Eigentümer und Zugänglichkeit
Land Nordrhein-Westfalen; die Gartenanlagen sind öffentlich zugänglich.
Naturräumliche Situation und Lage
Westfälisches Tiefland - Kernmünsterland, süd- bzw. südöstlich von Nordkirchen, zwischen Nordkirchen und Südkirchen.
Allgemeine Angaben zur Geschichte, Ausstattung und Beschreibung der Anlage
Aufgrund der Größe dieser Anlage wird hier zur ersten Orientierung
eine Unterteilung in einzelne Gartenbereiche vorgenommen: Zentraler
Anlaufpunkt ist die Schlossinsel mit dem berühmten Klinkerbau von
Pictorius aus dem beginnenden 18. Jahrhundert. Das Schloss ist heute
durch buntes Treiben der Studenten der Fachhochschule für Finanzen des
Landes Nordrhein-Westfalen geprägt und beherbergt zusätzlich ein
Restaurant im Kellergewölbe. Im östlichen Seitenflügel sind eine
Kapelle und ein Trauzimmer untergebracht, hier finden jährlich etwa 400
Trauungen in romantischer Umgebung statt. Gegenüber befindet sich eine
Informationsstelle für alle Besucher. Die Schlossinsel ist unterteilt
in den Ehrenhof direkt am Schloss und den Vorhof mit größeren
Rasenflächen zwischen den ehemaligen Stallgebäuden. Beide wurden in den
1990er Jahren auf Grundlage der Planungen des berühmten Architekten
Schlaun wiederhergestellt. Von der Schlossinsel gelangt man über
Brücken nach Süden auf die so genannte Vorburg. Diese Insel wartet noch
auf ihre Rekonstruktion im Sinne der Schlaunschen Planungen. Direkt
südlich schließt ein Wegestern an, der die Schlossinsel über Alleen mit
dem Ost- und Westgarten sowie nach Süden mit dem Tiergarten verbindet.
Im Norden des Schlosses liegt die Venusinsel, das neobarocke
Schmuckstück der gesamten Anlage. Dieser Inselgarten mit Blumen,
Rasenflächen und zahlreichen Skulpturen wurde 1989-91 nach den Plänen
des berühmten französischen Gartenkünstlers Duchêne vollständig
wiederhergestellt. Im Norden dieser Insel, jenseits des Teichs setzt
ein weiterer Wegestern die Mittelachse des Schlosses weithin fort. Im
Osten dieser zentralen Anlagen befindet sich der Ostgarten. Er ist vor
allem von Waldbereichen mit Alleen und Wegesternen geprägt und
beherbergt auf seinen unterschiedlich großen Lichtungen diverse
Skulpturen aus verschiedenen Epochen sowie mit Mensa und Hallenbad zwei
Bauten aus den 1970er Jahren. Im Westen liegt der Westgarten mit
anschließenden Garten- und Waldbereichen. Hier sind zahlreiche Relikte
aus der Schaffenszeit Schlauns zu entdecken, allen voran das
Lustschloss Oranienburg, aber auch Pictorius und Duchêne haben ihre
Spuren hinterlassen. Die derzeitige Nutzung weiter Bereiche als
Pferdeweide erfordert vom Betrachter viel Vorstellungsvermögen, um die
einstige barocke Pracht vor dem geistigen Auge wieder erstehen zu
lassen. Der im Süden anschließende Rennplatz mit malerischen
Baumgruppen wurde vom letzten Grafen Esterházy Ende des 19.
