Werbebild der Getränkemarke Sinalco

6.5.2016 - 17.4.2017

Zum Wohl!

Getränke zwischen Kultur und Konsum


Bier für das Ruhrgebiet, Schnaps für Westfalen – was ist dran an den regionalen Vorlieben für spezielle Getränke? Mit zahlreichen Exponaten, Fotos und Dokumenten zeichnet die Schau eine „Landkarte“ der Trinkkultur nach. Wasser, Schnaps, Bier, Limonade, Milch, Tee und Kaffee – das sind die Getränke, die in den letzten 150 Jahren Westfalen-Lippe prägten.


Seit 10.000 Jahren stellen Menschen selbst Getränke her. Die Industrialisierung beeinflusste das flüssige Kulturgut in doppelter Hinsicht: Sie veränderte die Produktion der verschiedenen Getränke sowie deren Rolle in der Gesellschaft.

Die Ausstellung beleuchtet die Prozesse der industriellen Produktion sowie die gesellschaftlichen Zuschreibungen und Konjunkturen der Getränke, die wir (fast) täglich zu uns nehmen. Welche Rolle spielen Getränke in unserem Alltag? Welche Trinkgewohnheiten leben wir und wie haben sich diese in den letzten Jahrhunderten verändert? Woher kommen die Getränke und welche Getränke haben Zuwanderer mit nach Deutschland gebracht? Diesen Fragen geht die Sonderausstellung nach und fragt dabei vor allem passend zum Ausstellungsort: Was trank und trinkt Hattingen?

Ob Flaschen-Abfüllanlage, Teebeutelpackmaschine, Bauchmelker, Kaffeeröster oder lebensgroße Kuh: Große und kleine Exponate berichten von Kultur und Konsum unserer Getränke. Fühl-Bars mit Rohstoffen der Getränkeherstellung und Medienstationen helfen beim Erleben und Verstehen.

Die Bude

Die originale historische Trinkhalle von Emmy Olschewski aus dem Jahr 1921 bildet - passend zum Jahr der Trinkhalle 2016 - den Mittelpunkt der Ausstellung. Bis 1998 stand sie in der Bergarbeitersiedlung Schwerin in Castrop-Rauxel. Die Trinkhalle sicherte der Bergmannswitwe Anna Jaeger und ihrer Tochter Emmy Olschewski Jahrzehnte lang das Einkommen und galt als wichtiger Ort der Nahversorgung sowie als Nachrichtentreff.

Alleine in Hattingen gibt es 74 Trinkhallen, die als Zeugnisse der ruhrgebietstypischen Trinkkultur gelten. Von der Bude führt der Rundgang in der Ausstellung weiter zu den Themenfeldern Schnaps, Bier, Limonade, Wasser, Milch, Kaffee und Tee.
 

Die Trinkhalle von Emmy Olschewski
Kuratorin Astrid Blum und Standortleiter Robert Laube zeigen vor einer historische Schnapsbrennmaschine zwei Pinnchen

Schnaps



Schnaps diente bis in die Anfänge der Industrialisierung als günstiger und haltbarer Energielieferant für die Ärmsten der Gesellschaft. Im Maschinenzeitalter brachten die berauschende Wirkung und drohende Alkoholsucht hochprozentigen Alkohol in Verruf. Vor allem in den ländlichen Regionen Westfalens haben Konsum und Herstellung von Schnaps bis heute jedoch ihre Bedeutung bewahrt.

Bier

Bier erlebte als erfrischendes Getränk mit geringem Alkoholgehalt im Industriezeitalter eine einzigartige Hochkonjunktur. Neue Brau- und Kühlverfahren machten Bier zum beliebten Massengetränk im Ruhrgebiet.
Die Biermetropole Dortmund war Anfang der 1970er Jahre mit mehr als siebeneinhalb Millionen Hektolitern Bierausstoß pro Jahr in Europa Spitze.

Mit dem Niedergang von Bergbau, Eisen- und Stahlindustrie schwanden seit Mitte der 1960er Jahren die Massenarbeitsplätze, und auch der Bierkonsum ging deutlich zurück. Heute dominieren wenige Großbrauereien den deutschen Markt. Viele der bekannten Biersorten und Biermarken sind verschwunden. Einige wenige kleinere können sich jedoch am Markt behaupten.

