30.10.2015 – 3.4.2016

Streifzug durch das Chemische Labor

Wanderausstellung aus dem Carl Bosch Museum

Die Ausstellung zeigt die Entwicklung des chemischen Labors - von der mittelalterlichen Probierkunst über Praxis- und Forschungslabore bis zum futuristischen Theorielabor der Gegenwart.

Besucher erleben den Wandel von einer durch Alleskönner betriebenen Kunst hin zu einer arbeitsteiligen, durch Großgeräte und Spezialisten geprägten Wissenschaft.

Die Schau folgt diesem Weg über neun Stationen; an einer von ihnen geht es speziell um die Henrichshütte. Dort war Chemie überall: Ein Hochofen verwandelt Erz, Koks und Kalk in Eisen, Gas und Schlacke. Ein Stahlwerk macht aus sprödem Eisen schmiedbaren Stahl. Am Beispiel der Qualitätsprüfung zeigt die Ausstellung die Entwicklung und Differenzierung der Arbeitswelt des Labors. Originalexponate verdeutlichen die Fortschritte der Analysetechnik. Mit ihrer Hilfe konnten auf der Henrichshütte spezielle Stähle mit besonderen Eigenschaften entwickelt werden.

Unser Film zur Ausstellung

Mittelalterliche "Probierkunst"

Der Streifzug durch das chemische Labor beginnt bei der mittelalterlichen „Probierkunst“ der Hüttenleute. Typische Arbeitsmittel waren Tiegel zum Schmelzen der Erze und Metalle, Probierscherben und Kupellen zum Abtrennen der Edelmetalle vom Blei sowie Scheidekolben zum Trennen von Gold und Silber. Auch in der praktischen Kräuterkunst wurden Verfahren ausprobiert. Ziel war, optimale Verfahren zur Gewinnung der in Pflanzen und Tieren enthaltenen medizinisch nutzbaren Stoffe zu entwickeln. Hierzu bediente man sich der Arbeitsmittel, die auch in der handwerklichen Produktion eingesetzt wurden: Phiolen zur Aufbewahrung flüchtiger Stoffe, Brennkolben und Galeerenöfen zur Destillation. Diese mittelalterlichen Produktionsstätten mit ihrer Probierkunst sind die Urzellen des chemischen Labors.

Nachgestellt wird in der Ausstellung auch ein Labor alchemistischer Goldmacher - eine geheimnisumwitterte Alchimistenküche mit offener Feuerstelle, gekennzeichnet durch verrußte Wände und vergitterte Fenster. Diese Station erinnert auch daran, dass Goldmacher oft unter Zwang an fürstlichen Höfen gehalten wurden und ihre Probierküche einem Gefängnis glich.

Mittelalterliche Probierstube

Das moderne Labor

Bis zum 19. Jahrhundert gab es den Beruf des Laboranten nicht. Praktiker des chemischen Gewerbes und Hobbychemiker, oft Mediziner, Theologen oder Juristen, experimentierten in technisch karg ausgerüsteten Arbeitsräumen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse wurden von den aufklärenden Enzyklopädisten aufgenommen und ausführlich publiziert.

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts erhielt das Labor für die industrielle Nutzung eine neue wirtschaftliche Bedeutung. So verwundert es nicht, dass Justus Liebig (1803-1873), „Vater der modernen Chemie“, nicht nur forschender Chemiker, sondern auch Unternehmer war, der Chemiewerke gründete.

Diese wurden im 19.Jahrhundert zu Kumulationspunkten forschender Chemiker. Eine umfangreiche Modellsammlung der Arbeitsmittel erinnert den Besucher an den Einfallsreichtum und das handwerkliche Können jener Zeit.

Heute steht das fast menschenleere Untersuchungslabor für formalisierte Prozessabläufe mit hochentwickelter Labortechnik dem Theorielabor, geprägt durch verstärkten Einsatz von Computern, diametral gegenüber. Ein Videofilm verweist auf die Monotonie der Roboterarbeit und am Computer können Besucher ihre eigenen chemischen Fantasien virtuell entstehen lassen.

