Denkmal des Monats


Das Museum Wilhelm Morgner

in Soest

Das Museum Wilhelm Morgner im historischen Kern der Stadt Soest ist von 1961 bis 1962 durch den Wiesbadener Architekten Rainer Schell (1917–2000), einem Schüler Egon Eiermanns, erbaut worden. Seit 1999 ist es in die Denkmalliste der Stadt eingetragen. Der Kernbestand und die Namensgebung des Museums gehen auf den in Soest geborenen expressionistischen Künstler Wilhelm Morgner (1891–1917) zurück.


Museum Wilhelm Morgner, Ansicht der Südostecke. Foto: LWL/Kretzschmar.

Das Gebäude erstreckt sich als zweigeschossiger Kubus in Stahlbeton-Skelettbauweise auf einem rechteckigen Grundriss. Während das Sockelgeschoss gedrungen wirkt, entwickelt sich darüber ein wesentlich höheres Obergeschoss. Ursprünglich waren im Sockelgeschoss die östlichen Bereiche als offene, von achteckigen Stützen gegliederte Halle ausgebildet. In dieser befand sich ein dezentral gelegener offener Lichthof mit einem rechteckigen Wasserbecken. Das Innere überzeugt durch die bewusst eingesetzten Materialien und Oberflächengestaltungen. Die Gestaltung der Obergeschossfassaden, die an der Ostfassade und über die Eckbereiche der Nord- und Südfassade fortgesetzt wird, dominieren horizontal verlaufende Klinker- und Kieselsteinebenen. Der rückwärtige, westliche Bereich des Baudenkmals ist nur mit einem einfachen Klinker versehen.


Museum Wilhelm Morgner. Ansicht der Westseite. Foto: LWL/Kretzschmar.

In den Jahren 2015 und 2016 fanden umfangreiche Maßnahmen zur energetischen und klimatischen Optimierung sowie zur Umsetzung einer Barrierefreiheit statt. Fortan soll der ehemals für unterschiedliche Kultur- und Bildungseinrichtungen geplante Mehrzweckbau überwiegend als städtisches Kunstmuseum mit einer erweiterten Ausstellungsfläche im Bereich der ehemals offenen Halle genutzt werden, ergänzt durch einen vielfältig genutzten Veranstaltungssaal, eine Artothek und die Sammlung Carl-Jürgen Schroth – Stiftung Konzeptuelle Kunst. Zu diesem Zweck wurden Fördergelder des Bundes, des Landes und des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe bereitgestellt. Das Architekturbüro Leistungsphase aus Nordkirchen erhielt unter der Federführung von Oliver Silge den Auftrag für die Planung und die Bauleitung der Arbeiten. Es galt, die Bereiche für die Dauerausstellung und die Wechselausstellungen, ein grafisches Kabinett, einen Veranstaltungssaal, Räume für die Museumspädagogik, eine Artothek, Büros, Magazine und eine Infrastruktur zu schaffen.


Museum Wilhelm Morgner, Eingangsfoyer im Erdgeschoss des Museums. Foto: LWL/Kretzschmar.

Im Rahmen der Planungsgespräche wurde von Seiten der Unteren Denkmalbehörde und der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen dem Konzept gefolgt, so viel wie möglich an Originalsubstanz zu erhalten und dort, wo dies im wesentlichen Widerspruch zur Museumsnutzung stand, die Gestaltung im Sinne der ursprünglichen Innenraumidee weiterzuentwickeln. In diesem Zusammenhang wurden z. B. die Holzleistendecken einheitlich weiß gestrichen, in die abgehängten Decken zusätzliche Leuchtkörper eingelassen, die nicht mehr nutzbare Kassennische mit den Ausstattungsdetails zur behindertengerechten Toilette umfunktioniert sowie der neue Baukörper für den Außenaufzug mit einer hochwertigen Bleiverkleidung versehen. Dabei sollten nicht nur die Gestaltungsideen der 1960er-Jahre weiterhin für die Besucher erlebbar gemacht, sondern auch bauzeitliche Ausstattungsdetails wieder ergänzt werden. Es wurden Kompromisslösungen zwischen den Belangen des Denkmals und den konservatorischen und formalen Anforderungen einer Museumsnutzung gemeinsam erarbeitet. Insbesondere sollten hierbei das äußere Erscheinungsbild im Wesentlichen nicht verändert werden und die Oberflächen mit ihren Materialien weitgehend ablesbar bleiben. So galt es u. a., die Materialsichtigkeit der Architekturelemente aus Beton an den Fassaden und im Inneren zu erhalten, da gerade dies ein für die 1960er-Jahre maßgebliches Gestaltungselement bedeutet.

Nicht nur diese schwierige Aufgabenstellung der technischen und formalen Modernisierung und Anpassung an eine zeitgemäße Museumsnutzung eines denkmalgeschützten Baus der 1960er-Jahre konnte vorbildlich umgesetzt werden; ferner gelang es auch, die überdurchschnittliche Qualität dieses Baudenkmals als ein Beispiel der Architekturströmung der Nachkriegsmoderne einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Die aktuell umgesetzte Maßnahme macht damit in bemerkenswerter Weise den beschwingten gesellschaftlichen und architektonischen Aufbruch der frühen 1960er-Jahre wieder bewusst.

Denis Kretzschmar