Jahrhunderts angelegt und geht in den Tiergarten über, den man auf der
Südkirchener Allee durchwandern kann. Der prächtige Schlossgarten ist
frei zugänglich, das Schloss nur im Rahmen von Führungen oder bei
Veranstaltungen wie Konzerten und Tagungen. Wer sich mit der Geschichte
befasst wird im Schlosspark und der umgebenden Landschaft noch weitere
interessante Relikte alter Zeiten entdecken können:
Die erste urkundliche Erwähnung Nordkirchens ist im
Zusammenhang mit dem Knappen Johann Morrien 1324 zu finden. Die Ritter
von Morrien bewohnten zu der Zeit wahrscheinlich eine Motte im
Hirschpark östlich des heutigen Schlossparks. Ende des 14. Jahrhunderts
erhielt Johann II. von Morrien den Hof Nordkirchen als Lehen. Er hatte
dafür Zahlungen an die Grafen von der Mark leisten müssen. Anfang des
15. Jahrhunderts wird schließlich eine erste Wasserburg unter Johann
III. von Morrien erwähnt. Der Ausbau der bestehenden
Befestigungsanlagen 1516-22 scheint nicht ausreichenden Schutz geboten
zu haben, denn bereits 1528 lässt Gerhard von Morrien vom Baumeister
Henrik de Suyr aus Coesfeld (dem Erbauer von Schloss Herten) eine
Burganlage errichten. Dieses Bauwerk mit hohen Dämmen und vier
vorgelagerten Wehrtürmen war lange Zeit eine der größten und stärksten
Burgen des Münsterlandes. Sie wies nach einer Zeichnung von Peter
Pictorius d. J. keinen Garten innerhalb der Gräfte auf, verfügte aber
über Nutzgärten außerhalb der Befestigungsanlage. Die regelmäßigen
Gartenquartiere mit Zäunen, Mauern oder Hecken begrenzt, lagen im
Norden und Nordosten der Anlage und hatten keine Beziehungen zum
Schloss oder zueinander. Im Süden befanden sich Baumpflanzungen im
Quincunx, einem damals häufigen Bepflanzungsmuster. Zum Bau ihrer
ausgedehnten Anlage verlegten die Herren von Morrien das alte Dorf
Nordkirchen samt Femestuhl, Kirche und Friedhof aus strategischen
Gründen an den weiter entfernten, heutigen Ort. Durch diese Maßnahme
machten sich die Burgherren sehr unbeliebt. Nach langen
Rechtsstreitigkeiten wurden sie verpflichtet, anstelle der alten
Dorfkirche eine Kapelle zu errichten, die 1609 durch ein Steinkreuz mit
Gekreuzigtem ersetzt wurde. Ein erneuertes Kreuz aus den 1970er Jahren
an der Stelle des alten ist noch heute im Ostgarten zu sehen. Der
Vorgänger war während der Zeit der Nationalsozialisten zerstört worden.
Die Burg von Baumeister Henrik de Suyr stand etwa
150 Jahre. Sie wurde bis Ende des 17. Jahrhunderts erhalten und
möglicherweise weiter ausgebaut. Nachdem jedoch die Herren von Morrien
1691 im Mannesstamme ausgestorben waren, kaufte Fürstbischof Friedrich
Christian von Plettenberg 1694 die Anlage samt der mittelalterlichen
Gebäude und ließ bereits 1697/98 erste Entwürfe für ein neues Schloss
vom bedeutenden Barockbaumeister Gottfried Laurenz Pictorius
anfertigen. (Diese wurden jedoch nicht ausgeführt, es folgten aber
weitere.) Die heutige barocke Schlossanlage und einen ersten Garten
plante Pictorius im holländischen Stil des frühen westfälischen
Barocks. Vier kleinen Turmpavillons nehmen die Form der alten Burg auf
und interpretieren sie zeitgemäß. Das neue Schloss ersteht ab 1703 aus
Ziegeln und Sandstein und nur ein Jahr später beginnen Arbeiten am
formalen Garten im Westen der Schlossinsel. Dieser bezog sich mit
seiner Zentralachse auf die Westbrücke und mit den seitlichen
Begrenzungen auf die Turmpavillons der Schlossinsel. Der erste
Abschnitt dieses Gartens lag vertieft und hatte an der westlichen
Begrenzung, etwa 120 Meter von der Westbrücke entfernt, eine Quermauer
und ein kreisförmiges Fontänenbecken. Überdeckte Reste hiervon sind in
den 1980er Jahren bei gartenarchäologischen Grabungen gefunden, aber
nicht rekonstruiert worden. Sichtbare Relikte aus dieser Zeit sind zwei
Rundtürme aus Backstein. Sie markieren damalige westliche
Gartenbegrenzung in der Nähe der Oranienburg.