In einer der Fühl-Bars kann Hopfen errochen und ertastet werden
Sinalco-Flaschen aus verschiedenen Jahrzehnten

Limonade



Limonade wurde Anfang des 20. Jahrhunderts im Zuge der Mäßigkeitsbewegung als alkoholfreie Alternative zu Schnaps und Bier propagiert. Die Marke Sinalco - ein Kunstwort aus dem lateinischen "sine alcohol" - ohne Alkohol - trat ab 1905 aus dem ostwestfälischen Städtchen Lage und später Detmold ihren Siegeszug durch ganz Deutschland und Europa an.

Wasser



Wasser ist das natürlichste aller Getränke und heute doch ein High-Tech-Produkt. Maschinelle Produktion und künstliche Kohlensäure machten das Mineralwasser Ende des 19. Jahrhunderts im Ruhrgebiet populär.
Aus den Verkaufsständen der Mineralquellen aus der Eifel entwickelten sich die Trinkhallen im Revier - bis heute eine weit verbreitete und hoch geschätzte Institution im Ruhrgebiet.

Trinkgläser aus der Glashütte Gernheim
Veranschaulichung der Kaffeeröstung an einem historischen Exponat

Kaffee





Kaffee galt lange als teures Luxusgut für die "bessere Gesellschaft". Erst im 20.Jahrhundert breitete sich der Kaffeekonsum in allen Gesellschaftsschichten aus. Aus den Bergwerken des Ruhrgebiets war die "Kaffeepulle" bald nicht mehr wegzudenken. Heute ist Kaffee in seinen vielfältigen Formen das am meisten konsumierte Getränk in Deutschland.

Tee

Tee gelangte mit den Entdeckungsreisen aus Fernost nach Europa. Im Industriezeitalter entwickelte sich die Luxusware zum Massenprodukt. Hochofenarbeiter schätzten den Tee als Hilfe gegen hohen Flüssigkeitsverlust. Für viele Arbeiter aus Südeuropa bedeutete das Teetrinken in vertrauter Runde ein Stück Heimat in Deutschland.

Gemeinsam mit der Potteery entwickelte das LWL-Industriemuseum Henrichshütte eine moderne Kreation des "Hattinger Hüttentees" in Anlehnung an das Rezept des Werkarztes Dr. Gruß aus dem Jahr 1957. Der Biotee beinhaltet unter anderem schwarzen Tee, Orangenschalen sowie Brombeer- und Himbeerblätter.

Peter Oberdellmann vom städtischen Landwirtschaftsverband brachte ein Kuh-Modell mit ins Museum, das sogar gemelkt werden kann

Milch


Milch ist nahrhaft, galt aber wegen der geringen Haltbarkeit bis Anfang des 20. Jahrhunderts als riskant. Mit verbesserten Möglichkeiten zur Kühlung und Vorbeugung gegen Keime entwickelte sich die Milch schließlich vom Risikogetränk zum gesunden Grundnahrungsmittel. Der Mythos vom Gegenmittel bei Vergiftungen verankerte die Milch nicht nur in der Hausapotheke, sondern auch an gefährlichen Arbeitsplätzen in Kokereien und an Hochöfen.

Prost, Hattingen!

Wo wurden in Hattingen Getränke produziert? Wie kamen sie zu den Verbrauchern? Und wo wurden sie genossen? Was sich zwischen damals und heute vor Ort verändert hat, zeigt "Prost, Hattingen!", eine Ausstellungseinheit über die Hattinger Trinkkultur. Sie führt in Kneipen, zu Altstadt-Festen, ins Hügelland und auf die Hütte.

