Postkarte eines Auswanderdampfers im Hamburger Hafen

15.2.-4.11.2018

Vom Streben nach Glück

200 Jahre Auswanderung aus Westfalen nach Amerika

 

Wohlstand, Freiheit, Abenteuer – das waren die Hoffnungen, die über 300.000 Menschen im 19. und 20. Jahrhundert Westfalen dazu bewegten, in den USA ein neues Leben zu beginnen.


Die Ausstellung „Vom Streben nach Glück“ veranschaulicht die Geschichte dieser Auswanderungsbewegung, beleuchtet die Ursachen, zeichnet Reisewege nach und schildert Biografien westfälischer Emigranten. Das Spektrum der mehr als 100 Exponate reicht von Fotos und Postkarten über ein Schiffsmodell bis hin zu persönlichen Gegenständen der Auswanderer. Das  Begleitprogramm umfasst einen genealogischen Workshop und Vorträge rund um Auswanderung, Familienforschung und die USA (s.u.).

Waltroper Lebensläufe

Im Schiffshebewerk Henrichenburg werden auch zwei Auswandererbiographien aus Waltrop vorgestellt: die Geschichten von Carl Leppelmann und der Familie Felling. Leppelmann war der Amtmann in Waltrop. Er erwarb sich einen zweifelhaften Ruf, indem er Gelder unterschlug und nicht durch übermäßige Gründlichkeit bei der Erledigung seiner städtischen Geschäfte glänzte. Im Jahr 1863 hatten sich zu viele Eskapaden angesammelt. Leppelmann sollte zur Rechenschaft gezogen werden, wofür er steckbrieflich gesucht wurde. Doch der Waltroper kam seinen Häschern zuvor und setzte sich über den Atlantik ab – samt der Stadtkasse, die 5.000 Taler enthielt. Mit seiner Familie gründete er eine neue Existenz in den USA. Als Charles Leppelmann wurde er als Architekt tätig. Ob er je eine Ausbildung dafür genoss, ist unbekannt. Ein Haus, das er als Vereinsheim für einen deutschen Turnverein in St. Louis erbaute, wurde später ein Kino.

Das Haus, das Carl Leppelmann für einen deutschen Turnverein in St. Louis erbaute, wurde später ein Kino.
Globus und Fotoalbum der Familie Felling.

Wie viele Westfalen siedelte sich auch die Fellings im Mittleren Westen an. Fast eine Million Deutsche fanden in den Staaten Wisconsin, Ohio, Iowa und Minnesota eine neue Heimat. Johann Theodor Felling war der zweitgeborene Sohn einer Bauernfamilie aus Oberwiese. Er hatte keine Chance, den väterlichen Betrieb zu erben. Deshalb entschied er sich 1848, in die USA überzusiedeln. Im gleichen Jahrzehnt wanderten 30 weitere Waltroper nach Nordamerika aus. Die Nachfahren der Familie, die den gleichnamigen Bauernhof in Oberwiese besessen haben, leben noch heute in den USA: Es gibt dort über 200 Träger des Namens „Felling“. Tom Felling, der Urenkel von Theodor Johann, machte sich 1992 auf die Suche nach den Ursprüngen seiner Familie. Der in Minneapolis tätige Lehrer entdeckte im Gebetbuch seines Großonkels Joseph den Eintrag „Oberwiese, Waltrop“ und nahm Kontakt in die alte Heimat auf. 2009 trug er sich in das Goldene Buch der Stadt Waltrop ein.

Fluchtursachen

Nicht nur wirtschaftliche Not, die vor allem in den ländlich geprägten Regionen Westfalens der Hauptgrund für die Auswanderung war, trieb die Menschen in die Ferne. Auch politische Gründe bewegten die Menschen dazu, ihre deutsche Heimat zu verlassen. Prominenteste Gruppe dieser politischen Auswanderer waren die Anhänger der revolutionären Bewegung um das Jahr 1848.

Agenten vermittelten den Ausreisewilligen die Schiffsfahrkarten für die Überfahrt in die USA. Die Reise begann meist in den beiden großen deutschen Auswandererhäfen in Bremerhaven und Hamburg. Schiffsmodelle sowie Postkarten und Werbeplakate der Reedereien zeigen anschaulich, wie diese Schiffe aussahen.

Modell eines Auswandererschiffes.