Nach dem Tod des Fürstbischofs, 1712, übernahm sein
Neffe Ferdinand von Plettenberg den Besitz und setzte die Arbeiten
zunächst fort. Der Architekt Peter Pictorius, Bruder des Gottfried
Laurenz Pictorius, entwarf beispielsweise ein Gartencasino, das 1718/19
gebaut wurde und als Erdgeschoss der Oranienburg noch heute erhalten
ist. Ferdinand von Plettenberg gehörte jedoch einer anderen Generation
an als sein Onkel und suchte sich bald mit dem bedeutenden
Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun einen moderneren Architekten und
Gartenkünstler. Dieser übernahm ab 1723 die Bauleitung,
schwerpunktmäßig für den Innenbereich des fast fertigen Schlosses und
für den Garten, der noch nicht sehr weit gediehen war. Unter Johann
Conrad Schlaun, der kurz zuvor aus Frankreich zurückgekehrt war,
entstand ab 1725 in Nordkirchen eine der bedeutendsten Gartenanlagen
der Zeit: Es war ein Garten im Stil des französischen Barock, der
Stilrichtung der späteren Barockgärten. An einigen Stellen war Schlaun
sogar seiner Zeit voraus, denn er plante nicht mehr einen primär
repräsentativen Garten, sondern eine vereinfachte Anlage mit intimen
Bosketträumen und Raumfolgen, zum Beispiel den Kabinettgärten, die
natürlicher wirkten und für die Zeit des Rokoko typisch sind.
Zunächst ließ Schlaun ab 1725 die Oranienburg
aufstocken. Er nutzte dabei das Erdgeschoss von Pictorius, fügte aber
einfühlsam ein zweites Geschoss hinzu. Um das bestehende Gebäude
möglichst weitgehend zu erhalten, setzte Schlaun das nötige Treppenhaus
der rückwärtigen Fassade als Mittelrisalit vor. Auf der Südseite
übernahm er die Fenstergliederung, schmückte aber Fenster und Türen
gemäß der neuen Nutzung als kleines Filial- oder Lustschloss stärker
aus. Entsprechend der gestiegenen Bedeutung der Oranienburg, wurde
diese zum Mittelpunkt einer neuen, in Nord-Süd-Richtung verlaufenden
Gartenachse. Kläglicher Rest dieser Achse sind vier Vasen in der Wiese
südlich der Oranienburg. Im Norden ist die Tiefe der historischen Achse
durch Einfügung eines Parkplatzes zwischen dem Bereich des ehemaligen
Rasenparterres und des Fontänenbeckens nicht mehr zu erkennen.
Im gesamten Garten war Schlauns Umgestaltung
weitaus radikaler als an der Oranienburg: Nur die Ausrichtung der
Mittelachse auf die Westbrücke am Schloss wurde beibehalten, ansonsten
wurde der gerade erst fertiggestellte Westgarten im holländischen Stil
komplett mit Boden überdeckt. An seiner Stelle entstand ein breiteres,
klassisches Rasenparterre im französischen Stil. Geplant waren hier ein
großes und vier kleinere Wasserbecken, von denen man jedoch nicht weiß,
wie weit sie ausgeführt wurden. Dieser Garten war im Norden und Süden
von Promenaden mit Kastanienalleen gerahmt, die dem natürlichen Gelände
folgend langsam nach Westen ansteigen. Hier waren in regelmäßigen
Abständen Skulpturen auf Backsteinsockeln aufgestellt, von denen heute
noch einige vorhanden sind. Ob es sich bei den Skulpturen um die in den
Jahren 1721-24 von Johann Wilhelm Gröningers Werkstatt geschaffenen
Figuren and Urnen handelt, ist nicht eindeutig nachzuweisen. Er
lieferte jedoch in jedem Fall mehrere Figuren, wie Venus, Mars,
Jupiter, Apollo, Bacchus, einen Herkules und 12 Vasen. Später wurden
auch andere Bildhauer, unter ihnen Johann Christoph Manskirch
beauftragt. Von letzterem stammen unter anderem ein Herkules Farnese
mit seiner typischen Keule und Löwenfell, ein weiterer Mars, ein
sitzender Apollo, zwei Venus-Figuren, eine Flora und zwei Satyrn. Über
Stufen gelangte man weiter westlich in ein höher gelegenes schmückendes
Broderieparterre vor der nun zweigeschossigen Oranienburg. Im
Schnittpunkt der Mittelachsen vom Westgarten und der Oranienburg war in
diesem prächtigen Gartenteil eine zentrale Fontäne geplant. Ab diesem
Broderieparterre wurde 1727 der formale Westgarten auf 580 Meter
verlängert. Es entstanden eine Boskettzone (waldartiger Bereich) mit
Rasenparterres oder Ballspielplätzen und weiter westlich zwei in der
Höhe gestaffelte Wasserreservoirs für den Betrieb der Fontänen. Im
gesamten westlichen Garten gab es zahlreiche Nischen mit Bänken, von
denen aus man die Anlage betrachten konnte.
