LWL-Industriemuseum

Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur

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Sicherheitsschuhe

beschädigt bei einem Arbeitsunfall, 1980

Leder, Textil, Metall, 22 x 10 x 30 cm
WIM 1999/537.1-2

Der Hüttenfacharbeiter Hans-Peter Freise kann sich noch an alle Einzelheiten seines Arbeitsunfalls am Hochofen 2 der Henrichshütte in Hattingen am 29. September 1980 erinnern:

"Ich hatte einen Unfall, da war ich 17 Jahre. Ich sollte mit einem Kollegen Abdeckhauben an der Roheisenrinne auswechseln. Der Kollege benutzte den Kran, denn die Abdeckhaube war ziemlich schwer. Und da ging plötzlich die Kette ab. Ich wollte zur Seite springen und bin in die Rinne mit dem flüssigen Eisen rein getreten. Vor lauter Schreck hab ich den zweiten Fuß auch noch rein gesetzt. Der Kollege hat sofort den Krankenwagen gerufen. Fünf Hauttransplantationen hab ich gehabt, aber jetzt ist alles wieder in Ordnung. Nur drei Zehen kann ich nicht mehr richtig bewegen."

Gefährliche Arbeit war keine Erfindung der Industriealisierung, aber das Industriezeitalter machte Arbeit noch gefahrvoller. Neue Produktionsverfahren und Maschinen, Arbeit im Akkord und Massenproduktion, Lärm, Hitze und Kälte, Staub und Giftstoffe bedrohten nun die Gesundheit der arbeitenden Menschen.

Zwei Umstände sind Hans-Peter Freise damals zum Verhängnis geworden. Zum einen war er bei der Arbeit am Hochofen noch unerfahren. Die Stelle als Schmelzer war seine erste Beschäftigung nach der bestandenen Prüfung zum Hüttenfacharbeiter. Zum anderen waren seine Sicherheitsschuhe fehlerhaft verarbeitet, denn die Herstellerfirma hatte Kunststofffäden vernäht, die beim Kontakt mit dem heißen Roheisen verschmolzen anstatt sofort aufzugehen. Die Berufsgenossenschaft erstattete daher Anzeige gegen die Herstellerfirma und die Schmelzer an den Hattinger Hochöfen durften fortan keine dreiviertelhohen Schnürschuhe mehr tragen, sondern nur noch Stiefel, aus denen man im Notfall schnell herausschlüpfen konnte.