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Stoffe, Wäsche, Konfektion
Die Grundlage für die Entstehung einer weltweit bedeutenden Textil- und Konfektionsindustrie in Ostwestfalen-Lippe bildete das in der Region seit dem 16. Jahrhundert betriebene Leinengewerbe. Der hier unter günstigen naturräumlichen Bedingungen angebaute Flachs wurde im Hausgewerbe zu Leinengarnen und Leinengeweben verarbeitet, die von Leinenhändlern aus den Städten auch überregional vertrieben wurden. Im frühen 19. Jahrhundert geriet die heimische Produktion durch kostengünstig maschinell gefertigte Ware aus Irland und England in die Krise. Auf Grund des Preisverfalls erwirtschafteten vor allem die Spinner kaum noch einen ausreichenden Lebensunterhalt.
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 Spinnerei Vorwärts in Bielefeld |  |
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Die nun auch in der Region einsetzende industrielle Herstellung von Garnen und Stoffen führte die Produktion in den neu gegründeten Textilfabriken zusammen. Für den Transport der notwendigen Maschinen und der fertigen Waren war die Anbindung an die Verkehrswege von großer Bedeutung. So entstand die erste Spinnfabrik in Bielefeld auf einem Gelände entlang der neuen Köln-Mindener Eisenbahn zwischen den Ortsteilen Gadderbaum und Brackwede. Die Brüder Carl und Gustav Bozi errichteten mit staatlichen Zuschüssen für den Erwerb von Maschinen dort die "Spinnerei Vorwärts" und begannen 1851 mit der Produktion von Leinengarn. Das Unternehmen hatte
zunächst mit dem Widerstand nicht nur der Handspinner, sondern auch der örtlichen Leinenkaufleute zu kämpfen. Doch letztere erkannten bald, dass die Mechanisierung nicht aufzuhalten war. Vielfach waren es daher die angesehenen Leinenhändlerfamilien, die neue Textilfabriken gründeten. So finanzierten namhafte Bielefelder Leinenkaufleute auch die Ravensberger Spinnerei, die 1856 in Bielefeld den Betrieb aufnahm. Die zeitweilig größte Flachsgarnspinnerei auf dem Kontinent besaß bereits mit anfänglich 20 000 Spindeln eine enorme Produktionskapazität. In der Folgezeit entstanden in Bielefeld, aber auch in anderen Städten der Region, zudem mechanische, durch Dampfkraft getriebene Webereien, die das Garn direkt vor Ort verarbeiteten. Die Arbeiterschaft dieser Fabriken rekrutierte sich aus den ehemaligen Handspinnerinnen und -webern der Umgebung. Zunehmend wurden aber auch Arbeiterinnen aus anderen Regionen wie Schlesien und dem Ruhrgebiet angeworben. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden vor allem in Bielefeld, Herford und Gütersloh Plüsch- und Seidenwebereien. Bereits bestehende Unternehmen spezialisierten sich auf die Damast-, Drell- und Tischzeugherstellung. Die Baumwollweberei war in Gütersloh mit sechs Betrieben vertreten u. a. mit der 1887 gegründeten und bis heute produzierenden Band- und Gurtweberei Güth & Wolf sowie von 1825 bis 1998 mit der angesehenen Frottierweberei Vossen. Während so in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in vielen Teilen Ostwestfalens eine florierende Textilindustrie aufgebaut wurde, kam die Leinenherstellung im Fürstentum Lippe fast vollständig zum Erliegen. Lediglich in Oerlinghausen entstand mit der Weberei von Carl Weber & Co. (CEWECO) ein großer Textilbetrieb mit bis zu 1 500 Beschäftigten.
Die von den Fabriken hergestellten Stoffe wurden zunehmend auch in der Region verarbeitet. Der Import der Nähmaschine Ende der 1850er Jahre war Voraussetzung für ein entwickeltes Heimgewerbe, in dem Frauen Weißwäsche herstellten. 1873 arbeiteten allein in Bielefeld 3 000 Wäschenäherinnen. Neben dem Heimgewerbe etablierten sich am Ende des 19. Jahrhunderts aber auch zunehmend Wäschefabriken, die Haushalts- und Bettwäsche fertigten. Wiederum vor allem in Bielefeld, Herford und Gütersloh entstanden schließlich auch Konfektionsfabriken, die u. a. Hemden, Weiß- und Bettwäsche herstellten. In Herford siedelten sich die ersten Unternehmen nordöstlich des Bahnhofes am so genannten "Bügel" an. Zu ihnen gehörten die Unternehmen Ruben (1884) und Elsbach (1887).
Zwar ging zwischen 1960 und 1980 die Anzahl der Textil- und Konfektionsunternehmen in Ostwestfalen stark zurück. Doch auch noch heute sind zahlreiche Firmen von weltweitem Ruf hier angesiedelt.
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