Im Norden schlossen auf der gesamten Länge des
Westgartens mehrere Gartenkompartimente (Gartenräume) an: Parallel zum
schlossnahen Rasenparterre befand sich ein im Quincunx gepflanzter
Baumgarten mit Wegestern. Hinter der Oranienburg lag als Entsprechung
zum prachtvollen Broderieparterre ein intimer Privatgarten (jardin
privée) mit einem kleinen Broderie- und einem Rasenparterre, einem
Fontänenbecken und einer Arkade aus Treillagen sowie einem kleinen
(Obst-)Baumgarten. Dieser private Bereich war von einer Mauer umgeben
und ist heute nicht mehr als solcher zu erkennen. Westlich der
Oranienburg entstand ab 1728 ein Irrgarten, bei dem einer der
Gartentürme von Pictorius als Zugang in die aufwändige, neue Gestaltung
einbezogen wurde. Hieran anschließend wurde 1727-34 eine Fasanerie mit
Freigehege errichtet. Außer Fasanen wurden dort auch ägyptische und
englische Hühner, Tauben und Kanarienvögel gehalten. Südlich von
Irrgarten und Fasanerie lag der Boskettbereich des Westgartens und
nördlich ein weiterer "Sternbusch". Parallel zu den Wasserbassins im
äußersten Westen entstand etwa zur gleichen Zeit die neue Orangerie als
Dreiflügelanlage mit seitlichen Treibhäusern und vorgelagertem Küchen-
und Obstgarten. Die Orangerie diente zur Unterbringung von über 100
Orangenbäumen und anderen Kübelpflanzen, wie Lorbeerbäumen,
Granatapfel, Limette, Oleander und Rosmarin. Das Gebäude steht heute
noch und dient unter anderem der Ausstellung hochwertiger Gartenmöbel.
Im Küchengarten ist noch das zentrale Wasserbecken zu erkennen.
Der Nordgarten, die heutige Venusinsel, wurde erst
1732 von Schlaun geändert. Er war axial auf den Mittelrisalit des
Schlosses ausgelegt, hatte aber keine direkte Verbindung zum Schloss:
In Verlängerung der zentralen Achse des Schlosses legte Schlaun einen
Spiegelweiher und darüber hinaus eine Allee an, die in die Landschaft
ausstrahlte. Auf diese Mittelallee führten zwei kleinere Alleen vom
Schloss über die Nordinsel und bildeten gemeinsam einen Dreistrahl (ein
Patte d'oie). Zahlreiche weitere Alleen sind von 1708 bis 1724 in alle
Richtungen gepflanzt worden und tragen, ebenso wie der zwischen 1704
und 1724 angelegte Tiergarten zur Vernetzung von Schlosspark und
umgebender Landschaft bei. Der Tiergarten diente ursprünglich dem
höfischen Jagdvergnügen und war lebende Vorratskammer für die
Schlossbewohner.
