| In die weite Welt hinein ... Die Eröffnung der Köln-Mindener Eisenbahn im Jahr 1847 hatte für die industrielle Entwicklung der Region Ostwestfalen zentrale Bedeutung. Kaum weniger relevant für die Erschließung des ländlichen Raums entlang des Teutoburger Waldes, des Weserberglands und des Eggegebirges waren aber auch die zahlreichen Neben- und Privatbahnen, die im Laufe des 19. Jahrhunderts gebaut wurden.
Die repräsentativen Bahnhöfe, die nicht nur in größeren Städten wie Minden und Bielefeld, sondern auch in Rheda und Rietberg errichtet wurden, prägen noch heute ebenso die Bahnlandschaft wie Lokschuppen, Stellwerke, Güterschuppen und inzwischen stillgelegte Bahngleise. Ein weitgehend erhaltener, wenn auch mittlerweile baufälliger Ringlokschuppen als Rest eines großen Bahnbetriebwerks ist an der Strecke nach Minden östlich des Bahnhofs Bielefeld zu sehen. Ab 1850 setzte sich besonders für die großen, repräsentativen Bahnhöfe in Westfalen der so genannte romantische Baustil durch, der nach dem Vorbild mittelalterlicher Burgen Türmchen und Zinnen als Zierelemente verwendete. Zu den wenigen, in diesem Stil erhaltenen Bahnhöfen zählt der Bahnhof Minden. Im Umkreis solcher Bahnhöfe wie Bielefeld, Herford oder Minden entstanden charakteristische Industrieviertel, wo sich Firmen mit hohem Rohstoffbedarf möglichst mit eigenen Gleisanschlüssen ansiedelten. Hier trafen die vielfältigen Funktionen des Bahnhofsgebäudes mit infrastrukturellen Industrieanlagen zusammen, wie dies bei dem Gaswerk und dem Miele-Wasserturm in Gütersloh der Fall ist. Der wachsende Bahnverkehr strukturierte nicht nur die Stadträume neu, sondern beeinflusste auch den ländlichen Raum. Beeindruckende Beispiele für die Landschaftsgestaltung durch die Eisenbahnlinien sind zwei Viadukte über das Dunetal und das Beketal, die 1851 und 1853 an der Strecke Paderborn-Altenbeken errichtet wurden. Diese Verbindung zwischen dem Ruhrgebiet und Kassel erschloss nicht nur die ländliche Region, sondern schuf auch die Voraussetzung für neue industrielle Arbeitsplätze am Eisenbahnknotenpunkt in Altenbeken und im Bahnausbesserungswerk in Paderborn. Wichtig für den Überlandtransport waren neben der Eisenbahn im 19. Jahrhundert vor allem die Wasserwege. Der Transport auf der Weser, der bereits in der Frühen Neuzeit die Region mit dem Handelszentrum Bremen verband, nahm im 19. Jahrhundert stetig zu. Während in der ersten Hälfte des Jahrhunderts noch Pferde die so genannten Weserböcke zogen, die bis zu 100 Tonnen Last fassten, setzten sich in der zweiten Hälfte dampfmaschinengetriebene Schlepper durch. Ab etwa 1920 fuhren immer mehr Schiffe mit Dieselmotoren. Als zentrales Bauwerk des Wasserverkehrs vermittelt die Schachtschleuse in Minden einen Einblick in die aufwändige Ingenieurskunst, die die Verbindung mehrerer Wasserstraßen erforderte. Der zwischen 1906 und 1938 erbaute Mittellandkanal, der in Minden die Weser kreuzt, ist ein zentraler Wasserverkehrsweg, der die Region durchzieht. Auf die Geschichte der individuellen Mobilität verweisen in der Region mehrere Museen (Anschriften S. 140 f.). |