Blick in den Websaal

Weberei

Im Websaal

Die Produktionshalle der Weberei des TextilWerks Bocholt ist ein Nachbau des alten Websaals der Weberei Gebr. Essing in Rhede. Mit 50 Webstühlen und 25 Webern hatte die Firma 1891 den Betrieb aufgenommen. Als die Gebäude der Firma im Februar 1985 abgerissen wurden, konnte das LWL-Industriemuseum die gußeisernen Säulen des Websaals von 1889/94 retten. Anders als in den historischen Textilfabriken, die für die verschiedenen Produktionsbereiche eigene Räumlichkeiten aufweisen, werden im Museum alle Arbeitsschritte "vom Faden bis zum fertigen Stoff" in diesem Saal zusammengefasst.

Das Gebäude ist ein Nachbau einer sogenannten "Shedhalle" - die bis in die 1950er Jahre für die Weberei typische Bauform. Das Charakteristikum der Shedhalle mit ihrer sägeförmigen Silhouette ist die Aneinanderreihung gleichförmiger, schuppenähnlicher Bauelemente (engl. shed = Schuppen). Die großen Glasfenster in den Dächern sind in der Regel nach Norden ausgerichtet, um für eine gleichmäßige Beleuchtung zu sorgen und eine Aufheizung des Inneraums durch Sonneneinstrahlung zu vermeiden. Die ebenerdige Shedhalle garantiert im Gegensatz zu mehrgeschossigen Bauten eine erschütterungsfreie Aufstellung der Maschinen.
 
Für den heutigen Betrachter ist nur noch schwer nachzuvollziehen, wie neu und ungewohnt die Fabrikanlagen des 19. Jahrhunderts und die Arbeit in ihnen war. Vor allem die massenhafte Reihung gleichartiger Arbeitsmaschinen und der Lärm, der von ihnen ausging, hinterließen einen gewaltigen Eindruck. Die 32 Webstühle des Museums vermitteln ansatzweise einen Eindruck von den Dimensionen riesiger Arbeitssäle mit Hunderten in Reih und Glied aufgestellter Webmaschinen.

Die Werkstatt


Die Werkstatt diente der Wartung und der Instandhaltung der Maschinen und der gesamten Fabrik. Neben den Reparaturen wurden hier auch Neukonstruktionen und technische Verbesserungen entwickelt. Die Werkstatt hatte die besondere Aufgabe, den Betrieb soweit wie möglich von Fremdleistungen unabhängig zu machen. Die Werkstatt der Museumsfabrik ist wie üblich in unmittelbarer Nähe des Kesselhauses und des Maschinenhauses in einem Raum untergebracht, der sich wegen der ungünstigen Beleuchtungsverhältnisse zu anderen Zwecken nicht eignen würde. Man betritt die Werkstatt durch eine Tür aus der ehemaligen Weberei Lühl in Gemen, wo sie den Zugang zum Kesselhaus von 1894 ermöglichte.

Blick in die Werkstatt
Die Dampfmaschine in dem Maschinenhaus

Das Maschinenhaus

Im Gegensatz zu den sehr schlichten und schmucklosen Produktionsräumen, ragen die Maschinenhäuser der Textilbetriebe durch gesteigerten architektonischen Aufwand und kunstvolle Verzierungen wie zum Beispiel farbige Bodenfliesen, Schablonenmalerei an den Wänden und pompöse Türen heraus. Denn in der Maschinenhalle befindet sich das "Herz der Fabrik", die Dampfmaschine, hierhin wurden Besucher geführt und die Fülle erhaltener Fotografien dokumentiert die besondere Aufmerksamkeit, die der "Kraftzentrale" im Gegensatz zum Kesselhaus oder gar zur Werkstatt gewidmet wurde. Entsprechend repräsentativ ist das Maschinenhaus des Museums eingerichtet.

Das Kontor



Das Kontor bezeichnet die Schreib- und Geschäftsstube eines Unternehmens. Hier wurden sämtliche kaufmännischen Arbeiten erledigt. Als um die Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche westfälische Textilfabriken gegründet wurden, bestand deren Kontor meist nur aus einem Raum. Wo sie nicht noch im Wohnhaus des Unternehmens untergebracht waren, gestatteten sie in der Regel den Blick in die Weberei. Wie unser Museumskontor waren dies oft zweistöckige Gebäude mit einem Privatkontor (Chefzimmer) im Obergeschoss und dem allgemeinen Kontor für die Angestellten im Erdgeschoss.

Mobiliar und Büro-Utensilien aus der Zeit der Jahrhundertwende
Blick in die Küche des Arbeiterhauses

Das Arbeiterhaus


Das nach alten Plänen erbaute und vollständig möblierte Arbeiterhaus mit bewirtschaftetem Garten und Kleintierhaltung erinnert an die Lebenswelt der münsterländischen Textilarbeiter zur Zeit der Industrialisierung. Wohnküche, "Gute Stube", Schlafräume, aber auch Vorratskeller und Waschküche haben wir für Sie in unserem Arbeiterhaus wieder eingerichtet.

Beim Gang durch das Haus lernen Sie das Lebensumfeld einer Textilarbeiterfamilie um 1920 kennen. Der bewirtschaftete Nutzgarten mit Hühnern und Kaninchen lässt erahnen, wie viel Arbeit auch nach Feierabend in der Fabrik auf die Textilarbeiter zukam, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.

 

Im linken Teil des Arbeiterhauses werden die Themen Ernährung, Hygiene, Energie sowie Kleidung und Heimtextilien in eigenen Ausstellungseinheiten dargestellt. Ein gedeckter Tisch stimmt die Besucher auf das Thema Ernährung früher und heute ein. Historische Alltagstextilien wie Arbeitshosen und Arbeitsschürzen werden im Obergeschoss neben gestickten Mustertüchern ausgestellt. Geflickte Bettbezüge oder Bettlaken zeigen viel vom historischen Alltagsleben, das von Knappheit geprägt war. Nur durch eigenes Anfertigen, durch Nähen oder Stricken konnte die Hausfrau die Versorgung ihrer Familie mit Textilien sicherstellen.


Jeden Sonntag findet um 16 Uhr eine offene Führung durch die Weberei statt. Es ist nur der Museumseintritt zu zahlen.