Denkmal des Monats


„Halte dich rein“

Ein Rastplatz für den Sonntagsausflug in Porta Westfalica

Bei den heute gefahrenen Geschwindigkeiten wird dieser Rastplatz häufig nicht wahrgenommen. Der Verkehrsring Dehme e.V. machte uns aufmerksam auf dieses Relikt des geruhsameren Verkehrs auf der am Fuße des Wiehengebirges verlaufenden heutigen Bundesstraße 61 zwischen Porta Westfalica-Barkhausen und Bad Oeynhausen-Dehme.


Blick über die Anlage zur Straße (mit Auto). Foto: LWL/Herden-Hubertus.

Unterhalb der „Dehmer Burg“, von der noch der dreieckförmige Ringwall als Bodendenkmal erhalten ist, entspringt ein Bach, der in seinem südlichen Verlauf eine Fassung namens „Sassenborn“ erhalten hat. Dieser befindet sich an einem gegenüber dem Gelände etwas eingetieften und durch Natursteinmauern befestigten Plateau. Es liegt über dem Straßenniveau, ist durch eine konvex geschwungene, leicht schräg gegen den Hang hin geneigte und seitlich niedrig auslaufende Naturstein-Stützmauer abgegrenzt und durch eine mittig eingefügte Treppenanlage zugänglich. Ein Parkstreifen parallel zur Fahrbahn der Bundesstraße steht für parkende Fahrzeuge zur Verfügung.


Blick von der Straße zur Brunnenfassung "Halte dich rein". Foto: LWL/Herden-Hubertus.

Die Brunnenanlage selbst besteht aus einer Natursteinmauer, die die Rückwand des Plateaus bildet, und einer blockartigen Naturstein-Aufmauerung mit einem Wasserrohr und der Inschrift „HALTE DICH REIN“. Davor steht ein Wassertrog aus Sandstein zur Aufnahme des auslaufenden Wassers. Rechtsseitig wurde eine steinerne Ruhebank angefügt, linksseitig führt eine Sandsteintreppe auf das obere Niveau zu dem westlichen Sitzplatz mit Bänken und einem Mühlrad auf Betonstütze als Tisch. Der östliche Sitzplatz mit Bänken und einer runden Sandsteinplatte als Tisch liegt auf zwei kleinen Terrassen und ist über zwei Betonstufen zugänglich. Hier steht auf einem Sockel ein Gedenkstein aus Beton mit scharrierter Oberfläche und der Inschrift: „1934 ERRICHTET VON BAUMEISTER W. CARSTENS BAD OEYNHAUSEN, MIT HILFE DER SCHULJUGEND DEHME“, sowie auf dem Sockel die Bezeichnung dieses Platzes „DER SASSENBORN“. Von der Treppenanlage führt ein gepflasterter Weg zur Brunnenfassung, vor der eine halbrunde Fläche ebenfalls mit Natursteinpflastersteinen belegt ist. Dieser kleine Vorplatz wird seitlich durch niedrige Natursteinmauern eingefasst.

Dieser in der Region als „Halte dich rein“ bekannte Rastplatz mit naturnah gestalteter Brunnenanlage ist bedeutend für die Entwicklung und Vermittlung des Heimatschutz-Gedankens. Der Straßenbaumeister Wilhelm Carstens, der als Heimatpflegeleiter und Leiter des Vogelschutzvereins vielfältig im Sinne des Naturschutzes tätig war, hatte mehrfach festgestellt, dass der an dieser Stelle befindliche kleine, von einem Bach gespeiste Tümpel verunreinigt war.


Inschriftenstein. Foto: LWL/Herden-Hubertus.

Er beschloss, dort unter Mitwirkung der Schuljugend von Dehme eine Brunnenanlage anzulegen: „Sie soll zugleich Trink- und Waschgelegenheit, Ruhe- und Abkochplatz, Park- und Versammlungsplatz bieten und einen Anblick gewähren, über den sich jedermann freuen soll; ein Schmuckstück, Natur und Heimat verschönend“ (Zitate nach freundlicher Angabe des Verkehrsrings Dehme e.V.). Nachdem Carstens mit dem Grundbesitzer, dem Eigentümer des Gutes Wedigenstein verhandelt und dessen Zustimmung erhalten hatte, konnte das Projekt unter der Mitwirkung von Spendern und Helfern realisiert werden. Von Anfang an wurden die Dehmer Schulkinder mit kleineren Arbeiten beteiligt. Die dazu notwendigen Vorgespräche für die Einbeziehung der Lehrkräfte sowie die Heranführung der Kinder übernahm der Baumeister selbst, was er wie folgt schilderte: „Doch ein ganz besonderes Lob verdienen die Lehrerschaft sowie die Jungen und die Mädel der Schule Dehme. Mit Eifer und Fleiß gingen sie an ihre Aufgabe und unter Mühe und Schweiß halfen alle die schöne Brunnenanlage vollenden, worauf sie jetzt so stolz sind.“ Carstens regelte auch die Pflege der Anlage: „Die Schule hat den Brunnen in dauernde Obhut genommen und will dafür besorgt sein, daß die Anlage allezeit sich als Schmuckstück der Heimat Westfalen zeigt.“ Neben orts- und sozialgeschichtlichen Gründen für das öffentliche Interesse an diesem kleinen Rastplatz am Sassenborn, der aus dem Natur- und Heimatschutzgedanken entstanden ist und bis heute durch Patenschaften gepflegt wird, kommt hier noch ein überregional wichtiger Erhaltungsgrund hinzu: Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand gehört dieser naturnah gestaltete Rastplatz an der alten Koblenzer Straße zu den ersten im Zusammenhang mit dem modernen Automobilverkehr errichteten Rastplätzen. Die vermutlich erste (Reichs-)Autobahnraststätte Deutschlands, „Rodaborn“ in Thüringen, war am 20.12.1936 in Betrieb genommen worden und liegt heute abseits der A 9. Der historische Rastplatz „Halte dich rein“  ist daher für die Entwicklung der Verkehrswege und der Rastanlagen eine wichtige Quelle. Dieser idyllische Ort am Sassenborn mit seinem weiten Ausblick über die Weserkurve wird auch heute noch von Radlern und denjenigen Autofahrern aufgesucht, die diese zwischen dem Hang des Wiehengebirges und der Weser verlaufende Straße in eher gemächlichem Tempo befahren und hier eine Pause zur Entschleunigung und vielleicht auch zur Erfrischung durch das Wasser des Sassenborn nutzen.

Anne Herden-Hubertus