Für die Menschen, für Westfalen-Lippe
Logo des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe
Home | Der LWL | Soziales | Psychiatrie | Maßregelvollzug | Jugend und Schule | Kultur

Hauptfriedhof Bocholt
Titelbild der Anlage
Kartenausschnitt zur Anlage
Kartenausschnitt: http://www.lwl-geodatenkultur.de

Eigentümer und Zugänglichkeit
Stadt Bocholt; die Anlage ist öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe
Niederrheinisches Tiefland - Isselebene; im nordöstlichen Stadtzentrum; etwa 25 ha.

Allgemeine Angaben zur Geschichte
Natürlich hatte Bocholt bereits vor Beginn des 20. Jahrhunderts Friedhöfe, zunächst ganz typisch an den Kirchen gelegen. Der Jüdische Friedhof befand sich damals zwischen Stadtmauer und Stadtgraben. Aufgrund von Platzmangel und infolge schneller Wiederbelegung und Problemen mit der Hygiene wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Bestattung innerhalb der Stadtmauern verboten.
1897 erwarb die Stadt Bocholt deshalb etwa fünf Hektar Ackerland an der Moltke- beziehungsweise Blücherstraße. 1904 wurde die Auflösung des alten Friedhofs vertraglich geregelt und mit Erd- und Entwässerungsarbeiten auf dem neuen Friedhofsgelände begonnen. Kurz darauf wurden Wege angelegt und am damaligen Eingang an der Moltkestraße entstanden eine Leichenhalle und eine Dienstwohnung für den Friedhofswärter. Die Gebäude stehen heute nicht mehr. Im April 1908 wurde eine erste Friedhofsordnung erlassen und ab dem 1. Mai 1908 begann die Belegung des Friedhofs. Die gärtnerische Ausgestaltung war anfangs recht schlicht, was vor allem an dem mageren Sandboden lag. Zunächst gab es nur einige Baumpflanzungen an den Hauptwegen, unbelegte Gräber waren Heideflächen. Den Plan für diesen ersten Abschnitt des Friedhofs entwarf Friedrich Hermann Kraatz, der damalige Stadtbaumeister Bocholts. Er gestaltete die Anlage als klassisch geometrische Vier-Felder-Anlage mit Wegekreuz, in der Form eines Andreaskreuzes. Am Schnittpunkt der vier Hauptwege entstand ein runder, zentraler Platz, der seit den 1930er Jahren ein Baumrondell beherbergt. Die Form dieses Baumrondells wird durch mehrere konzentrische Kreise unterstützt, die seinerzeit durch exakt geschnittene Hecken entstanden und noch heute zu sehen sind. Hier befindet sich eine Ehrenanlage für die Opfer des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Eine Birkenallee führt zu einer weiteren großen Ehrenanlage für Opfer des Zweiten Weltkriegs im Erweiterungsteil.

Die erste Erweiterung des Friedhofs (um knapp vier Hektar) erfolgte bereits 1924/25. Nachdem Anfang der 1920er Jahre das erste Garten- und Friedhofsamt der Stadt eingerichtet worden war, wurde mit deren Fachkenntnis, nach einem weit reichenden Bodenaustausch, die Bepflanzung der Anlage verbessert. An den Hauptwegen wurden Alleen gepflanzt. Noch heute helfen diese im Charakter ganz unterschiedlichen Alleen aus Birken, Kastanien, geschnittenen Platanen und Linden bei der Orientierung. In die Grabfelder wurden Baumgruppen und Hecken (vor allem aus Buche und Eibe) eingebracht, oder die Bepflanzung trennte Familien- und Reihengräber. Federführend hierbei war Garenbauinspektor Reichl. Zudem wurde die Friedhofsordnung detailliert und unter anderem durch Gestaltungsrichtlinien für Grabmale ergänzt. Hierdurch konnte die regelmäßige Gestaltung der Anlage vorteilhaft unterstrichen werden, was auch heute noch gut zur Geltung kommt. In den 1930er Jahren wurde der Haupteingang des Friedhofs an die Blücherstraße verlegt und eine neue Trauerhalle gebaut. Diese steht seit 1983 unter Denkmalschutz.

Zwei zusätzliche Erweiterungen folgten in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese Teile knüpfen zwar an die formale Anlage an, sind weniger formal gestaltet gestaltet und heben sich dadurch von den ersten beiden Abschnitten ab. Sie werden bis heute schrittweise, der Nachfrage entsprechend, ausgebaut. In den 1970er Jahren sind auch noch zwei weitere Eingänge hinzugekommen. Die gesamte Anlage ist durch einen waldartigen Randbereich und Hecken von der Umgebung abgeschirmt. Zudem wurde die Friedhofsordnung weiter geändert und zum Beispiel neue Bestattungsarten aufgenommen, so dass außer den anfänglich verfügbaren Reihen- und Familiengräbern heute auch anonyme Gräber, Urnengräber und noch weitere sieben Grabarten unterschieden werden.

Art der Grünanlage
Friedhof


Historischer Zeitraum:

von 1908

Quellen:

  • Dohle, Stephan (2006): Geschichtliche Entwicklung des Hauptfriedhofs der Stadt Bocholt. In: Unser Bocholt. Zeitschrift für Kultur- und Heimatpflege, Heft 3/2006, Bocholt, Seite 36 ff..
  • Kraatz, Hermann (1904): Entwurf und Erläuterungsbericht zum Friedhof in Bocholt. (unveröffentlicht, Stadtarchiv Bocholt), Bocholt.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe LWL-Amt für Landschafts- und Baukultur in Westfalen (Hrsg.) (2007): Gartenreiches Westmünsterland. Gärten und Parks in den Kreisen Borken und Coesfeld. Steinfurt, Seite 40 - 43.
  • o.A. (2000): Diesseits und Jenseits. In: Diesseits und jenseits. Information, Ratgeber, Standorte, Historie, Anschriften Wegweiser durch die Friedhöfe der Stadt Bocholt, Leipzig.
  • Stadt Bocholt (Hrsg.) (2005): Ort der Begegnung - Tag des Friedhofs. Bocholt 18. September 2005, Bocholt.
  • Simon, Josef (1988): Bauliche Entwicklung der Stadt Bocholt in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. In: Unser Bocholt, Heft 3/1988, Bocholt, Seite 10 ff..
  • Simon, Josef (1988): Bauliche Entwicklung der Stadt Bocholt in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. In: Unser Bocholt, Heft 4/1988, Bocholt, Seite 18 ff.

Bilder und historische Karten:

Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage
Stand: 10.06.2008

Beginn der Navigation/Link zum Seitenanfang|
Trennlinie; Beginn des Seitenfußes
© Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), 48133 Münster
Kontakt | Impressum | Hilfe |