LWL-Industriemuseum

Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur

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Computer mit Bildschirm, Diskettenlaufwerken und Tastatur

von der EGS-Entwicklungsgesellschaft für rechnergesteuerte Systeme mbH, Erkrath, um 1980

Kunststoff, Glas, Metall, 34 x 64 x 47 cm (Recheneinheit) 5 x 50 x 19 cm (Tastatur)
WIM 2001/157.1-2


Zechenschließungen, Hüttenkampf ... bei vielen Menschen entstehen bei diesen Schlagworten immer noch sofort Bilder im Kopf: Massenproteste von Tausenden Bergleuten und Stahlarbeitern, die für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze kämpften. Den Ruhrbergbau erfasste bereits Ende der 1950er Jahre eine erste Welle von Zechenstilllegungen. Rund fünfzehn Jahre später geriet die Stahlindustrie in die Krise. Die Proteste konnten die Stilllegungen jedoch nicht verhindern, lediglich verzögern. Auch andere Industriezweige, wie die deutsche Textil- und Ziegelei-Industrie, kämpften in den letzten vier Jahrzehnten ums Überleben. Ihr Niedergang verlief allerdings stiller. Die immer weiterführende Automatisierung, die Verlagerung der Produktion ins Ausland und nicht zuletzt die ausländische Konkurrenz selbst führten zu Kurzarbeit, Entlassungen und Konkurs der Betriebe. Die Arbeitslosigkeit stieg rasant, und die Betroffenen begannen abzuwandern.

Politik und Wirtschaft begegneten den wirtschaftlichen und sozialen Problemen mit verschiedenen Initiativen und Projekten: Sie setzten einerseits auf Subventionierung alter Wirtschaftszweige, wie der Kohle, andererseits auf Modernisierung und Zukunftsinvestitionen. Mit der Gründung von Universitäten sollte mehr Bildung ins Arbeiterrevier gebracht werden. Die Anhebung des allgemeinen Qualifikationsniveaus war wichtig für die wirtschaftliche Fortentwicklung. Die Ruhr-Universität Bochum nahm 1965 als erste Universität des Ruhrgebiets den Lehrbetrieb auf. Es folgten die Universitäten in Dortmund, Essen, Duisburg, Hagen und Witten. Das Ruhrgebiet entwickelte sich zu der Region mit der dichtesten Hochschullandschaft. Der Computer „EGS 80-Terminal“ aus der Universitätsbibliothek Bochum steht für den frühen Standard der EDV-gestützten Erfassung des Bibliotheksbestandes um 1980. Die Bochumer Universitätsbibliothek war damals eine der am besten ausgestatteten in Deutschland. Der Strukturwandel brachte aber nicht nur Neues. Der Abriss von Industrieanlagen und Siedlungen war eng mit der Vernichtung gewachsener sozialer Strukturen verbunden. Die Bevölkerung verlor mehr als Arbeitsplätze und Wohnraum, auch ein Stück ihrer Geschichte und Identität.