II. Westfälischer Kulturlandschaftskonvent

Tagung auf Burg Vischering am 18. November 2014


Diskussion zu Handlungsfeldern

„Nicht­sichtbares Kulturgut“, „Länd­liche Nutzungs- und Land­schaftsstrukturen“ sowie das „Bauen auf dem Land“, diese Themen standen am Dienstag (18.11.) im Mittelpunkt des „II. Westfälischen Kulturland­schafts­konvent“ auf der Burg Vischering in Lüdinghausen (Kreis Coesfeld). Auf Einladung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) sowie des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes  und der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen als Kooperationspartner haben rund 90 Denkmalpfleger, Landschaftsplaner und Landwirte diskutiert, wie die Landwirtschaft einen Beitrag dazu leisten kann, die historische Kulturlandschaft zu erhalten und gleichzeitig zukunftsfähig zu arbeiten.


Bewegrund für eine erhaltende Kulturlandschaftsentwicklung

Landeskonservator Dr. Markus Harzenetter erklärte, dass die westfälische Kultur­land­schaft mit ihren unterschiedlichen Ausprägungen entstanden ist, indem viele Generationen das Land be­siedelt und genutzt haben: „Die Kulturlandschaft ist in einem dicht besiedelten Raum wie Nord­rhein-Westfalen das umfassendste Archiv der menschlichen Siedlungs- und Land­nutzungs­geschichte, sie ist das Langzeitgedächtnis der Gesellschaft. Damit bildet sie die Grund­lage der regionalen Identität.“ Die Kulturlandschaft stifte „Heimat", da sie Rückschlüsse zulasse auf das frühere Verhältnis zwischen Mensch und Natur und sie Ausdruck gebe vom Lebensstil unserer Vorfahren, ihren Bedürfnissen und Lebensgewohnheiten, so Harzenetter weiter. Dr. Christoph Grünewald , stellvertretender Leiter der LWL-Archäologie in Westfalen ergänzte: „Auch unsere Bodendenkmäler sind dabei wichtige Merkmale, die es zu schützen gilt. Der Mensch hat seit Beginn seiner Anwesenheit im Münsterland die Landschaft verändert und gestaltet ‎ und hat dabei archäologische Spuren hinterlassen, die heute Bestandteil der Kulturlandschaft sind. “


„Uns geht es um den bewussten Umgang mit der vom Menschen gestalteten Umwelt. Denn von ihrer Qualität hängen Entscheidungen ab, wie: Wo möchte wir leben? Wo möchten wir arbeiten? Wo siedeln wir unser Unternehmen an? Wo möchten wir hin reisen?“, sagte LWL-Kultur­dezernentin Dr. Rüschoff-Thale. „Der dynamische Wandel ist zwar ein Wesensmerkmal unserer Kulturlandschaft, aber wir sehen es als kulturelle Verpflichtung an, dass die regionalen Eigenarten der Kulturlandschaften mit ihren wertgebenden Merkmalen für nachfolgende Generationen erhalten, verantwortungs­voll gestaltet und weiterentwickelt werden. Mit seiner Kulturarbeit möchte der LWL die Menschen in Westfalen-Lippe für die Werte ihres kulturellen Erbes sensibilisieren“, so die LWL-Kulturdezernentin weiter.


Anlass über die Schnittstelle Historische Kulturlandschaft und Landwirtschaft nachzudenken

Rund ein Drittel der knapp 18 Millionen Einwohner Nordrhein-Westfalens leben auf dem Land. Doch der ländliche Raum in NRW steht unter einem zunehmenden Veränderungsdruck. In manchen Regionen ist bereits heute die infrastrukturelle Versorgung gefährdet.

Aus beruflichen Gründen verlassen gerade junge Menschen die dünn besiedelten Regionen. Infolge dessen stehen viele Gebäude in historischen Dorfkernen leer. Wenn neu gebaut wird, dann überwiegend am Ortsrand. Auf vielen Höfen fehlen Hofnachfolger oder ist aus anderen Gründen ein Weiterführung des Betriebs nicht möglich, so dass es zur Aufgabe von Höfen oder aber Leerständen von Produktionsanlagen kommt. Neue Formen der Tierhaltung verändern die Bauernhöfe. Windenergie-, Solar- und Biogasanlagen oder Betriebskooperationen wandeln das Bild der gewachsenen Kulturlandschaft. Die Konventsmitglieder und die Vertreter der Landwirtschaft diskutierten deshalb unter anderem über Themen wie das Bauen und Weiterbauen im ländlichen Raum.


Start einer Kooperation

„Ich freue mich sehr über die Kooperation mit der Landwirtschaft. Mit dem Westfälischen Kulturlandschaftskonvent bestreiten wir einen innovativen Weg, der langfristig angelegt ist und die Verständigung auf gemeinsame Positionen zum Ziel hat“, sagte Rüschoff-Thale. Hier könne eine neue Verantwortungskultur umgesetzt werden, es gehe um Partnerschaft auf Augenhöhe, so Rüschoff-Thale weiter. Wilhelm Brüggemeier, Vizepräsident des Westfälisch-Lippischen Land­wirtschaftsverbandes, und Dr. Martin Berges, Direktor der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, erklärten  ihre Beweggründe für die Zusammenarbeit: „Eine zukunftsfähige Region liegt allen hier Beteiligten am Herzen. Doch ohne gegenseitige Information und den Aus­tausch über die jeweiligen Aufgaben und Herausforderungen ist gemeinsames Handeln nicht möglich. Daher begrüßen wir, dass der Konvent eine Plattform bietet, um die Partner für die gegenseitigen Belange zu sensibilisieren.“

Dr. Harzenetter berichtete zum Abschluss: “Wir werden zunächst die Diskussionen auswerten, um dann in einer kleinen Arbeitsgruppe, die aus je 2 Vertretern unserer Kooperationspartner  besteht, weitere Formen der Zusammenarbeit diskutiert.“


Bilder vom II. Westfälischen Kulturlandschaftskonvent

Fotos: LWL/Schmidt/Bonnermann