Wie detailliert Schlauns Planungen ausgeführt
wurden ist noch nicht eindeutig erwiesen. Das Schicksal des Gartens war
eng mit dem seines Besitzers verbunden. Ferdinand von Plettenberg war
Erster Minister von Fürstbischof und Kurfürst Clemens August von
Bayern, dem Erzbischof von Köln und Bischof von Münster, Paderborn,
Osnabrück und Hildesheim. Clemens August war also ein mächtiger Mann,
aber sein Interesse galt mehr der Baukunst - er ließ Schloss
Augustusburg in Brühl, das Jagdschloss Clemenswerth im Hümmling und das
Schloss zu Münster bauen - und dem höfischen Leben mit Jagden und
anderen Gesellschaften. So überließ er dem äußerst fähigen und
ehrgeizigen Ersten Minister einen Großteil der Staatsgeschäfte. Aus
dieser Funktion heraus empfing Ferdinand von Plettenberg in Nordkirchen
zahlreiche erlauchte Gäste. Neben dem Fürstbischof selber kamen auch
Kaiser Karl VI und der spätere Kaiser Franz von Lothringen zu Besuch.
Dementsprechend vorzeigbar musste Nordkirchen gestaltet werden und war
es, zeitgenössischen Berichten zufolge, wohl auch. Auf der Höhe seines
Ruhmes verlor Ferdinand von Plettenberg jedoch 1733 durch ein
Missgeschick eines seiner Begünstigten plötzlich die Unterstützung des
Fürstbischofs. Er floh 1736 hoch verschuldet nach Wien, wo er bereits
1737 starb. Ferdinand von Plettenbergs Sohn Franz Joseph übernahm die
Verwaltung Nordkirchens, lebte aber mit seiner österreichischen Frau in
Wien.
Die Ausführung der Schlaunschen Planung ist durch
Rechnungen nur bis 1734/35 belegt und endete dann vermutlich auch.
Zuletzt wurden vor allem hunderte Apfel- und Birnenbäume aus Holland
gepflanzt. Die Grundstrukturen des Schlaunschen Gartens, wie zum
Beispiel die Kastanienalleen, die Höhenverhältnisse, die Oranienburg,
die Mauern der Fasanerie, die Orangerie (in den 1970er Jahren als
Pferdestall genutzt), und einige der Wege sind noch heute erkennbar.
Während die Fasanerie noch bis 1924 in Benutzung war und erst 1935
abgerissen wurde, ist die Orangerie ab 1986 restauriert worden und wird
derzeit anders genutzt.
Ab 1734/35 verfiel der Barockgarten auf Grund von
Geldmangel und Abwesenheit der Besitzer in einen einhundert Jahre
währenden "Dornröschenschlaf", bevor der nächste bekannte
Gartenkünstler ihm stellenweise seinen Stempel aufdrückte. Die Familie
Plettenberg war 1806 erstmals wieder nach Nordkirchen zurückgekehrt und
brachte ab 1813 die Finanzen in Ordnung. 1833 heiratete Gräfin Maria
geb. Plettenberg den ungarischen Grafen Nicolaus Maria Franz von
Esterházy-Galántha. Nur ein bis zwei Jahre später beauftragte das
Ehepaar den bedeutenden Königlichen Gartendirektor Maximilian Friedrich
Weyhe aus Düsseldorf mit der Umgestaltung des Gartens im damals
modernen landschaftlichen Stil. Ausgeführt wurde diese Umgestaltung im
Nordgarten (der heutigen Venusinsel und auf der Schlossinsel, mit
weitreichenden Folgen. Weyhe löste die Form des Nordgartens komplett
auf, ließ teichartige Einbuchtungen anlegen und Strauchgruppen
pflanzen. Er verband als erster die Schlossinsel über eine gusseiserne
Brücke direkt mit dem Nordgarten. Auf der Schlossinsel wurden die
kleinen Gartenräume in den Winkeln des Schlosses landschaftlich
umgestaltet. Den Westgarten betreffend schreibt die Gräfin 1846 in
ihrem Notizbuch, dass eines der Wasserbecken (Reservoirs) als Badeteich
genutzt wurde. Das hintere Reservoir wurde verfüllt, die Baumkabinetts
vor dem Irrgarten und der Fasanerie eingeebnet. An anderer Stelle wurde
eine Kegelbahn angelegt, typisch für die damalige Zeit. In seinen
Grundstrukturen blieb der barocke Westgarten jedoch weitgehend
erhalten.
