Denkmal des Monats


Die St. Laurentiuskapelle

in Waltrop-Leveringhausen, Kreis Recklinghausen


Die St. Laurentiuskapelle mit Blick von Südosten. Foto: LWL/Ochsmann.

Beinah unerwartet vor einer landschaftlich besonders malerischen Kulisse hinter dem Dortmund-Ems-Kanal an der Schultenstraße findet man eine historisch bedeutende Kapelle, deren Geschichte bis ins 14. Jahrhundert und vermutlich noch weiter zurückgeführt werden kann. Denn die St. Laurentiuskapelle gehörte zum Gut Leveringhausen, dessen Gründung in die Zeit der frühmittelalterlichen Besiedlung des Landes zwischen Emscher und Lippe fällt.


Eingangstür und Fenster an der Südseite der Kapelle. Foto: LWL/Ochsmann.

Die St. Laurentiuskapelle – nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen ehemaligen Krankenhaus-Kapelle in Waltrop – ist ein vergleichsweise schlichter gotischer Sakralbau mit fein ausgewogenen Proportionen und qualitätvollen Details, die bei aufmerksamer Betrachtung auffallen. Der im 18. Jahrhundert ersetzte Westturm fügt sich in harmonischem Verhältnis an einen rechteckigen Kapellenraum, dem im Osten ein ebenfalls rechteckiger Chor mit Kreuzrippengewölbe angebaut ist. Der Bau ist aus Natursteinmauerwerk errichtet und verputzt, nur die Tür- und Fenstergewände aus Werkstein und die Fenster mit gotischem Maßwerk sind steinsichtig.


Der Innenraum der Kapelle. Foto: Christian Schänzer/Dieter Bölhauve.

Die Kapelle ist im Inneren mit einer einfachen Holzbalkendecke geschlossen und hat im Westen eine Empore aus jüngerer Zeit. Auf dem einfachen Altarblock im Chor steht ein barocker Aufbau mit gedrehten Säulen, der eine Büste des Heiligen Laurentius trägt. Besonders bemerkenswert sind die beiden Glocken, eine aus der Zeit um 1200, die andere von 1518 - aus einer Dortmunder Werkstatt und mit schönen Verzierungen - mit der Inschrift: „Maria heite ich, den Doden luden ich, den Donner verdriuwe ich, dei mi hört der beden sich“ (Maria heiße ich, den Toten läute ich, den Donner vertreibe ich, der mich hört der bete).


Altar mit Büste des Heiligen Laurentius. Foto: Christian Schänzer/Dieter Bölhauve.

Die katholische Kirchengemeinde St. Peter kümmert sich liebevoll um die Erhaltung und Pflege der St. Laurentiuskapelle. In den letzten Jahren sind nacheinander das Dach, die Außenfassaden und Türen, die Heizung und Beleuchtung überarbeitet worden. Die Sitzbänke wurden aus der der ehemaligen Krankenhaus-Kapelle in Waltrop („Kulturforum Kapelle“) geborgen. Als die Sakristei eine neue Tür brauchte, hat man diese aus alten Eichenbohlen mit historischen Beschlägen von einem Nachbarhof gebaut und noch ein altes Kastenriegelschloss von 1853 aus der alten Mädchenrealschule Waltrop eingesetzt.

Im Sommer wird in Leveringhausen jedes Jahr am 10. August der Festtag des Heiligen Laurentius gefeiert („Laurentiustag“), an dem die Kapelle Mittelpunkt eines Volksfestes ist. Doch auch im Winter ist ein Spaziergang oder eine Radtour zu dem bemerkenswerten, fast verwunschen wirkenden Ort ein lohnender Ausflug.

 

Die LWL-DLBW möchte die St. Laurentiuskapelle als Denkmal des Monats auszeichnen, weil alle Maßnahmen nicht nur mit großer Liebe zum Detail, sondern auch überaus sachverständig vorbereitet und ausgeführt worden sind. Das ist vor allem dem besonderen Engagement und Verständnis aller Beteiligten zu verdanken.

Der LWL hat substanzerhaltende Maßnahmen an der St. Laurentiuskapelle in Leveringhausen aus seinen Denkmalmitteln finanziell unterstützt.

Dr. Oliver Karnau