Denkmal des Monats


Königin-Luisen-Schule in Herne-Bickern

Eine Erfolgsgeschichte

Die Königin-Luisen-Schule wurde 1908/09 im Auftrag des Amtes Wanne nach einem Entwurf des Amtsbaumeisters Paul Spanier entworfen. 1910 eröffnet, genau hundert Jahre nach dem Tod der Preußischen Königin Luise, erhielt sie deren Namen.

Königin-Luisen-Schule nach der Restaurierung. Foto: Stadt Herne/Thomas Schmidt.

Das dreieinhalbgeschossige Gebäude wird durch den Mittel- und die beiden Seitenrisalite symmetrisch gegliedert. Diese dominierenden Risalite enden in Dreiecksgiebeln. Ferner gliedern zahlreiche dreiflüglige Sprossenfenster mit Oberlicht die Fassade. An der Rückfassade hat man die drei Baukörper durch das Einschieben von zwei weiteren Bauteilen zu einer bündigen Wand werden lassen. Im Inneren der Schule sind die Grundrisse und die Rundbogengewölbe erhalten. Der Innenraum birgt noch schützenswerte Elemente aus der Erbauungszeit wie z. B. die Bodenfliesen, der Handlauf aus Holz und schmiedeeiserne Geländer.


Königin-Luisen-Schule. Zustand vor dem Umbau. Foto: Stadt Herne.

Die seit 1990 unter Schutz stehende Königin-Luisen-Schule wurde 2013 nach 103 Jahren Nutzung als Schule aufgrund des rückläufigen Nutzungsinteresses aufgegeben. Damit schien das Schicksal des Gebäudes besiegelt. Viele Alternativen zur Umnutzung scheiterten an den hohen Kosten für die Sanierung. Darum wollte das Gebäudemanagement Herne (GMH), das die baulichen Planungs- und Baumaßnahmen an den städtischen Immobilien betreut und ausführendes Organ ist, die Schule abreißen lassen, um an gleicher Stelle einen Neubau für die städtische Kindertageseinrichtung Michaelstraße zu errichten Bei den Erhaltungsbestrebungen wurde die Denkmalpflege von vielen Wanne-Eickler Bürgern, unter anderem auch von der Gesellschaft für Heimatkunde, unterstützt, die Sturm liefen gegen die Abrisspläne.


Fenstergriffe. Zustand 2017. Foto: Stadt Herne/Thomas Schmidt.

Eine Wendung zum Guten gab es 2014, nachdem das Land NRW signalisiert hatte, den Umbau entsprechend zu fördern. Von den 6,45 Millionen Euro veranschlagten Gesamtkosten sagte das Land 4,2 Millionen Euro Förderung zu. Mit dem Umbau der Kindertagesstätte Michaelstraße und der Schul- und Familienberatungsstelle wurde am 22. September 2015 begonnen.
Bereits in der Bauphase konnte man nach Fugenerneuerung, Klinkerreinigung und Aufarbeitung der Fenster mit energetischer Ertüchtigung sehen, wie sehr sich die Sanierung gelohnt hat. An der Rückseite übernehmen zwei neu errichtete Treppentürme die behindertengerechte Erschließung, die Fluchttreppen und den neuen Haupteingang. Der ehemalige Haupteingang an der Vorderseite ist geschlossen und der Bewegungsbereich der Kita zugeschlagen.


Flur und Treppenaufgang 2017. Foto: Stadt Herne/Thomas Schmidt.

Eine große Herausforderung stellten nicht zuletzt der kindgerechte Umbau des Denkmals und der erstmalige Ausbau des Dachgeschosses dar, das nun, wie auch der zweite Stock, von der Beratungsstelle belegt wird. Diese Nutzungen unterstützen und ergänzen sich gegenseitig. Der Kita und den Beratungsstellen stehen jeweils 1900 Quadratmeter zur Verfügung. Jede der Kindergartengruppen besteht aus einer kleine „Wohnung“ mit Haupt- und Nebenraum, einer kleinen Küche und Sanitäranlagen. Für die ganz Kleinen gibt es einen Ruheraum und in den Fluren ist Platz zum Toben.


Flur als Spielbereich genutzt. 2017. Foto: Stadt Herne/Thomas Schmidt.

Innen hat sich das Gebäude dadurch stark verändert, ohne dass der Denkmalschutz vernachlässigt wurde. Die Grundrisse und Gewölbe sind ebenso wie die historischen Böden erhalten, die Bodenbeläge sind reversibel, der Handlauf aus Holz und die Geländer sind in die Nutzung integriert worden.
Da keine Voruntersuchungen erfolgt sind, obwohl die Denkmalpflege dazu geraten hatte, ergaben sich an der einen oder anderen Stelle unvorhergesehene Schwierigkeiten im Bauverlauf, die unter anderem zu Mehrkosten in Höhe von 1,1 Millionen Euro geführt haben. Es zeigt sich leider immer wieder, dass beim Bauen im Bestand die Voruntersuchungen eingespart werden, was fast immer zu erhöhten Kosten führt. Dagegen sind die Voruntersuchungskosten in der Regel schnell wieder eingespart.
Insgesamt ist der Erhalt der Königin-Luisen-Schule für alle Beteiligten – die Nutzer, den Denkmalschutz und den Ortsteil mit seinen Menschen – ein gelungenes Beispiel für eine Umnutzung, bei der die ursprüngliche Funktion als Schule noch ablesbar geblieben ist.

Gabriele Podschadli