12/0733

Vorlage

 
 
Betreff: Modellprojekt: Förderung von Kindern mit Behinderung unter 3 Jahren"
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage
Verfasser:Herr Dreyer, Tel. 5926
Federführend:LWL-Landesjugendamt, Schulen, Koordinationsstelle Sucht Bearbeiter/-in:Schmitz, Susanne
Beratungsfolge:
Landesjugendhilfeausschuss Entscheidung
14.12.2006 
10. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Landesjugendhilfeausschusses ungeändert beschlossen   

Der Landesjugendhilfeausschuss beauftragt die Verwaltung, das Modellprojekt „Förderung von Kindern mit Behinderung unter 3 Jah

Der Landesjugendhilfeausschuss beauftragt die Verwaltung, das Modellprojekt „Förderung von Kindern mit Behinderung unter 3 Jahren“ auszuschreiben.

Begründung:

Begründung:

 

Zusammenfassung

 

Das TAG (Tagesbetreuungsausbaugesetz) hat die Verpflichtung der örtlichen Jugendhilfeträger begründet, für Kinder unter drei Jahren ein bedarfsgerechtes Angebot vorzuhalten. Mit dem Modellprojekt soll erprobt werden, ob und unter welchen Bedingungen die Förderung von behinderten Kindern unter drei Jahren möglich ist. Den Grundsatzbeschluss hatte der Landesjugendhilfeausschuss in der Sitzung am 22.06.2006 gefasst und die Verwaltung beauftragt, das Projekt zu konzeptionieren (Vorlage 12/0595). Nunmehr soll das mit  Jugendämtern und Trägern abgestimmte Projekt ausgeschrieben werden.

 

1.                  Ausgangslage und Problemstellung

 

Aufgrund des am 01.01.2005 in Kraft getretenen TAG ist das Angebot für Kinder unter drei Jahren in Tageseinrichtungen bedarfsgerecht auszubauen, d.h. mindestens für Kinder von Eltern in Erwerbstätigkeit, Aus- und Weiterbildung, Maßnahmen nach SGB II und für Kinder, deren Eltern ihre Erziehungsverantwortung nicht erfüllen und daher eine Gefährdung des Kindeswohls vorliegt. Verpflichtet sind die örtlichen Jugendhilfeträger.

 

Der LWL ist grundsätzlich verpflichtet, seinen Beitrag als überörtlicher Träger zu leisten, damit auch behinderte Kinder an der verbesserten Versorgung aller Kinder unter drei Jahren partizipieren können. Für eine Entscheidung, behinderte Kinder unter drei Jahren von den Leistungen des LWL auszuschließen, ist nach dem TAG keine Grundlage mehr gegeben.

 

Da die Frage der Leistungen des LWL für behinderte Kinder unter drei Jahren aufgrund der Zuständigkeit als Träger der überörtlichen Sozialhilfe zu stellen ist, müssen diese Leistungen für diese Kinder aus dem Blickwinkel der Wirksamkeit der Eingliederungshilfe gesehen werden. Dies bedeutet, dass die Leistungen geeignet und erforderlich sein müssen, die Ziele der Eingliederungshilfe nach §53 Abs. 3 SGB XII zu erfüllen und dazu beitragen,

 

·                                             dass eine drohende Behinderung verhindert wird

·                                             oder eine Behinderung oder deren Folgen beseitigt oder gemildert werden

·                                             und die Kinder sozial integriert werden.

 

Im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung des Kindes sind Leistungen gemeint, die geeignet und erforderlich sind, die Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu fördern und Benachteiligungen zu vermeiden oder ihnen entgegenzuwirken.

 

Folgende Fragen sind im Hinblick auf die Ziele der Sozialhilfe zu klären:

 

·                                             Sind die Leistungen wirksam im Sinne der Ziele der Eingliederungshilfe ?

Was braucht das Kind, um zur selbstbestimmten Teilhabe am Leben in der Gesellschaft befähigt zu werden ?

