Denkmal des Monats


Kanzelorgelprospekt der Altenaer Lutherkirche

Restaurierung nach Brandschaden

Der Brand in der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 2015 hinterließ am erst acht Jahre zuvor restaurierten Kanzelorgelprospekt, einer raumbeherrschenden Holzkonstruktion mit ältesten Teilen aus der Zeit um 1738, vielfältige Schäden.

Gesamtansicht des Kanzelorgelprospektes nach Abschluss der Restaurierung. März 2017. Foto: LWL/Dick.

Bedingt durch die Thermik wiesen die oberen Bereiche des Orgelprospektes mit einer Fassung von 2007 Blasenbildung und großflächige Abhebungen der Farbschicht auf. In den unteren Partien mit älteren Fassungen fielen erst nach der aufwändigen Abnahme der Verrußung zahlreiche flächige Farbveränderungen auf. Die starke Hitzeentwicklung hatte dort offenbar eine beschleunigte künstliche Alterung der aus mehreren Restaurierungsphasen stammenden Retuschen und Überarbeitungen bewirkt, die sich optisch je nach chemischer Zusammensetzung durch Vergilbung und/oder Verdunkelung der Farbe äußerte und eine fleckige Gesamterscheinung verursachte.

Durchgeführt wurde die aufwändige Restaurierung des Brandschadens von der Werler Diplom-Restauratorin Monika Voss-Raker in Zusammenarbeit mit der Olper Kirchenmalerfirma Rademacher. Fachlich wurden die Maßnahmen eng mit der Unteren Denkmalbehörde Altena und der LWL-Denkmalpflege, Landschaft- und Baukultur in Westfalen (LWL-DLBW) abgestimmt. Auch wenn die ehemals lichte Erscheinung des Prospektes mit der Restaurierung nicht erreicht werden konnte, zeigen sich die Denkmalbehörden und das Fachamt mit dem Ergebnis dennoch zufrieden. Als Beispiel gelungener Kooperation zwischen der Evangelischen Gemeinde Altena als Eigentümer, den ausführenden Restauratoren und den beteiligten Denkmalpflegern nominiert der Landschaftsverband Westfalen-Lippe den Kanzelorgelprospekt für das Denkmal des Monats September.


Ein Feld der Emporenbrüstung nach Oberflächenreinigung mit auffälligen Farbveränderungen durch den Brand. November 2016. Foto: Voss-Raker.

Konservierungskonzept

Das Ziel war nicht die Beseitigung des Brandschadens, sondern der Erhalt sämtlicher Partien und Fassungen, deren Konservierung noch mit einem zu rechtfertigenden Aufwand und einem zufriedenstellenden Ergebnis möglich war. Gleichzeitig galt es, die Eingriffe auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren. Dabei bedingten der historisch gewachsene Zustand und die höhenabhängige Intensität und Ausprägung des Brandschadens eine differenzierte Herangehensweise bei der Konservierung der einzelnen Bereiche des Kanzelorgelprospektes.


Detail des Orgelprospektes während der Neufassung mit bereits eingebauten konservierten Schleierbrettern. November 2016. Foto: Voss-Raker.

Durchgeführte Maßnahmen

Eine Neufassung war nur in den oberen Bereichen des Orgelprospektes unumgänglich, diesmal ausgeführt in traditioneller Leinölfarbe. Bei den vergoldeten Schleierbrettern konnten die ursprünglichen Polimentvergoldungen erhalten werden, während die beschädigten jüngeren Bronzierungen entfernt und neu aufgearbeitet wurden. Das intendierte Glanzspiel zwischen den Glanz- und Mattvergoldungen wurde dadurch nach mehreren Jahrzehnten überhaupt erst wieder erlebbar. Trotz der irreversiblen Farbveränderungen bestand auf der Emporenbrüstung, auf dem Schalldeckel, dem Kanzelkorb und der bodennahen Altararchitektur aus konservatorischer Sicht keine Notwendigkeit, die sichtbare Fassung komplett aufzugeben. Die Maßnahmen wurden dort auf eine Oberflächenreinigung sowie eine Integration farblich veränderter Partien durch Lasuren beschränkt. Gerade dieser letzte Schritt erforderte seitens der Restauratoren ein sehr sensibles und strukturiertes Vorgehen, um die Überarbeitungen minimal zu halten und gleichzeitig in der Auswahl der zu überarbeitenden Flächen wissenschaftlich konsequent und nachvollziehbar zu bleiben. Das Ergebnis ist nun ein Prospekt, dessen ursprüngliche lichte Wirkung zwar etwas gedämpft ist, der trotz des Brandereignisses dennoch in weiten Teilen seine wertvolle historische und in Teilen gar originale Fassung bewahren konnte.

Helena Dick