LWL-Industriemuseum

Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur

Menu

„Arbeitslos. Singen für Brot“

von Carl Meffert, um 1927/29

Öl auf Leinwand, 101 x 70 cm
WIM 2014/245

Das Gemälde zeigt eine junge Arbeiterfamilie mit Eltern, einer Tochter und einem Säugling, den die Mutter auf dem Arm trägt. Alle sind einfach gekleidet, teilweise ist die Kleidung geflickt. Die Familie ist eng zusammengerückt und scheint sich gegenseitig zu schützen. Sie steht auf einer schmalen Brücke und vor einfachen Wohngebäuden, die im Hintergrund von mächtigen rauchenden Schloten überragt werden. Der Vater spielt ein Bandoneon, Mutter und Tochter singen. Interessierte Zuhörer sind nicht zu sehen. Die Blicke der Eltern gehen an uns Betrachtern vorbei, der Blick der Tochter jedoch ist direkt auf uns gerichtet. Sie schaut uns mit weit geöffneten Augen an, in ihrem Gesichtsausdruck liegt etwas Verzweifeltes. Wir werden zu den beobachtenden Zuhörern und können uns die Frage stellen, wie wird es dieser jungen Familie weiter ergehen, die in dieser Industriestadt keine Arbeit hat und ihren Lebensunterhalt nicht sichern kann.

In dem Gemälde setzt sich der Maler und Grafiker Carl Meffert (1903–1988; ab 1935 Künstlername Clément Moreau) in einer expressiv-realistischen Bildsprache eindrücklich mit dem Thema Arbeitslosigkeit und deren dramatischen Folgen für junge Arbeiterfamilien am Ende der 1920er Jahre auseinander. Es ist ein Thema, mit dem sich auch andere Künstlerkollegen, wie etwa Hans Balluschek (1879–1935), immer wieder beschäftigten, um auf die sozialen Verhältnisse aufmerksam zu machen.


Meffert selbst hat sich nach schwieriger Kindheit und Jugend als uneheliches Kind und dem frühen Tod der Mutter schon früh für soziale Themen in der Kunst interessiert. Dieses Interesse wurde durch die Künstlerin Käthe Kollwitz (1867–1945) noch gefördert, bei der er als Meisterschüler an der Berliner Akademie der Künste von 1926 bis 1930 studierte. In dieser Zeit entstand auch das Gemälde "Arbeitslos. Singen für Brot". In der Industriebilder-Sammlung des Museums gehört das Gemälde zu jenen Werken, die die Menschen, ihre Arbeit und Lebensbedingungen in den Mittelpunkt der Darstellung rücken und sie nicht nur als nebensächliche Staffage einer imposanten Industrieansicht wiedergeben.