Rheinisch-Westfälischer Staatspreis für Denkmalpflege

Telgter Johanneskirche ausgezeichnet

Die ehemalige St. Johanneskirche in Telgte ist mit dem 7.000 Euro dotierten Rheinisch-Westfälischen Staatspreis für Denkmalpflege ausgezeichnet worden. Die Katholische Kirchengemeinde St. Marien hatte sich im Frühjahr 2017 mit der ehemaligen Pfarrkirche um die vom Land NRW gestiftete Auszeichnung für vorbildlich instand gesetzte Denkmäler beworben. Verschiedene Denkmaleigentümer, Initiativen und Vereine hatten sich für den Preis beworben, deren Baudenkmäler von einer fachkundigen Jury geprüft wurden. Die Denkmalexperten haben zunächst eine engere Auswahl von Objekten ermittelt, welche vor Ort besichtigt wurden. Nach der Bereisung hat die Jury entschieden neben dem dotierten Preis auch fünf undotierte Anerkennungen zu vergeben.  Am 25. Februar 2018 haben das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen und der Landtag NRW zusammen mit Jury-Sprecher Albert Simons von Bockum-Dolffs den Preis im feierlichen Rahmen im Erbdrostenhof in Münster verliehen.

Die Katholische Kirchengemeinde St. Marien, vertreten durch Probst Dr. Michael Langenfeld, ist mit dem Denkmalpreis ausgezeichnet worden. Mit ihm freuen sich: LWL-Direktor Matthias Löb, Landtagspräsident André Kuper, Staatssekretär Dr. Jan Heinisch, Bürgermeister Wolfgang Pieper, Michael Gerding vom Bischöflichen Generalvikariat, das Architekturbüro Feja + Kemper, Ludger Tidde und die Vertreter der Jury. Foto: LWL/Bodi

Bürgerinitiative und Planungskultur

Die in den 1960er Jahren erbaute Pfarrkirche sollte zunächst abgerissen werden. Ein innerhalb der Gemeinde entstandener Initiativkreis kämpfte jedoch für den Erhalt des Gebäudes. Politische, kirchliche und fachliche Gremien fanden in konstruktiver Zusammenarbeit zu einer denkmalgerechten Lösung: die Umnutzung der Kirche zum Gemeindezentrum mit Erweiterungsflächen für den benachbarten Kindergarten. Ein Architekturwettbewerb brachte das Konzept für einen funktionalen und ästhetischen Innenraumeinbau hervor. Die Jury sieht die Kirche als vorbildliches Beispiel für die Lösung der aktuellen Problematik der Nachnutzung von profanisierten Kirchen an, die in Telgte durch eine innovative Planungskultur gelöst wurde. Dass das Kirchengebäude weiterhin als Begegnungsraum der Gemeinde fungiert, wurde ebenfalls sehr positiv hervorgehoben.

Die ehemalige St. Johanneskirche nach der Umnutzung zum Gemeindezentrum. Fotos: LWL/Brockmann-Peschel


Engagement auch in Bielefeld, Lage-Heiden, Lüdinghausen, Paderborn-Marienloh und Werl

In Bielefeld haben der Einsatz und die innovative öffentliche Nutzung der Naturfreunde Bielefeld e.V. zur langfristigen Erhaltung der ehemaligen Leibzucht des Gräftenhofs Meyer zu Heepen geführt. Dies würdigt das Fachkomitee mit einer besonderen Anerkennung.

Die ehemalige Kantorschule neben der gotischen Kirche in Lage-Heiden (Kreis Lippe) hat die neue Eigentümerfamilie in Eigenleistung umfassend saniert und zu Wohnzwecken umgebaut. Für diesen beispielhaften Umgang mit ihrem Baudenkmal erhalten die Eigentümer ebenfalls eine Anerkennung.

Mit hohem ideellen Einsatz haben die Eigentümer den Hof Grube in Lüdinghausen (Kreis Coesfeld) als ältestes freistehendes Hofensemble in Westfalen vor dem Abriss gerettet, gründlich erforscht und instandgesetzt. Dieses Engagement würdigten die Juroren mit einer Anerkennung.

Eine weitere Anerkennung ging an die neuen Eigentümer des letzten erhaltenen Heuerlingshauses in Paderborn-Marienloh (Kreis Paderborn). Sie haben das kleine Denkmalensemble behutsam restauriert, um einen rückseitigem Anbau erweitert und so nach langem Leerstand wieder bewohnbar gemacht.

In Werl (Kreis Soest) hat sich der neue fachkundige Eigentümer verdient gemacht, indem er sein Fachwerkhaus mit rückwertigem Wirtschaftshaus denkmalpflegerisch und handwerklich vorbildlich saniert hat, so das Urteil der Jury.

Die Anerkennungspreisträger. Fotos: oben rechts und Mitte links Torsten Schmidt; alle anderen LWL/Brockmann-Peschel.


Hintergrund

Der Rheinisch-Westfälische Staatspreis für Denkmalpflege wird jedes Jahr im Wechsel im Rheinland und in Westfalen ausgelobt. Die LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und  Baukultur in Westfalen organisiert den Preis in Kooperation mit dem Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen. Neben Albert Simons von Bockum-Dolffs, dem Sprecher der Jury, gehören auch LWL-Chefdenkmalpfleger Dr. Holger-Mertens und Ulrich Burmeister vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung  zur Auswahlkommission. Hinzu kommen Vertreter der Gruppe der privaten Denkmaleigentümer, der Kirchen, der Unteren Denkmalbehörden, des Westfälischen Heimatbundes und von Hochschulen.