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Gartenanlagen am Haus Runde, Billerbeck
Titelbild der Anlage
Kartenausschnitt zur Anlage
Kartenausschnitt: http://www.lwl-geodatenkultur.de

Eigentümer und Zugänglichkeit
Die Anlage ist privat und nur eingeschränkt öffentlich zugänglich. Der Landschaftspark ist frei z­ugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe­
Westfälisches Tiefland - Kernmünsterland; ca 5 km nordwestlich von Billerbeck in der Bauerschaft Beerlage.

Allgemeine Angaben zur Geschichte
Über die Entstehung von Haus und Garten ist erst ab dem Ausgang des Mittelalters etwas bekannt. 1370 wird der Hof erstmals im Heberegister des Münsterschen Stifts Sankt Mauritz erwähnt. Er war einer der Haupthöfe des Stifts und hieß nach den damaligen Bewirtschaftern Berterinc, später Berteling. Die Familie Berteling bewirtschaftete den Hof über viele Jahrhunderte. 1693 fiel der Hof an eine der Töchter, Maria, die mit Caspar Runde verheiratet war. Kurz danach, 1695, entstand das Torhaus, wie dem Inschriftenbalken zu entnehmen ist. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit zwischen dem Stift St. Mauritz und der Familie Runde, kaufte der Hof- und Kammerrat Bürgermeister Joan Werner Olfers, Schwiegersohn in Haus Runde, 1744 den Gräftenhof und nannte ihn nach seiner Frau "Haus Runde".

1937 übernahm Franz von Olfers die Bewirtschaftung der Flächen, zog mit seiner Familie in das Haupthaus und baute weitere Gebäude, vor allem im Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Nutzung. Die intensive Schweinehaltung ist heute aufgegeben und die meisten Flächen sind verpachtet. Die Familie betreibt jedoch Obstanbau im Nebenerwerb und trägt so und durch die Pflege des Gartens zum Erhalt des typischen Charakters dieses malerischen Hofes bei.

Gebäude und Ausstattung
Ungewöhnlich ist die Tatsache, dass das Wohnhaus und der Speicher auf der Gräfteninsel bereits frühzeitig aus Stein erbaut wurden und nicht aus Fachwerk, obwohl weder ein hochrangiger Geistlicher des Stifts noch ein Schulte nachweislich hier gewohnt haben. Der zweigeschossige Speicher aus Backstein und Sandstein kann nicht genau datiert werden, er ist aber dem Stil der Renaissance (16. Jahrhundert) zuzuordnen. Früher war das Gebäude von einer weiteren Gräfte umgeben, die in Teilen bis in die 1950er Jahre erhalten war. Heute ist nur noch eine Vertiefung im Rasen zu erkennen. Der Speicher hatte ursprünglich einen quadratischen Grundriss und diente zeitweilig auch als Aufenthaltsstätte. 1889 wurde er durch Clemens von Olfers erweitert und mit dem Südtürmchen sowie den Treppengiebeln versehen. Ebenso wie beim Haupthaus ist unklar, von wann das Wohn- und Stallhaus stammt, dessen Wohnbereich ebenfalls aus Backstein und Sandstein gebaut ist. Eine Inschrift am Torbogen (1861) führt in die Irre, denn das Haus ist schon auf Plänen von 1822 zu sehen und wird sicherlich deutlich vorher erbaut worden sein. An der Südwestseite wurde jedoch Mitte des 19. Jahrhunderts ein Anbau hinzugefügt, ebenso wie die beiden Dreistaffelgiebel. Auch wenn die Familie von Olfers Haus Runde zunächst nur als Jagd- und Sommersitz nutzte, baute sie vor allem im 19. Jahrhundert auch zahlreiche neue Gebäude, wie das Brau- und Lagerhaus mit seinem Uhr- und Glockenlaufwerk (1870), eine Fachwerkscheune und kleinere Fachwerkbauten (Ende des 19. Jahrhunderts). 1890 wurde die steinerne Brücke über die Gräfte erneuert und etwa um diese Zeit wurde auch der Landschaftspark außerhalb der Gräfte angelegt.

Art der Grünanlage
Landschaftspark (außerhalb der Gräfte)
Garten (innerhalb der Gräfte)

Beschreibung
Für den Bereich des Landschaftsparks wurde der Großvater des­ heutigen Besitzers wohl durch den Georgengarten in Hannover-Herrenhausen inspiriert. Schon damals war der Park öffentlich zugänglich. Hier stehen einige außergewöhnliche Strauch- und Baumarten, neben Blutbuchen sind dies zum Beispiel eine Schlitzblättrige Buche, eine mexikanische Kastanienart, Japanische Lärchen, ein Fächerahorn, eine Flügelnuss, ein Tulpenbaum, ein Trompetenbaum und eine Zirbelkiefer.

Südostlich der Anlage befindet sich das historische Erbbegräbnis.

Innerhalb der Gräfte bestand schon immer ein intensiv genutzter Garten, der ehemals hauptsächlich zum Obst- und Gemüseanbau diente. Heute gibt es eine Mischung aus Gemüse- und Ziergarten mit einigen Obstbäumen. Besonders beeindruckend sind die langen, mit Buchs gefassten Blumenrabatten, in denen Rosen, Lavendel und zahlreiche Stauden gedeihen. Sie führen zur schmalen Brücke über die Gräfte, die mitsamt ihrer lanzenartigen Bewehrung bereits 1855 auf einer Porzellanmalerei dargestellt wurde. An den Gebäuden ranken malerisch Wein und Spalierobst, und ein kleiner Kräutergarten liefert stets frische Zutaten für die Küche.

Historischer Zeitraum:

von 1370

Quellen:

  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe LWL-Amt für Landschafts- und Baukultur in Westfalen (Hrsg.) (2007): Gartenreiches Westmünsterland. Gärten und Parks in den Kreisen Borken und Coesfeld. Steinfurt, Seite 144 - 147.
  • Dehio, Georg (1969): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Teil Westfalen. Darmstadt, Neuaufl..
  • Bockholt, Werner/ Weber, Peter (Hrsg.) (1998): Gräftenhöfe im Münsterland - eine ländliche Siedlungsform im Wandel, dargestellt an acht ausgewählten Beispielhöfen. Warendorf.
  • Seick, Carsten (1996): Studien zu landschaftlichen Gärten und Parks in Westfalen-Lippe unter besonderer Berücksichtigung der Anlagen privater Auftraggeber. Münster, Westfälische Wilhelm-Universität Münster, Dissertation, Band 1 - 4.

Bilder und historische Karten:

Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage
Stand: 18.10.2007

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