Zeche Hannover

LWL-Industriemuseum | Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur

Menu

31.10.2003 bis 20.06.2004 - Museum der Arbeit Hamburg

Geteilte Welten

Einwanderer in Hamburg

Die Ausstellung ging mit unserer internationalen Kooperation zu „Migration, Work and Identity. A History of People in Europe, Told in Museums“ von Arbeitsmigranten nach dem Zweiten Weltkrieg aus – wir berücksichtigen aber auch ältere Einwanderung, die Hamburg wachsen ließ, und das Da-Sein von Flüchtlingen heute. Grundinformation wurde in „Geteilte Welten“ nicht durch Überblicke wie Chronologien, Statistiken, Kategorisierungen, Hervorheben von Bekanntem „geliefert“, sondern provoziert durch Einlassen auf eine Vielfalt, aus der sich neben allen Unterschieden Gemeinsames herausschält. Man sah auf „Gastarbeiter“ und Asylbewerberinnen, auf Geschichte und Gegenwart, Arbeitswelt und Sich Einrichten, Einzelne und Zugehörigkeiten, auf Initiativen, Ereignisse und Strukturen, Privates und Öffentliches – aber nicht auf „Nationen“ und Staaten.

Konzept

Die Verteilung der Oberthemen auf ca. 600 qm ließ durch verschieden anmutende, offene Räume mehrere Besucherwege zu und führte weniger in eine Leistungsschau der Einwanderung als in ein Mosaik des Erinnerns und Entwickelns, des Ermittelns und Verknüpfens und so zur ersten Deckung eines musealen, gesellschaftlichen Nachholbedarfs.
Möglich wurde das dank der Beteiligung von nahezu 100 Hamburgerinnen und Hamburgern als Berichtenden von Lebensgeschichten, Beobachtenden ihrer Umwelt und Leihgebenden des größten Teiles der gut 500 Exponate.
Eingewanderte ergriffen auch beim Besuch das Wort. Gerade dies Persönliche – und weniger eine Besucherführung durch alternativlose Wege und präjudizierende Texte – mündete in Gespräch, Auseinandersetzung und Entdeckungen.

Ausstellung

Arbeitswelten

Die Arbeitsmigranten der Anwerbeperiode 1955-73 sind schon in die Jahre, in Rente, Arbeitslosigkeit oder doch in ihr Herkunftsland gekommen. Also ergriff das Museum die bald letzte Chance, persönliche Migrationsgeschichten auch der "Ersten Generation" aufzuzeichnen und zu vermitteln.
Erwerbstätigkeit von Einwanderern trug das "Wirtschaftswunder" in der Industrie, weitgehend unsichtbarer als Gastronomie und Einzelhandel seit dem "Anwerbestop". Inzwischen gehören Angestellten-Tätigkeit, Akademikerinnen und Künstler, Unternehmertum, Arbeit im 'Abseits' und - noch - die "typischen GastarbeiterInnen-Arbeitsplätze" dazu.
Die Ausstellung erzählt von den Herausforderungen der "Anwerbung", von der Sicht der Firmen auf "ihre Gastarbeiter", von Männerarbeit und vorausgehenden Frauen, von mitgebrachten Fähigkeiten, die hier keine Anerkennung erfuhren, und von Leistungen der Menschen, die sich radikal umstellen mussten. Erfolgsgeschichten, nicht nur von Eltern zu Kindern, zeigen sich in verschiedenen Dimensionen und Formen.

Abschied vom Koffer?

Vom Provisorium des Wohnheims oder schlechter Wohnungen über das Hinausschieben einer Rückkehr ist es ein weiter Weg zum "Älter werden in der Fremde". Die Protagonisten der Ausstellung gewähren Einblicke in den vielgestaltigen Prozess des Heimischwerdens: von mitgebrachten Utensilien über Stadtentdeckung und Freizeit bis hin zum Einrichten, sich selbst und miteinander. Nach Möglichkeiten, nach fremdem oder eigenem Willen, nach Traditionen und neuen Verhaltensformen, mit Rücksicht auf Familien-Vorgaben. Die Bedeutung von Netzwerken für Selbstvergewisserung und eigene Wege ist zu ahnen.
Offener Begegnungsraum fördert Zusammenleben. Aber sehr viel mehr musste geschehen für gesellschaftliche Teilhabe und wurde angepackt von privaten Initiativen, Verbänden und öffentlicher Hand.
Die Ausgangssituation ist nicht zu vergessen: Stadttor und ein "Noteinlass" thematisieren bis heute währende Öffnungs- und Ausschlussmechanismen im Umgang mit Zugezogenen, Ungleichbehandlung und prekäre Lebenslagen. Bilder Hamburger FotografInnen zeugen von Widerstand gegen Diskriminierung.

Hamburgerinnen und Hamburger

Was bleibt von der Vorstellung geschlossener Kulturen und Identitäten? Dass niemand gehalten ist, sich entweder widerspruchlos einem Kulturkreis zuzuschreiben oder sich "im Supermarkt der Identitäten" wohl zu fühlen. Wie bewegt man sich zwischen "Heimat" und "zu Hause"? Wofür steht Hamburg?
In einem künstlerischen Ausblick mit Fotoporträts und vor dem Hintergrund einer Taxifahrt wenden sich Neu-Hamburgerinnen und Hamburger den Besuchenden zu und lassen den "typischen Hamburger" in einem neuen Licht erscheinen.
Vom gesellschaftlichen Mit- und Nebeneinander handeln die Erzählungen - von Geteilten Welten im positiven wie im negativen Sinne, zu deren Erkundung die Ausstellung einlädt.

Resonanz

15.700 Besucher

Begleitprogramm

Begleitprogramm in Hamburger Kooperation mit:
Abaton, Arbeitsgemeinschaft Hamburgischer Wohnungsunternehmen, Arbeitsgemeinschaft Kirchliche Flüchtlingsarbeit Hamburg, DGB-Gewerkschaften, Hamburger Geschichtswerkstätten, Katholische Akademie, Körber-Stiftung, eigenarten interkulturelles festival, Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung, Neue Gesellschaft, Open School 21, Patriotische Gesellschaft von 1765, Pädagogisch-Theologisches Institut Nordelbien, Universität Hamburg, Werkstatt 3 - und weitere Einrichtungen sowie einzelne Künstler.
 

Informationen und Kontakt

Ansprechpartner:
Dr. Jürgen Ellermeyer, Kurator der Ausstellung,
Museum der Arbeit (mittlerweile im Ruhestand)

Dr. Jürgen Bönig, Museum der Arbeit

Link zur Archivseite der Ausstellung

Link zur Museumshomepage