·                                             Welche Rahmenbedingungen (auch im Hinblick auf die familiäre Situation und die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen) erhöhen die Wahrscheinlichkeit, Kinder unter drei Jahren in dieser Entwicklung zu  unterstützen ?

·                                             Welche Grenzen bestehen für die Förderung von sehr jungen behinderten Kinder ?

 

Eine wissenschaftliche Grundlage über die Wirksamkeit von Maßnahmen für Kinder mit Behinderung unter drei Jahren in Tageseinrichtungen gibt es nach dem derzeitigen Stand nicht. Ebenso fehlen verwertbare Erkenntnisse aus der Praxis der anderen überörtlichen Sozialhilfeträger, von denen lediglich zwei überhaupt Leistungen für Kinder mit Behinderung unter drei Jahren gewähren.

 

Zu berücksichtigen sind die bisherigen Leistungen der Frühförderung. Kinder unter drei Jahren werden im Regelfall im Rahmen ambulanter Maßnahmen betreut. Die Frühförderung  sucht die Kinder oftmals auch in den Familien auf. Dies soll im Modellprojekt durch unterschiedliche Vergleichsgruppen aufgegriffen werden. Sofern der LWL künftig Leistungen an behinderte Kinder unter drei Jahren gewähren wird, muss durch die konkreten Regelungen gewährleistet sein, dass die bisherigen Leistungen der Frühförderung nicht eingestellt werden.

 

2.            Zielgruppen des Modellprojektes:

 

2.1.      Kinder unter drei Jahren mit Behinderung:

 

·                     Die Teilnahme der unterdreijährigen Kinder orientiert sich an den Kriterien des

TAG. Am Modellprojekt sollen Kinder beteiligt werden, deren Eltern in Erwerbstätigkeit, Aus- und Weiterbildung oder in Maßnahmen nach SBG II sind bzw.  deren Eltern ihre Erziehungsverantwortung nicht erfüllen und daher eine Gefährdung des Kindeswohls vorliegt.

 

·                     Drei Zielgruppen von Kindern im Alter von zwei bis drei Jahren sollen für die Dauer eines Jahres im Projekt beteiligt sein:

 

a)      Kinder in Tageseinrichtungen, die sonstige Frühförderung erhalten

b)      Kinder in Tageseinrichtungen, die keine sonstige Frühförderung erhalten

c)      Kinder, die nur sonstige Frühförderung erhalten

 

·                     Es sollen Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen im Modellprojekt beteiligt sein.

 

2.2.            Teilnehmende Einrichtungen:

 

·                     Alle drei Einrichtungsformen zur Betreuung von Kindern mit Behinderung in Westfalen- Lippe (Einrichtungen der gemeinsamen Erziehung, Schwerpunkteinrichtungen, heilpädagogische Einrichtungen) sollen am Modellprojekt teilnehmen.

 

·                     Die Einrichtungen sollen wohnortnah sein, um lange Fahrtzeiten für die sehr jungen Kinder zu vermeiden.

 

·                     Die Einrichtungen sind in Trägerschaft von öffentlichen und unterschiedlichen freien Trägern und liegen in drei bis vier verschiedenen Jugendamtsbezirken.

 

3.      Ziele des Modellprojektes

 

Leitfrage ist, ob und unter welchen Rahmenbedingungen die Betreuung und Förderung von Kindern unter drei Jahren mit Behinderung in Tageseinrichtungen und mit den im TAG beschriebenen Familienkonstellationen geeignet und erforderlich ist, die Ziele der Eingliederungshilfe zu erfüllen.

 

·                     Ausgehend von einer Ist-Analyse der Ausgangssituation der teilnehmenden Kinder  sind die drei Vergleichsgruppen in ihrer Entwicklung ein Jahr beobachtend zu begleiten.

 

·                     Die Beobachtung soll sich nicht nur an den Behinderungen, sondern auch an den Ressourcen der Kinder orientieren, da so Ansätze für die weitere Förderung wirksam werden können und Selektion vermieden werden kann.

