Schiffshebewerk Henrichenburg

LWL-Industriemuseum | Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur

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13.8.2015–3.4.2016

Wanderarbeit

Mensch – Mobilität – Migration

Die Ausstellung beleuchtet die verschiedenen Formen der Wanderarbeit, ihre vielfältigen Ursachen und die Auswirkungen, die mit dem Verlust von Heimat einhergehen.


Die Ausstellung setzt acht historische Wanderberufe in Szene und stellt ihnen sieben aktuelle Berufsfelder entgegen: Schäfer, Schausteller, lippische Ziegler, Scherenschleifer, ostwestfälische Heringsfänger, Amerikaauswanderer, italienische Eismacher, spanische Gastarbeiter - dies sind die klassischen Wanderarbeitsberufe in der Geschichte. Als Arbeitsmigranten heutiger Tagen werden Bauarbeiter, polnische Spargelstecher, rumänische Pflegekräfte, Pendler, Beschäftigte in Callcentern, Auswanderer und Flüchtlinge vorgestellt.

Von Gastarbeitern und Flüchtlingen

Das Spektrum der Exponate reicht vom Fahrrad eines Scherenschleifers über das Spielkarussell eines Schaustellers, eine historischen Eismaschine bis hin zu angeschwemmten Habseligkeiten der Menschen, die versuchen, aus Afrika über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen und auf der italienischen Insel Lampedusa stranden. Film- und Tondokumente zeigen das Leben der schlecht bezahlten Wanderarbeiter auf Baustellen in Deutschland und präsentieren die Erinnerungen von Gastarbeitern an ihre ersten Jahre in Deutschland.

Eines ist den Arbeitsmigranten damals wie heute gemeinsam: Sie wandern, weil ihr Beruf es erfordert oder weil sie in der Heimat nicht genügend Arbeit finden. Neben Armut, wirtschaftlicher Not, Karriereaussichten oder der Lust auf Abenteuer und Veränderung spielt heute auch immer öfter die Globalisierung des Arbeitsmarktes eine große Rolle.

Historische Eismaschine

Gut qualifizierte Spezialisten in internationalen Konzernen müssen immer öfter für Monate, Jahre oder Jahrzehnte der Arbeit hinterher ziehen. Gleichzeitig entscheiden sich viele Menschen aufgrund des großen Gehaltsgefälles innerhalb Europas, ihre Heimat zu verlassen. Und hunderttausende von Menschen nehmen jeden Tag stundenlange Fahrten in Kauf, um Beruf und Wohnen in der gewünschten Umgebung in Einklang bringen zu können.

Inszenierung mit Fundstücken von Flüchtlingen aus Lampedusa

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen das Leben der Menschen und die Folgen der Arbeitswanderung für die Gesellschaft. Jede Abteilung greift zentrale Aspekte wie Aufbruch, Hoffnung, Angst, Heimat, Sehnsucht, Heimweh, Mobilität Fernweh, Flucht, Neubeginn oder Fremde auf und stellt sie in einen historischen und in einen aktuellen Zusammenhang.

Die Ausstellung Blick weit in die Geschichte und Gegenwart und stellt dabei auch Fragen an die Zukunft: Welche Folgen wird es für Familien und Freundschaften haben, wenn sich Arbeit weiter globalisiert? Was bedeutet die Arbeitnehmerfreizügigkeit in Europa für Rumänen und Bulgaren? Wird sich die Konkurrenz zwischen unterschiedlich bezahlten Arbeitskräften in Europa und Asien noch weiter verstärken?

Am Ende können die Besucher selbst aktiv werden: In der Abteilung über die im Fernsehen so beliebten Doku-Soaps zu Auswanderern werden Gäste aufgefordert, ihre eigenen Vorstellungen und Auswandererträume zu Papier bringen und an eine Pinnwand zu stecken.

Begleitbuch

LWL-Industriemuseum (Hg.): Wanderarbeit. Mensch - Mobilität - Migration, Klartext Verlag , Essen 2013. ISBN 978-3-8375-0957-1, 160 Seiten, Preis 14,95 Euro.