TextilWerk Bocholt

LWL-Industriemuseum | Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur

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Kaoru Hirano bei der Installation eines Kunstwerkes aus einem zu Fäden aufgelösten Kleid

Vorschau

Textile Erinnerungen | Remembering Textiles

2.10.2016-29.1.2017

Kaoru Hirano I Gali Cnaani

Kleider bis auf die Fäden aufzulösen und mit den offengelegten Strukturen Neues zu schaffen – dieser radikale Ansatz verbindet die beiden Künstlerinnen Gali Cnaani aus Israel und Kaoru Hirano aus Japan. Kaoru Hirano verknüpft die Fäden wieder so, dass sie eine schemenhafte Skulptur formen – in Reminiszenz an die ehemaligen Trägerinnen. Gali Cnaani verwebt die in ihre Strukturen aufgelösten Kleider hingegen wieder neu und verbindet sie mit anderen Kleidungsstücken.
In der Spinnerei des Textilwerks Bocholt präsentiert der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) rund 30 Objekte der international renommierten Künstlerinnen.


Die Ausstellung präsentiert zwei Spielarten moderner Kunst, die in ihrer Suche nach Form und Sinn eine eindrucksvolle technische Finesse mit höchster ästhetischer Ausdruckskraft verbindet. Beide Künstlerinnen nehmen Maß am Menschen, dessen konkrete Kleidung sie in abstrakte Kunst verwandeln.

Kaoru Hirano und Gali Cnaani gehen beide von Second-Hand-Kleidung aus, die sie auf unterschiedliche Art auflösen und weiterverarbeiten. Die Präsentation im Spinnsaal, dem "Atelier Industrie", ist dabei so aufgebaut, dass die verschiedenen künstlerischen Positionen in einen Dialog treten. Die Ausstellung gliedert sich inhaltlich in vier Bereiche, die jeweils einem Thema der Kunst gewidmet sind.

Blick in die Ausstellung "Textile Erinnerungen": Werke von Gali Cnaani
„Berliner Familie“: Werke von Kaoru Hirano




Zunächst werden verschiedene Dimensionen von Dekonstruktion vor Augen geführt. Was motiviert beide Künstlerinnen dazu, in einem äußerst zeitraubenden und monotonen Prozess vorhandene Kleidungsstücke aufzulösen? Gefragt wird auch nach den Strukturen, die durch die Dekonstruktion freigelegt wurden.

Im Falle von Cnaani sind sie vor allem formaler Natur. Denn die israelische Künstlerin interessiert sich für die „Bauprinzipien“ des Textilen. Hirano hingegen erzeugt mit ihren Objekten Assoziationsräume. Sie beziehen sich auf die Menschen, die einst die nun umgearbeitete Kleidung getragen haben.




Ein weiterer Bereich steht im Zeichen der Rekonstruktion. Denn die beiden Künstlerinnen bilden auf unterschiedliche Art und Weise die ursprünglichen Kleidungsstücke nach und schaffen dabei gleichzeitig schöpferische Neuinterpretationen. Schließlich werden die gezeigten Werke als Akte der Erinnerung gedeutet, die formal, experimentell, forschend, existenziell oder psychologisch ausfallen können. So entsteht eine überraschende Ästhetik, die das Textile als Sprache offenbart.

Bearbeitete Jeans von Gali Cnaani. Foto: Felix Weinold

Führungen

Öffentliche Führungen durch die Sonderausstellung finden an folgenden Sonntagen statt:

  • 2. Oktober, 14 und 16 Uhr
  • 9. Oktober, 15 Uhr
  • 13. November, 15 Uhr
  • 11. Dezember, 15 Uhr
  • 8. Januar, 15 Uhr
  • 29. Januar, 14 und 16 Uhr

Besucher zahlen nur den normalen Museumseintritt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.