellung aufgrund ihrer langen Laufzeit nicht auf die aktuelle Flüchtlingskrise eingeht, sollte am Ende der Ausstellung ein Bezug zur aktuellen Flüchtlingssituation in der Bundesrepublik Deutschland ergänzt werden. In Abstimmung mit dem Wissenschaftlichen Beirat des DHM und dem Haus der Geschichte in Bonn ist geplant, Interviews mit Flüchtlingen zu präsentieren, die über ihre Ausgangssituation, Beweggründe für die Flucht, ihre Erfahrungen auf der Flucht und ihre Vorstellungen von der Zukunft berichten. Diese Kurzinterviews sollen mit Schlagzeilen zur aktuellen politischen und gesellschaftlichen Situation eingerahmt werden.


Das Architekturbüro Atelier Schubert, das für die Gestaltung der Ausstellung verantwortlich zeichnet, schlug vor, diesen ergänzenden Themenraum zur aktuellen Flüchtlingssituation in Anlehnung an die vier Kuben der Ausstellung mit Stimmen von Einwanderern zu gestalten. Entsprechend sollen auf der zum Ausstellungsende hin zeigenden Kubuswand die Zitate aufgebracht werden und im Kubus dann die Flüchtlingsstimmen in einer Filmstation gebündelt werden. Um die Aktualität zu verdeutlichen, sind die Stimmen der Flüchtlinge im Gegensatz zu den anderen Kuben nicht nur zu hören, sondern die sprechenden Personen bekommen ein Gesicht: Sie sind sowohl im Filminterview zu sehen, als auch mit Portraits und Kurzbiographien an der gegenüberliegenden Innenwand zu sehen.

Ausgewählte Exponate

© Guido Messer/Foto: Haus der Geschichte/ Axel Thünker

Skulptur "Der Ausländer"

Mit dem Entwurf für diese Statue gewinnt der Künstler Guido Messer 1982 einen Wettbewerb der Stadt Reichenbach. Die Skulptur erinnert an die ersten Gastarbeiter, die seit Mitte der 1950er Jahre zuwandern. Der Gemeinderat hat politische Bedenken und lehnt die Realisierung ab. 1989 wird die Plastik in Stuttgart aufgestellt aus Furcht vor ausländerfeindlichen Reaktionen unter dem veränderten Titel "Der Reisende".

Zündapp-Mokick "Sport Combinette"

Das Zündapp-Mokick "Sport Combinette" war das Begrüßungsgeschenk der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) für den millionsten Gastarbeiter, den Portugiesen Armando Rodrigues de Sá. Es wurde ihm bei seiner Einreise am 10.09.1964 auf dem Bahnhof in Köln-Deutz überreicht.

© Foto: Haus der Geschichte/ Axel Thünker
© Foto: Haus der Geschichte/ Axel Thünker

Ford Transit

Der Ford Transit war ein von Gastarbeitern häufig benutztes Fahrzeug. Es wurde sowohl für den Urlaub von Großfamilien in der Heimat sowie auch für gewerbliche Zwecke genutzt.

Begleitprogramm

Bonn (u.a.):

Mit dem Kabarettisten Fatih Çevikkollu durch „Immer bunter“
Familiensonntag am 1. Februar 2015

Kopftuch – ja oder nein? Erzählcafé und Film mit Emel Zeynelabidin

Erzählcafe:  "Unsere Geschichten" - Religion
19. April 2015, 15:00 Uhr, Atelier, Eintritt frei
Ausstellungsrundgang, Gespräch mit Emel Zeynelabidin

"Hüllen": Dokumentarfilm (CH 2010, 73 min, Regie: Maria Müller)
23. April 2015, 19:00 Uhr, Saal, Eintritt frei
Filmvorführung und anschließendes Gespräch mit Emel Zeynelabidin

"Mein Deutschland heißt Almanya": Autorenlesung mit Adnan Maral

Lesung "Adnan für Anfänger. Mein Deutschland heißt Almanya"
mit Adnan Maral im Rahmen der aktuellen Wechselausstellung
"Immer bunter. Einwanderungsland Deutschland"

Dienstag, 17. März 2015, 19:30 Uhr im Saal, Eintritt frei

Leipzig (u.a.):

"Flucht, Asyl, Protest? Wir müssen reden!" Fotoprojekt und Präsentation im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig

Präsentation: „Flucht, Asyl, Protest? Wir müssen reden!“ (9.2.–1.5.2016)
Öffnungszeiten: Di–Fr 9–18 Uhr, Sa/So 10–18 Uhr, Eintritt frei

Kunstaktion mit Bettina Flitner: Mittwoch, 10. Februar 2016, ab 10 Uhr

Berlin (u.a.):

Sonderfilmprogramm im Zeughauskino

Veranstaltungsflyer (PDF)

Literatur

Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Hg.). [Red. Bettina Citron; Petra Rösgen. Autoren: Barbara Dietz ...]: Immer bunter : Einwanderungsland Deutschland; Begleitbuch zur Ausstellung im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, 10. Dezember 2014 bis 9. August 2015, im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, 7. Oktober 2015 bis 17. April 2016. (Bonn) Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, 2. — 207 S. : zahlr. Ill., graph. Darst. ; 258 mm x 220 mm.
ISBN 9783945751046, 9783943904925, 3945751047, 394390492X

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Informationen und Kontakt

Ansprechpartner (während der Ausstellung/dauerhaft):

Peter Hoffmann (Pressereferent)
hoffmann@hdg.de

 

Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Willy-Brandt-Allee 14
53113 Bonn
www.hdg.de

 

Link zum Museumsmagazin (PDF)