Getränke spielten auf der Henrichshütte eine besondere Rolle. Ob am Hochofen, im Walzwerk oder in der Schmiede: Überall wurde hier körperlich schwer gearbeitet und das meist an einem hitzigen Arbeitsplatz. Daher verlor der Körper eines Hochöfners etwa zehn Liter Flüssigkeit pro Schicht. Dem Betrieb war es wichtig, dass ein Arbeiter trotzdem weiter gut "funktionierte" und die Produktion auf der Hütte optimal ablief. Der enorme Flüssigkeitsverlust musste stets wieder ausgeglichen werden. 1926 wurde deshalb eine Mineralwasseranlage auf dem Hüttengelände eingerichtet. 1957 empfahl der Werksarzt der Henrichshütte den Arbeitern Tee zu trinken, da kühles Mineralwasser häufig zu Magen-Darm-Störungen führe. Dass dieses Hüttentee-Rezept mit reichlich Zucker schließlich ganz andere Auswirkungen hatte, merkten die Arbeiter später beim Gang auf die Waage. Vor dem Werk warteten zum Schichtwechsel zudem Schnaps und Pils in den „Bierschwemmen“. 

Aber nicht nur die Hütte liefert Geschichten zur Trinkkultur Hattingens. Die Stadt und ihre Bewohner selbst bieten Einblicke in die historische Kultur der Getränke: 195 Jahre lang wurde in Hattingen Schnaps im Familienbetrieb Weygand produziert. Kaffee wurde und wird wieder in Hattingen geröstet. Die Kaffeerösterei Hildebrandt, die von 1911 bis 1972 bestand, röstete Kaffee aus bis zu 20 verschiedenen Kaffee-"Partien". Heute gibt es "Mayola", einen kleinen Röstbetrieb, der 500 Metern von der damaligen Rösterei Hildebrandt entfernt steht. Gewandelt hat sich auch die Kneipenkultur in Hattingen. Damals gab es zum Herrengedeck oder den zehn Pils vielleicht eine Frikadelle oder Mettwurst dazu. Heute ist das Getränk, ob angesagter Longdrink oder rares Craft-Beer, eher Ergänzung zum gewünschten kulinarischen Hochgenuss.

Gestern wie heute ziehen Hügelland und Altstadt Ausflügler wie Einwohner an und in die dortigen gastronomischen Betriebe. Nicht mehr täglich, eher zum gepflegten Essen oder attraktivem Event wie dem alljährlichen Altstadtfest. Zumindest dann ist die Theke wieder der Ort, wo Hattingen sich trifft.

Noch 'ne Runde

Da fehlt was in der Ausstellung?

Sie haben eine Geschichte, ein Bild oder einen Gegenstand zur Trinkkultur in Hattingen?

Dann teilen Sie Ihr Wissen mit uns! „Prost, Hattingen!“ soll während der Ausstellungszeit wachsen
(6. Mai 2016 bis 17. April 2017).

Wir freuen uns auf Ihre Geschichten!

Katalog und Begleitprogramm

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, eine Broschüre "Prost, Hattingen!" folgt im Juni.

Mittwoch, 11. Mai, 19 Uhr
Filmabend „Koffein hoch 3“: Eins Zwei Drei (US 1961, 115 Min.). Eintritt frei.

Mittwoch, 8. Juni, 19 Uhr
Filmabend „Mal geschüttelt, mal gerührt“: Cocktail (US 1988, 99 Min., FSK 16). Eintritt frei.

Mittwoch, 13. Juli, 19 Uhr
Filmabend „Whisky“: Angels‘ Share – Ein Schluck für die Engel (GB/FR/BE/IT 2012, 101 Min., FSK 12). Eintritt frei.

Freitag, 29. Juli, 15.30 Uhr
Exkursion "Milch" zum Milchbauern Martin Schlenkermann, Dauer: 2,5 Std., max. 20 Teilnehmer; 18.30 Uhr Vortrag von Robert Laube. Eintritt frei, Anmeldung erforderlich.

Mittwoch, 10. August, 19 Uhr
Filmabend “Mit Wein auf Abwegen”: Sideways (US 2004, 127 Min., FSK 12). Eintritt frei.

Freitag, 26. August, 19.00 Uhr
Bierverkostung mit Biersommelier Matthias Kliemt: max. 25 Teilnehmer. 15 Euro pro Person, Anmeldung erforderlich.