Ende des 19. Jahrhunderts betätigte sich der Sohn
und Erbe des gräflichen Paares, Nicolaus Esterházy, noch einmal
landschaftlich, indem er südlich des Westgartens den so genannten
Rennplatz als Landschaftspark mit typischen Baumgruppen (clumps)
anlegen ließ. Überreste sind noch heute auf der als Pferdeweise
genutzten Fläche erkennbar. Doch Graf Nicolaus stirbt schon 1897 und
vererbt den Besitz an seinen in Ungarn lebenden Vetter.
1903 kauft Herzog Engelbert Maria von Arenberg
Schloss und Park von den Erben des Grafen und lässt fast umgehend mit
der neobarocken Umgestaltung der Anlage beginnen. Er beauftragt 1906
einen weiteren namhaften Gartenkünstler: Achille Jean Henri Duchêne ist
Franzose, arbeitete aber europaweit, unter anderem an einigen Loire
Schlössern und am Blenheim Palace in England. Er plant eine
Umgestaltung der gesamten Nordkirchener Schlossumgebung, unter
Einbeziehung der Schlaunschen Barockanlage. 1910 begannen erste
Baumaßnahmen am Schloss, im neuen Ostgarten und im Nordgarten, der
Venusinsel. Für den Westgarten legte Duchêne zwei verschiedene Entwürfe
vor, die beide die Grundzüge der Schlaunschen Anlage beibehielten,
diese jedoch mehr oder weniger prächtig rebarockisieren sollten. Zur
Ausführung gelangten diese Pläne nur in Teilen. Der Westgarten bestand
seinerzeit vor allem aus Rasenflächen und wurde nur geringfügig
verändert: Der Mittelweg erhielt begleitende Rabattenstreifen.
Westlich, oberhalb des Rasenparterres wurde eine geschwungene
Balustrade im ehemaligen Broderieparterre vor der Oranienburg erbaut,
die noch heute steht. Um 1913 erhielt die Oranienburg zwei weitere
Seitenflügel, da ein Besuch Kaiser Wilhelms II. bevorstand. Im alten
Baumgarten nördlich des schlossnahen Rasenparterres plante Duchêne ein
Boskett mit fünf Gartenräumen: ein Heckentheater, einen Gymnastikplatz,
eine Tennisanlage, einen Ruhegarten mit Blumenbeeten und einen
zentralen Tanzplatz mit Kolonnade. Ob diese Gartenbereiche ausgeführt
wurden ist unklar, es gibt jedoch ein Luftbild aus den 1930er Jahren,
das die Schaffung der Räume im Boskett vermuten lässt. Westlich des
ehemaligen Broderieparterres vor der Oranienburg lässt Duchêne neue
Laubengänge mit Rankgerüsten aus Metall erstellen, die noch heute
erhalten sind. Sie liegen im Bereich des Schlaunschen Bosketts und der
späteren Kegelbahn. Im Osten des Schlosses plante Duchêne einen völlig
neuen Garten. In Fortsetzung der Achse des Westgartens entstand ein
Boskett mit zentralem Spiegelweiher, dem Schwanenteich. Der Weiher
wurde später verfüllt und in den 1970er Jahren, gegen Proteste der
Denkmalpfleger, mit einer Mensa und einer Schwimmhalle bebaut. Nördlich
hiervon gibt es einen weiteren Gartenraum im Wald, er beherbergt ein
Rasenparterre, das Bezug auf die Venusinsel nimmt. Südlich des
Schwanenweihers entstand ein halber Wegestern mit platzartiger
Aufweitung. Hier befindet sich heute ein Fontänenbecken mit einigen
außergewöhnlichen Chinesenfiguren. Auch auf der Schlossinsel plante
Duchêne starke Änderungen, die aber größtenteils nicht ausgeführt
wurden. Es entstanden jedoch zwei neue Pavillons und anstelle der alten
Ökonomiegebäude das heutige "Reithaus" und die "Orangerie", nicht
jedoch die geplanten Galerietrakte.
