Denkmal des Monats


Schloss Senden

Gesamtinstandsetzung geht in die erste Runde

Lange Zeit bot das südwestlich von Münster an der Stever gelegene Schloss Senden ein Bild der Verwahrlosung, das nicht nur Fachleuten die Dringlichkeit von Instandsetzungsmaßnahmen vor Augen führte. Seit der Übernahme des denkmalgeschützten Ensembles durch zwei engagierte ortsansässige Familien und die Gründung des Trägervereins Schloss Senden e. V. im Jahr 2015 haben sich die Vorzeichen für dessen Zukunft wesentlich geändert. Nach mehr als zwei Jahren intensiver Vorbereitung stehen nun die ersten Schritte in Richtung einer nachhaltigen Instandsetzung und Revitalisierung unmittelbar bevor.

Schloss Senden, Kreis Coesfeld, Blick auf das Herrenhaus und den Rombergtrakt im Vordergrund. Foto: LWL/Dülberg 2017.

Die Entwicklungsgeschichte der Anlage ist eng mit der Geschichte der steverabwärts gelegenen Burgen Kakesbeck und Vischering verknüpft. Vermutlich wird es sich bei Schloss Senden zunächst um eine für das Münsterland typische Wasserburg mit Herrenhaus und Wirtschaftsgebäuden auf zwei getrennten Inseln gehandelt haben. Spätestens im 17. Jahrhundert wurde die große zusammenhängende Insel, die heutige Hauptburg, geschaffen.
Die überlieferten Gebäude der Anlage weisen eine große Heterogenität auf: Das Herrenhaus und die Rentei wurden im regionaltypischen Stil spätmittelalterlicher herrschaftlicher Steingebäude errichtet. Das große Wirtschaftsgebäude, das sogenannte Bauhaus, gibt sich zum Hof hin als klassischer Fachwerkbau zu erkennen.


Schloss Senden, Mannenhaus (Ostfassade), Zustand 2017. Foto: LWL/Dülberg.

Das sogenannte Mannenhaus ist zusammen mit der Gruftkapelle am Ausgangspunkt der Zufahrtsallee das einzige realisierte Gebäude eines barocken Idealplans. Der prägnante Mittelbau – im Kern ein Gebäude des 17. Jahrhunderts – verfügt über eine Fassade in Formen des Spätklassizismus, während der sogenannte Rombergtrakt mit seinen Türmen in einem für das ausgehende 19. Jahrhundert typischen, historistischen Stil errichtet wurde. Auf diese Weise entstand über die Jahrhunderte eine bauliche Vielfalt, die das Schloss Senden zu einem bemerkenswerten Dokument für die Entwicklungsgeschichte gräftenumwehrter Burganlagen macht.
Dank der regionalgeschichtlichen Bedeutung der Anlage konnten für die bevorstehenden Instandsetzungsmaßnahmen Förderzusagen der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Gemeinde Senden erreicht werden.


Schloss Senden, Mittelbau (Remise) während der Aufräumarbeiten 2016. Foto: LWL/Keinert.

Der erste und zweite Bauabschnitt der Gesamtinstandsetzung gehen nun in die Umsetzungsphase. In Kürze werden Gerüste aufgebaut und mit teils schwerem Gerät Sicherungsmaßnahmen begonnen. Am Rombergtrakt und am Mannenhaus (auch Leutehaus genannt) werden Dächer neu eingedeckt, gravierende Schäden an der Holzkonstruktion repariert und eine aufwendige Nachfundamentierung durchgeführt.
Die Konzepte für die einzelnen Maßnahmen wurden unter Beteiligung verschiedener Planungsbüros und Fachgutachter und in Abstimmung mit der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen entwickelt. Zu den wichtigen vorbereitenden Maßnahmen zählen auch die Einsätze der Jugendbauhütte Soest, deren Freiwillige in zahlreichen Workshops unter anderem große Teile der Schlossgebäude von neuzeitlichem Mobiliar und Unrat befreit haben.


Schloss Senden, Saal im Alten Herrenhaus nach der Ausräumung. Foto: LWL/Strugalla 2016.

In den nächsten Schritten sollen weitere grundlegende Instandsetzungsarbeiten durchgeführt werden. Gleichzeitig wird das Denkmal durch begleitende Untersuchungen der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen (LWL-DLBW) und der LWL-Archäologie für Westfalen weiter erforscht. Der Sachbereich Bauforschung unterstützt die Instandsetzungsbemühungen durch baugeschichtliche Untersuchungen. So wurden schon Teilaufmaße erstellt, dendrochronologische Untersuchungen durchgeführt und die anlaufenden Dokumentationen beraten. Hierbei gelang es, alle acht Bauten auf der Herrenhausinsel erstmals zu datieren, die Bebauung seit der Mitte des 16. Jahrhunderts konkret nachzuvollziehen und in die Besitz- und Familiengeschichte der Freiherren Droste zu Senden einzuordnen.
Im Rahmen des von der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur initiierten ersten westfälischen Parkpflegeseminars konnten unter Einbezug der Öffentlichkeit große Schritte in Richtung einer Instandsetzung der denkmalgeschützten Freianlagen umgesetzt werden. Die nachhaltige Instandsetzung und Revitalisierung des umfangreichen Gebäudebestandes werden voraussichtlich ebenfalls einige Zeit in Anspruch nehmen. Um zur Erfolgsgeschichte zu werden, benötigt das Projekt ganz sicher die anhaltende Unterstützung aus Politik und Bevölkerung. Bereits jetzt zeichnet sich jedoch ab, dass das Projekt anderen Denkmaleigentümern und solchen, die es werden wollen, als Inspirationsquelle dienen kann.

Philipp Strugalla