An der Rückseite des Websaals stehen noch alte Container und Schuppen, die als Lager für das Museumsrestaurant dienen (rechts).

Umbau der Weberei ist im vollen Gange

Neue Mauern im Websaal

Kelle für Kelle schaufeln die Maurer Mörtel auf die halbhohe Wand. Einen Stein nach dem anderen setzen sie präzise nebeneinander, übereinander. Die Farbe Grau ist derzeit die bestimmende im Websaal des TextilWerks Bocholt: Graue Planen schützen die vielen Webstühle und andere Maschinen, damit sie den Umbau heil überstehen. Der hintere Bereich des Websaals ist ebenfalls mit diesen Planen abgehängt, dahinter verrichten die Handwerker ihre Arbeit. Ihr Auftrag: Eine 96 Quadratmeter große Fläche mit Mauern vom Ausstellungsraum abzutrennen und in diesem Bereich mehrere Wände hochzuziehen. Das Ziel: Platz für den Logistikbereich des angrenzenden Museumsrestaurants "Schiffchen" zu schaffen.

Maurer sind nun damit beschäftigt, Mauern im Websaal hochzuziehen, damit an dieser Stelle ein neues Lager entstehen und Container und Schuppen abgerissen werden können.

Martin Schmidt, wissenschaftlicher Referent, erklärt die Hintergründe: "Das Schiffchen erhält hier neue Infrastrukturräume, um den bislang genutzten Platz hinter dem Museum für die neue Podiumsbrücke frei zu machen." Diese soll ab September 2018 den anderen Museumsstandort Spinnerei jenseits der Aa mit der Weberei verbinden. Dort, wo dieses imposante Bauwerk aufs Ufer treffen wird, soll ein offener, einladender Platz mit Außengastronomie entstehen. Bisher stehen an dieser Stelle, hinter Restaurant und Websaal, alte Container und Schuppen, die das Restaurant als Lagerraum nutzte und nun durch den neu gewonnenen Raum im Websaal kompensieren kann.

Der Ausstellungsraum im Websaal schrumpft um knapp 100 Quadratmeter, weshalb vieles einen neuen Platz findet. Die Restauratoren – hier Felix Brumann – stellen deshalb die Maschinen um.

Museumsleiter Dr. Hermann-Josef Stenkamp betont, dass in jeder Veränderung auch eine Chance liege – auch wenn der Verlust von Ausstellungsfläche im Websaal schmerze, habe dieser Umstand ihn und seine Mitarbeiter dazu gezwungen, das Ausstellungskonzept zu überdenken und weiterzuentwickeln: "Wir glauben, es wird gut – es wird richtig gut!" Der Besucher werde alles wiedererkennen, wenig vermissen und an manchen Stellen denken: "Es sieht anders, es sieht besser aus – aber was genau hat sich verändert?" Stenkamp und seine Kollegen hingegen wissen dies genau: "Wir haben uns in einer Art industrie-archäologischem Forschungsprozess durch die Ansammlung von Arbeitsgeräten und Objekten gegraben." Die Beschränkung auf weniger, dafür aussagekräftigere Objekte werde es dem Besucher einfacher machen, die Inhalte zu erfassen, ist sich Stenkamp sicher.

Damit die Exponate keinen Schaden annehmen, sind Teile des Websaals und mehrere Webmaschinen mit grauen Planen abgehängt.

Einige Maschinen und andere Exponate mussten schon im Herbst vergangenen Jahres ihren Platz räumen und wurden von den Haustechnikern sicher eingelagert. Danach wurden sowohl die Heizungsanlage als auch die Elektrik verändert, vom Brandmelder über Stromleitungen für Leuchten und Maschinen musste vieles zurückgebaut werden, um es später wieder den neuen räumlichen Gegebenheiten anzupassen.

Nah dran an den Maschinen

Neben den Maurern sind nun auch die Restauratoren des Museums oft im Websaal zu finden: Sie bauen Webmaschinen ab, um sie an anderer Stelle wieder aufzubauen. Felix Brumann, Leiter der Werkstatt in Bocholt, findet den Umbau des Websaals sehr gut: "Die historischen Maschinen werden durch die Umstellung besser präsentiert, weil der Besucher dann direkt auf den Antrieb der Maschinen sehen und dabei beobachten kann, wie er funktioniert." Grundsätzlich werde das Publikum näher an die Maschinen herankommen als zuvor: "Die Ketten, die bisher den Großteil der Maschinen sicherten, fallen weg", freut sich Brumann. Nur bei Maschinenvorführungen werde es einen Schutz geben.

Noch lassen sich die Zukunftsvisionen nur schwach zwischen den grauen Planen erahnen, wo die Maurer Stein um Stein aufeinandersetzen, wo Brumann mit seinen Kollegen die Maschinen umstellt. Und auch wenn der Umbau des Websaals genauestens geplant wurde – kleinere Überraschungen gibt es immer wieder, wie auch der Restaurator feststellt: "Ich hätte nicht damit gerechnet, dass der Klebstoff, mit dem die Maschinen vor dem Festschrauben auf dem Boden fixiert wurden, auch fast 30 Jahre später noch richtig gut hält."

Linda Schilling

Publikationsdatum: 30.01.2018

Themen: Weberei, Projekt "kubaai"