Denkmal des Monats


Der Kirchturm der katholischen Pfarrkirche St. Lambertus

in Ascheberg

Zentrum des Dorfes Ascheberg ist die katholische Pfarrkirche St. Lambertus. Sie wurde 1023 zum ersten Mal urkundlich erwähnt und vermutlich als Urpfarre des heiligen Liudger vor der Mitte des neunten Jahrhunderts gegründet. Noch heute ist der flache Hügel, auf dem die Kirche steht, erkennbar, der bis ins 19. Jahrhundert von einer Gräfte umgeben war.


Westansicht der Kirche im Juli 2006. Foto: LWL.

Der vierjochige Bau aus Natursteinquadern wird durch ein umlaufendes Sohlbankgesims, zweifach gestufte Strebepfeiler und zehn dreibahnige, Maßwerkfenster mit Fischblasen untergliedert. Unter dem südöstlichen Fenster steht die Datierung 1524.Die dreischiffige spätgotische Hallenkirche schließt nach Osten mit einem rechteckigen Chor ab, der 1737–1740 von Johann Conrad Schlaun aus Backstein errichtet wurde. Der reich verzierte Westturm mit zweigeschossigen Kapellenanbauten wurde 1909 von Ludwig Becker in neugotischen Formen aus Ibbenbürener Sandstein an Stelle des alten angebaut. Dieser 74,50 m hohe Kirchturm ist heute das Wahrzeichen Aschebergs. Nördlich und südlich befinden sich zweigeschossige Anbauten. Das Turmportal wird durch einen Wimperg geschmückt, in dem die Figur des heiligen Lambertus eingestellt ist. Diese und die anderen elf Turmfiguren, deren Darstellungen dem katholisch-patriotischen Programm folgen, stammen aus der Werkstatt des Anton Rüller. Die großen Fenster sind mit variierenden Maßwerken geschmückt. Das spitz zulaufende achteckige Turmdach ist etwa 32 m hoch und von vier voluminösen Uhrenhäuschen und Ecktürmen umgeben.


Restauratorin beim Konservieren einer Turmfigur im August 2016. Foto: Bernhard Kröger.

Anlass für umfangreiche bautechnische und restauratorische Voruntersuchungen des Turmes war ein etwa 10 x 10 x 15 cm großes Steinstück, das 2015 erst auf das Kirchendach und dann auf den Kirchplatz gefallen war. Auch hatten sich einige asbesthaltige Eternitschieferplatten vom Dach gelöst und ein vor der Kirche parkendes Auto beschädigt. Es bestand also dringender Handlungsbedarf.

Zur Vermeidung weiterer Schäden wurden Anfang Oktober 2015 die Fassaden des Turmes mittels eines Hubsteigers abgefahren und abgängige Steinschalen und Bruchstücke abgenommen. Hierbei fielen auch die defekten Mauerfugen und bei einer weiteren Befahrung gravierende Schäden am Dach auf. Die vorgefundenen Schäden wurden dokumentiert. Einige Steine, die lagerschichtig falsch versetzt worden waren, zeigten Schalenbildung; weiterhin haben rostige Eisen im Stein Risse durch Rostsprengung verursacht. Auch der Figurenschmuck aus Thüster Kalkstein zeigte Schäden wie Auswitterungen, Krustenbildung, Schalenbildung und Risse. Außerdem wurden statische Probleme an den vier Ecktürmen, Brüstungen und Fialen vermutet. Weitere Untersuchungen folgten nach der Gerüststellung.

Die Restaurierungsarbeiten an den Turmfiguren, sowie Reparaturen an den Natursteinfassaden, Leiteraufgängen und Wartungsebenen des Turmdachstuhles, sowie am Kirchturmdach, an den kupfernen Dachbekrönungen, den Schalllukenfenstern und den Kirchenfenstern sind nun in vollem Gange und werden vermutlich im Herbst abgeschlossen. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, dass der prächtige Kirchturm den nachfolgenden  Generationen erhalten wird.

Leonhard Lamprecht