Deutsche in der Neuen Welt


Zu Beginn des Ersten Weltkriegs hatten über acht Millionen Menschen in Nordamerika deutsche Vorfahren. Sie lebten als Farmer in den nördlichen Staaten des Mittleren Westens, waren aktiv in der Kultur, in der Politik und im Wirtschaftleben der Vereinigten Staaten. Vor allem der Bundestaat Indiana mit seiner Hauptstadt Indianapolis wurde zu einem Zentrum deutschen Wirkens. In Fort Wayne brauten und vertrieben die Dortmunder Berghoff-Brüder „Dortmunder Beer“. Clemens Vonnegut aus Münster brachte es mit einem Haushalts- und Eisenwarenhandel in kurzer Zeit zu Reichtum. Und William Edward Boeing, Sohn eines Einwanderers aus dem heutigen Hagen, gelang es gar, einen Weltkonzern aufzubauen.

Neben Knowhow brachten die Deutschen auch das Vereinswesen mit in die neue Heimat: In den meisten Städten des Mittleren Westens gab es Männerchöre und Turnvereine, auch Karneval wurde gefeiert. Die alteingesessenen Amerikaner konnten mit dieser Art der Freizeitbeschäftigung nichts anfangen. Die Deutschen blieben lange unter sich. Erst in den 1920ern wurden zum Beispiel die Turnvereine für alle Amerikaner populär.

Mit dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg veränderte sich das Verhältnis zwischen Amerikanern und Deutschen. Viele Familiennamen wurden amerikanisiert, deutsche Zeitungen, Reklametafeln und Bräuche verschwanden aus der Öffentlichkeit. Ein eigenes Kapitel widmet die Ausstellung dem Thema Vertreibung und Verfolgung nach 1933. So wanderten mehr als 120.000 deutsche Juden und Intellektuelle nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten nach Amerika aus.

Hantel und Gymnastikkeule aus dem "Deutschen Haus" in Indianapolis.

Kooperationspartner der Ausstellung ist die Arbeitsstelle für Deutsch-Amerikanische Bildungsgeschichte der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Katalog

Vom Streben nach Glück. 200 Jahre Auswanderung aus Westfalen nach Amerika. (Hg.) LWL-Industriemuseum, Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur, Willi Kulke. 164 Seiten, Essen 2016, ISBN 978-3-8375-1616-6, Preis: 14,95 Euro

Begleitprogramm

Jeden ersten und dritten Sonntag des Monats: Freie Führung durch die Ausstellung. Die Führungen beginnen um 14:30 Uhr im Sonderausstellungsgebäude. Nur Museumseintritt.

18.2.2018, 14 Uhr
Kuratorenführung mit Phillip Berg. Nur Museumseintritt

11.3.2018, 14–18 Uhr
Workshop „Familiengeschichtliche Datenbanken“. Die genealogisch-heraldische Arbeitsgemeinschaft Roland zu Dortmund e.V. erklärt die Benutzung von Ahnendatenbanken und steht mit Rat und Tat zur Seite. Nur Museumseintritt, um Wartezeiten zu vermeiden, wird um Anmeldung gebeten: 02363 9707-0.

15.5.2018, 19 Uhr
„Aus Westfalen nach Amerika. 200 Jahre Auswanderungen“. Vortrag von Dietmar Osses, Museumsleiter des LWL-Industriemuseums Zeche Hannover in Bochum, über Ursachen und Folgen der Amerika-Auswanderung. Eintritt frei.

30.6.2018, 18 Uhr
ExtraSchicht. Über dem Schiffshebewerk zündet eine Feuer-Show, das BBQ-Team „Gourmonds“ veranstaltet ein Show-Grillen, und der Ufa-Film „Metropolis“ wird mit Live-Musik vorgeführt. Außerdem werden Dampferfahrten geboten. Sondereintritt mit ExtraSchicht-Ticket.

3.7.2018, 19 Uhr
Vortrag „Onkel in Amerika? Auf den Spuren der eigenen Vergangenheit“. Die genealogisch-heraldische Arbeitsgemeinschaft Roland zu Dortmund e.V. verrät Tipps und Tricks für den Einstieg in die Ahnenforschung. Diese Veranstaltung findet im Sonderausstellungsgebäude statt. Eintritt frei.

14.8.2018, 19 Uhr
Vortrag „Auswanderung von Waltrop nach Amerika“. Norbert Frey vom Waltroper Heimatmuseum stellt Bewohner Waltrops vor, die ihr Glück in der Neuen Welt suchten. Eintritt frei.

18.9.2018, 19 Uhr
Vortrag „Wie das BBQ nach Waltrop kam“. Mathias Wagener vom LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg ist zugleich Mitglied des Grillteams „Gourmonds“. Er berichtet über die amerikanische Grillkultur. Eintritt frei.

28.10.2018, 14 Uhr
Vortrag „Die Verwandtschaft von Western und Science-Fiction“. Passend zum Star-Wars-Tag stellt Kurator Phillip Berg die enge Beziehung zwischen zwei beliebten Filmgenres vor. Eintritt in Kostümierung frei, sonst Museumseintritt.