Mittwoch, 7. September, 19 Uhr
Filmabend „Wasser marsch!“: Wasser – Der Film (GB 1985, 85 Min., FSK 12) und Durst! (DE 2014, 100 Min.). Eintritt frei.

Freitag, 16. September, 23. September und 30. September, jeweils 19 Uhr
Whisky-Tasting "Das flüssige Gold Schottlands": max. 25 Teilnehmer. 40 Euro pro Person, Anmeldung unter whiskytreff@email.de.

Mittwoch, 19. Oktober, 19 Uhr
Filmabend „Bierlaunen“: Beerland (DE 2012, 85 Min.) und Drinking Buddies (US 2013, 90 Min., FSK 12). Eintritt frei.

Donnerstag, 27. Oktober, 18.30 Uhr
Vortrag "Brunnenbauer und Fassmacher von und mit Benedikt Kuby"

Freitag, 28. Oktober, 15.30 Uhr
Exkursion "Schnaps" zur Brennerei Hegemann, Dauer: ca. 2 Std., max. 20 Teilnehmer. 5 Euro pro Person, Anmeldung erforderlich.

Mittwoch, 9. November, 19 Uhr
Filmabend „Nachti, Nachti, Herr Lehmann“: Herr Lehmann (DE 2003, 109 Min., FSK 12). Eintritt frei.

Freitag, 25. November, 17 Uhr
Kaffeeseminar "Cupping – das Seminar für Kaffeekenner und solche, die es werden wollen" mit Olaf Scherff. 15 Euro pro Person, Anmeldung erforderlich.

Mittwoch, 7. Dezember, 19 Uhr
Filmabend „Schnaps, das war sein letztes Wort“: Nord (NO 2009, 82 Min., FSK 12) und Der Trinker (DE 1995, 99 Min., FSK 16). Eintritt frei.

Freitag, 16. Dezember, 12 Uhr
Exkursion "Wasser" zu den Mineralquellen Hövelmann, Dauer: ca. 4 Std.; 18.30 Uhr Vortrag von Dietmar Osses. 5 Euro pro Person, Anmeldung erforderlich.

Mittwoch, 11. Januar, 19 Uhr
Filmabend „Promilleflucht“: Leaving Las Vegas (US 1995, 107 Min., FSK 16). Eintritt frei.

Donnerstag, 19. Januar, 19 Uhr
Kabarett: Philipp Weber mit dem Programm „Durst- Warten auf Merlot“ im „Henrichs“, mit Unterstützung der Sparkasse Hattingen. 15 Euro pro Person.

Freitag  27. Januar, 17 Uhr
Teeseminar mit Verkostung "Die POTTEERY" in der Bahnhofstraße 2, Hattingen; 18.30 Uhr Vortrag von Theresa Viehoff-Heithorn. Eintritt frei.

Mittwoch, 8. Februar, 19 Uhr
Filmabend „Durst nach Leben“:Atash (OmU, IL 2004, 109 Min., FSK 16). Eintritt frei.

Freitag, 24. Februar, 18.30 Uhr
Vortrag zum Thema Kaffee von Willi Kulke

Mittwoch, 1. März, 19 Uhr
Filmabend „Wie ein guter Wein…“: Bottle Shock (US 2008, 106 Min., FSK 16). Eintritt frei.

Freitag, 3. März, 16-23 Uhr und Samstag, 4. März, 14-22 Uhr
Whisky-Messe „Whisky ’n’ More“: Publikums- und Fachmesse rund um das Thema Whisk(e)y

Freitag, 31. März, 15 Uhr
Exkursion "Bier": Besichtigung der Brauerei Moritz Fiege; 20 Uhr Vortrag von Jorma Wagner. 15,85 Euro pro Person inklusive Verköstigung und ÖPNV, Anmeldung erforderlich.

Mittwoch, 5. April, 19 Uhr
Filmabend „Alien vs. Pubcrawl“: The World’s End (GB 2013, 109 Min., FSK 12). Eintritt frei.

Ostermontag, 17. April, 15 Uhr
Finissage mit „Slam“ rund um‘s Bier