Denkmal des Monats


Die Rochuskapelle

in Brilon

Imposante Kirchen und eine Vielzahl von Kapellen prägen das Bild des Sauerlandes. Zu diesen baulichen Zeugen gehört auch die am Ortsrand von Brilon gelegene Rochuskapelle, deren Restaurierung in diesen Tagen abgeschlossen wird.


Die Rochuskapelle in Brilon. Foto: LWL/Heine-Hippler.

Die aus dem 17. Jahrhundert stammende Kapelle ist dem Heiligen Rochus geweiht, dem Schutzheiligen der Pestkranken. In Zeiten der großen mittelalterlichen Pestepidemien im 14. Jahrhundert genoss dieser Heilige, aus Montpellier insbesondere in Südfrankreich große Verehrung im Volk. 1485 wurde ein Großteil seiner Gebeine nach Venedig übertragen, in der Folge entstanden überall in Europa Kapellen und Kirchen, die das Patrozinium des Heiligen Rochus tragen. Seit 1666 gibt es die Wallfahrt auf den Rochus-Berg bei Bingen, über die schon Johann Wolfgang Goethe berichtete.
Die Rochuskapelle in Brilon, wurde 1676 erbaut und liegt am Weg zum Borberg (Rochusweg 14).
Der schlichte Rechtecksaal aus verputzten Bruchsteinen war in den letzten sechs Jahren eine Baustelle. Nach einem großen Feuchtigkeitsschaden musste der Altar aus der Kapelle genommen und vorübergehend ausgelagert werden.

Um die dringend notwendige Restaurierung der Rochuskapelle möglich zu machen, bildete sich 2012 ein Interessenkreis aus Mitgliedern der Propsteikirchengemeinde. Als erste bauliche Maßnahme hatte man in Eigenleistung eine Dränage zur Entwässerung um das Fundament der Kapelle gelegt. 2014 untersuchte die LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen die Innenwände auf mögliche Ausmalungsreste hin. Unter einem groben Kalkputz, der auf einem feinen Lehmputz lag, wurden auf der Stirnseite Reste floraler Ranken auf hellrosa Grund und auf den übrigen Wänden vereinzelte Partien eines hellblauen Anstrichs gefunden. Diese waren wie die Bemalung auf der Stirnseite zu einem späteren Zeitpunkt weiß übergetüncht worden.


Der Innenraum der Rochuskapelle in Brilon. Foto: LWL/Heine-Hippler.

Das ab 2015 gemeinsam in vielen Gesprächen entwickelte Restaurierungskonzept für die Kapelle sieht die Instandsetzung einer weitgehenden Ergänzung des Lehmputzes vor. Folglich wurde über dem zweilagigen Lehmputz ein einfarbiger Edelputz aufgetragen. Im Deckenbereich ergänzte man das Trigramm IHS - "Jesus Hominum Salvator" (Jesus, der Menschen Erlöser) in Sgraffito-Technik, bei der durch Abkratzen der oberen Putzschicht im Zusammenspiel mit den darunter liegenden Putzschichten ein Bild entsteht. Eine Inschrift, gleichfalls in Sgraffito-Technik, verweist auf das Jahr der Barmherzigkeit, in dem die Kapelle restauriert wurde. Das von Papst Franziskus ausgerufene Jahr der Barmherzigkeit findet vom 8. Dezember 2015 bis 20. November 2016 statt. Für die Kirchengemeinde, die in den nächsten Jahren noch zahlreiche Arbeiten an der Propsteikirche durchführen muss, war die Restaurierung der Kapelle nur möglich, weil neben dem Förderverein finanzielle Unterstützungen durch die Stadt Brilon, das Bistum Paderborn sowie die LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen gewährt wurden.

Einmal im Jahr steht die kleine Kapelle im Zentrum der Aufmerksamkeit: Beim jährlichen Waldfest der Briloner Feuerwehr, das um den 16. August, dem Gedenktag des Hl. Rochus, begangen wird. Dann wird in der Kapelle die Messe gelesen. In diesem Jahr ist dies nach langer Bauzeit erstmals wieder in der frisch restaurierten Kapelle möglich, auch wenn die Kapelle vorerst noch ohne Altar auskommen muss. Der zwischen 1630 und 1640 entstandene Altar, der in der Kapelle in Zweitverwendung steht, ist derzeit noch ausgelagert und soll, wenn die finanziellen Mittel es erlauben, in diesem Jahr restauriert werden.

Bettina Heine-Hippler