Begleitprogramm / Filmabende zur Ausstellung

Beginn immer 19 Uhr

9.12.2015 Clara Immerwahr (DT/AT 2014, 89 Min.)
Erzählt wird die Lebensgeschichte der ersten promovierten deutschen Chemikerin (1870–1915) – und die Geschichte einer unglücklichen Liebe. Nach Umwegen finden Clara und der Chemiker Fritz Haber zusammen. Er will das Ernährungsproblem lösen und arbeitet an der Stickstoff-Fixierung – gleichermaßen Grundlage für Kunstdünger und Sprengstoff ...

6.1.2016 Der verrückte Professor (USA 1963, 103 Min.)      
Der exzentrische, ungeschickte und ziemlich unansehnliche Chemieprofessor Julius Kelp wird weder von seinen Studenten noch von seinen Kollegen ernst genommen ...

6.1.2016 Das Labor des Grauens (GB 1974, 92 Min.) FSK 16         
Der Biologe Dr. Nolter ist am College Pflanzenspezialist und widmet sich Forschungen, bei denen er einigen seiner Studenten Operationen unterzieht, um Kreuzungen der DNA zwischen pflanzlichem und menschlichem Leben zu erzeugen ...

10.2.2016 Chemie und Liebe (DT 1948, 98 Min.)   
Die Ernährung der Menschen ist nach dem Krieg ein unmittelbar drängendes Problem. Der Chemiker Dr. Alland hat eine sensationelle Erfindung gemacht hat: Er kann das pflanzliche Ausgangsmaterial – Gras oder Moos – auf direktem Wege in Butter verwandeln, ohne dabei Kühe zu benötigen ...

10.2.2016 Das blaue Palais, Teil 5 – Der Gigant (DT 1976, 90 Min.)   
Der Chemiker Enrico Polazzo will einen neuen Werkstoff, einen synthetischen Stahl, entwickeln. Um seine Forschungen fortsetzen zu können, lässt er sich von einem multinationalen Konzern engagieren, der jedoch zwielichtige Ziele verfolgt ...

9.03.2016 Medicine Man – Die letzten Tage von Eden (USA 1992, 102 Min.)   
Sechs Jahre lang schon lebt der Wissenschaftler Dr. Robert Campbell (Sean Connery) bei einem Indianerstamm im tropischen Regenwald. Dort hat er eine Pflanze entdeckt, mit deren Extrakt  man krebskranke Menschen heilen kann. Die genaue Formel hat er jedoch verloren.

9.03.2016  The Fountain (USA 2006, 93 Min.)           
In spektakulären Bildern erzählt D. Aronofsky eine epische, sich über tausend Jahre erstreckende Geschichte. Entstanden ist dabei eine ehrgeizige Mischung aus Science Fiction, Historienfilm und Drama.

23.03.2016 Hauptsache die Chemie stimmt (USA 2014, 91 Min.)   
Vorstadt-Apotheker Sam Rockwell lernt durch eine gefährliche Liaison mit Femme Fatale Olivia Wilde so manche Drogen-induzierte Lektion
in Sachen aufregendes Leben.

23.03.2016  The Substance – Albert Hoffmanns LSD (CH 2011, 89 Min.)   
Martin Wirz porträtiert in dieser Dokumentation den Weg der Psychodroge LSD (Lysergsäurediethylamid) von der Entdeckung durch den Chemiker Albert Hofmann bis zu seiner populären Beliebtheit als Partydroge.

So, 3.4. 11 und 15 Uhr
Finissage Ausstellung "Historischer Streifzug durch das chemische Labor" mit dem Kindertheater „Das geheime Labor“ der Umweltbühne Chemnitz. Eintritt frei.