Neben dem nicht mehr erhaltenen Ostgarten fanden
die größten Veränderungen durch Duchêne auf der Venusinsel statt. Die
landschaftliche Gestaltung Weyhes wurde komplett zurückgebaut und es
entstand ein neobarockes Rasen- und Broderieparterre auf einem
großzügigen Inselrechteck, das dem Corps de Logis des Schlosses
zugeordnet ist. Flankiert wurde das Parterre von Promenoirs (Wegen)
unter Kastanien mit reichhaltigem Skulpturenschmuck. Der Zugang
erfolgte weiterhin direkt vom Schloss, jedoch anstelle der gusseisernen
Brücke von Weyhe entstand eine Terrasse mit einer breiten gemauerten
Treppen- und Brückenanlage, die direkt auf die Zentralachse führt. Hier
lag ein Broderieparterre mit Buchsbaum und farbigem Kies. Im Norden
schloss in Verlängerung der Achse ein neuer Wegehalbstern an, mit
torartigen Eingängen zu den Seitenalleen. Seitlich des
Broderieparterres befanden sich zwei von Blumenrabatten gerahmte
Rasenparterres mit zentralen Skulpturen, den florentinischen Keilern.
Diese neobarocke Anlage war in den 1980er Jahren noch in Relikten
vorhanden und wurde 1989-91 gartendenkmalpflegerisch wiederhergestellt,
so dass sie heute in neuer Pracht zu bewundern ist.
Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 waren die
weiteren Arbeiten zur Umsetzung von Duchênes Plänen eingestellt worden
und damit die letzte Hochphase des Gartens beendet. 1933 richtete die
NSDAP im Schloss eine Schule für den politischen Führungsnachwuchs ein
und schändete unter anderem das Kreuz im Garten. Erst 1947 übernahm
Erbprinz Engelbert Karl von Arenberg wieder alle Besitzungen und
verpachtete das Schloss zunächst ab 1950 als Landesfinanzschule an das
Land Nordrhein-Westfalen, das umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen
vornahm. 1958 kauft das Bundesland das Gebäude und Teile des Parks.
Etwa zehn Jahre später begann der Bau der Mensa und des Hallenbades im
Ostgarten. 1973 kaufte das Land auch die Oranienburg und begann mit der
Restaurierung des Gebäudes und dem Neubau eines Wohnheimkomplexes im
nördlich davon gelegenen Sundern. 1977 zieht die Verwaltung der
heutigen Fachhochschule für Finanzen des Landes Nordrhein-Westfalen in
die Oranienburg. Das Hauptschloss dient nach wie vor als Lehrstätte.
Auf der Schlossinsel fand die gartendenkmalpflegerische
Wiederherstellung der Schlaunschen Gestaltung bereits statt, während
der Vorburgbereich noch auf seine Rekonstruktion wartet.
Ein Besuch des größten Wasserschlosses Westfalens
samt seiner ausgedehnten Gartenanlagen kann also vielfältig gestaltet
werden. Ein Angebot, von dem bereits über 500.000 Besucher jährlich
Gebrauch machen. Neben der rekonstruierten Venusinsel und den Alleen
mit teilweise mächtigen Baumriesen sind die insgesamt 385 Skulpturen
von besonderem Interesse. Das Schloss selbst, die Kapelle und die
Gastronomie sind nicht nur bei Hochzeitsgesellschaften beliebt, sondern
auch wichtige Anlaufstellen für Radtouren durch die Münsterländer
Parklandschaft. Die geplante Restaurierung weiterer Gartenteile wird in
Zukunft den derzeit zwölf Gärtnern neue Aufgabenfelder bieten und
zusätzliche Höhepunkte in dieser Anlage schaffen.
Art der Grünanlage
Schlosspark
Historischer Zeitraum:
von 1704Quellen:
Bilder und historische Karten: