Neues Monitoring-Verfahren

Zwei Restauratorinnen der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen untersuchen das Antwerpener Retabel in der Nicolaikirche in Bielefeld

Soviel wie nötig, aber so wenig wie möglich - in diesem Sinne wurde kürzlich wieder das bedeutende Bielefelder Retabel in der Nicolaikirche (1524) von den Amtsrestauratorinnen Dipl. Rest. Anke Dreyer und Stephanie Keinert (M.A.) auf seinen Erhaltungszustand untersucht.


Streiflichtaufnahme einer bemalten Tafel (Ausschnitt). Erst bei der seitlichen Beleuchtung fallen die Unebenheiten in Form von Blasen in der Malschicht auf. Foto: LWL/Dreyer

Anhand des großen Schnitzaltares, der aufgrund seiner weitestgehend ursprünglich erhaltenen Tafelmalereien und der Figurenfassung von 1524 über die Grenzen Westfalens hinaus bekannt ist, wird derzeit exemplarisch ein Monitoring-Verfahren entwickelt, das der Zustandsüberprüfung dient.
Die Restauratorinnen durchdenken verschiedene Möglichkeiten, wie sich die vorhandenen Schadensbilder am nachhaltigsten dokumentieren und abzulichten lassen, so dass zu einem späteren Zeitpunkt bzw. beim nachfolgenden Monitoring schnell und effektiv Vergleiche gezogen werden können.
Nachdem das Bielefelder Retabel 2007 von freiberuflichen Kollegen umfangreich hinsichtlich seiner Technologie und Ikonographie untersucht und Festigungsmaßnahmen an der Malerei der Flügel und der Fassung der geschnitzten Figuren vorgenommen worden waren, finden nun in regelmäßigen Intervallen sogenannte Wartungsmaßnahmen durch die Amtsrestauratorinnen statt. Diese suchen jährlich etwa zweimal – ausgerüstet mit Stirnlupe, Taschenlampe und Kamera – die Oberfläche auf mögliche neue Lockerungen der Farbschichten oder andere neue Schadensbilder ab, um im Ernstfall möglichst schnell und minimal eingreifen zu können. Zurück im Amt, werden die abgelichteten Schadensbilder am Monitor ausgewertet, mit Altaufnahmen verglichen und die Ergebnisse schriftlich festgehalten.


Das Bielefelder Retabel von 1524 im geöffneten Zustand (Festtagsseite). Foto: LWL/Brockmann-Peschel

Auf den ersten Blick erscheint ein solches Monitoring des Erhaltungszustandes als eine unverhältnismäßig häufig durchzuführende „passive Maßnahme“. Ist der Schaden am Kunstwerk jedoch erst einmal vorhanden oder gar groß, weil die Entstehung und Entwicklung dessen nicht regelmäßig begutachtet wurde und nicht rechtzeitig Gegenmaßnahmen eingeleitet wurden, sind umfangreichere Konservierungsarbeiten häufig nicht mehr abzuwenden. Letztere sind bei größeren Altären oft mit dem Stellen eines Gerüstes verbunden, womit die Kosten für den Eigentümer weiter in die Höhe schnellen.
Den Amtsrestauratorinnen des Fachamtes ist es möglich, das Monitoring-Verfahren für das Bielefelder Retabel so zu optimieren, dass dies mittelfristig vom Objekteigentümer getragen werden kann. Die Durchführung des Monitorings nach Vorgabe der LWL-Denkmalpflege sollen dann in der Zukunft freiberuflich tätige und qualifizierte Restauratoren/Restauratorinnen übernehmen.
Das hier entwickelte Verfahren ist  auch beispielgebend für weitere Objekte, die einer regelmäßigen Zustandsüberprüfung bedürfen.

Weiterführende Informationen zu dem bedeutenden Antwerpener Schnitzaltar von 1524 in der Bielefelder Nicolaikirche sind unter www.antwerpener-schnitzaltar.de zu finden.

Stephanie Keinert (M.A.)