 

·                     Es sind Kriterien und Indikatoren für die Wirksamkeit der Eingliederungshilfe nach dem SGB XII zu entwickeln, die Aussagen für die Praxis ermöglichen. Anhand von Indikatoren sollen Wirksamkeit und Qualität operationalisiert und transparent gemacht werden.

 

·                     Die Wirksamkeit einer Betreuung und Förderung im Sinne der Eingliederungshilfe  Ergebnisse soll im Hinblick auf die Ergebnisse der Förderung von Kindern der drei unterschiedlichen Zielgruppen des Projekts dokumentiert und bewertet werden.

 

Aufgrund der besonderen Situation von Sprachheileinrichtungen (Aufnahme ab dem vierten Lebensjahr, abgeschlossene reguläre Sprachentwicklung als Zugangsvoraussetzung etc.) sollen diese nicht in das Modellprojekt einbezogen werden.

 

4.            Laufzeit des Modellprojektes und Vorgehen

 

Das Modellprojekt ist auf das Kindergartenjahr 2007/08 angelegt, so dass teilnehmende Zweijährige direkt in die reguläre Förderung der Drei- bis Sechsjährigen übergehen können.

 

Die Projektkosten für die wissenschaftliche Begleitung sind mit bis zu 50.000 EUR geplant, verteilt auf zwei Haushaltsjahre.

 

Für die geeignete wissenschaftliche Begleitung erfolgt eine Ausschreibung nach folgenden Kriterien:

 

·                                             Fach- und Feldkenntnisse im Bereich frühkindlicher Pädagogik und Kinder mit Behinderung

·                                             Empirische und statistische Erhebungsverfahren und Auswertungen

·                                             Beobachtungsverfahren, die sich nicht nur an den Defiziten, sondern auch den Ressourcen der Kinder orientieren

·                                             Qualitätsentwicklungsverfahren mit Indikatorenentwicklung

·                                             Fachlich ausgewiesene Position hinsichtlich der Zielsetzungen der frühkindlichen Pädagogik und Eingliederungshilfe

·                                             Kenntnisse über die regionalen Versorgungsstrukturen für Kinder mit Behinderung

 

Ein Beirat soll das Modellprojekt begleiten. Im Beirat sollen mitwirken

 

·         max. drei Vertreter/innen der Jugendämter,

·         max. drei Vertreter/innen der freien Träger und

·         zwei Vertreter/innen eines Gesundheitsamtes, einer Frühförderstelle.

 

1

 

1

 

Finanzielle Auswirkungen?

X

 

 

nein

 

 

ja

 

 

 

Im Haushaltsplan vorgesehen?

 

 

 

nein

 

 

 

ja, HhSt.:

 

Im Wirtschaftsplan vorgesehen?

 

 

 

nein

 

 

Ja

 

2

 

Die Leistungen sind

 

3

 

Rechtsgrundlage/Ausschussbeschluss:

 

 

 

 

 

freiwillig

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Ggfls. weitergehende Erläuterungen siehe

Begründung, Seite/Ziffer                       )

 

 

 

durch Gesetz/Verordnung pp.

 

 

 

durch Ausschussbeschluss des LWL

 

 

 

 

 

der Art nach bestimmt

 

 

 

dem Grunde nach bestimmt

 

 

 

der Höhe nach bestimmt

4

 

 

 

5

 

 

 

6

 

 

 

Investitionskosten/einmalige Ausgaben:

 

Laufende Kosten jährlich:

 

Ergänzende Darstellung zu den finanziellen Auswirkungen (Kosten, Folgekosten, Finanzierung pp.)

 

siehe unter Ziffer

der Begründung

 

Insgesamt:           

 

EUR

 

Insgesamt:

 

EUR

 

Beteiligung Dritter:

 

EUR

 

Beteiligung Dritter:

 

EUR

 

Belastung LWL:   

 

EUR

 

Belastung LWL:

 

EUR