Postkarte „Achtstundentag“

von der lithographischen Anstalt von Bruno Bürger & Carl Ottillie, Leipzig, um 1900

Papier, Chromolithographie, 14 x 9 cm
WIM 2003/207

Eines der ältesten Ziele der Arbeiterbewegung war die Einführung des Achtstundentages. „Acht Stunden arbeiten, acht Stunden schlafen und acht Stunden Freizeit und Erholung“, diesen Slogan formulierte der Frühsozialist Robert Owen in Großbritannien erstmals 1834. Auf dem Genfer Kongress der Internationalen Arbeiter Assoziation von 1866 wurde unter Mitwirkung von Karl Marx und Friedrich Engels die gesetzliche Einführung des Achtstundentages auch international gefordert und so zu einem allgemeinen Ziel der weltweiten Arbeiterbewegung.

Die Darstellung auf der Bildseite der Postkarte zeigt eine graphische Umsetzung dieser Forderung nach der Einführung des Achtstundentags. In die beiden Rundungen einer großen, fast die gesamte Höhe der Postkarte füllende Acht sind zwei szenische Darstellungen eingefügt: Oben spricht von einem Podium aus ein Redner auf einer Versammlung der Arbeiterbewegung zu einer großen Menschenmenge. „Willkommen! Männer der Arbeit“ ist die Szene überschrieben. Unten sieht man einen großen Zug von Frauen, Männern und Kindern im Grünen oder in einer Parklandschaft. Die Szene erinnert an typische Darstellungen eines Zuges zur Maifeier oder Maikundgebung.


Die Postkarte ist um 1900 im sogenannten „Goldenen Zeitalter der Ansichtskarten“ hergestellt worden. Das Versenden und das Sammeln von Bildpostkarten war vor allem in den Jahren zwischen 1896 und 1918 sehr populär. Sie wurden als Massenmedium in großen Auflagen gedruckt und verkauft. Ihre Verbreitung erreichte ein großes Publikum und garantierte eine enorme Werbewirksamkeit. Die Bildseite der Karte ist als qualitätsvolle Chromolithographie, einem damals modernen Druckverfahren ausgeführt, die Adressatenseite ist, wie bei allen Post- und Ansichtskarten bis 1905 üblich, noch ungeteilt. Die Textnachricht des Senders musste auf der nicht vollkommen bedruckten Bildseite der Karte Platz finden. Die Postkarte aus der Sammlung des Museums ist jedoch unbeschrieben und postalisch nicht gelaufen.