Eigentümer und Zugänglichkeit:
Verein Mallinckrodthof e.V., 33178 Borchen, Mallinckrodtstraße 6. Die Anlage ist öffentlich zugänglich.
Naturräumliche Situation, Lage und Größe:
Paderborner Hochfläche; am südlichen Ortsausgang von Nordborchen; Größe etwa 4 Hektar.
Allgemeine Angaben zur Geschichte:
In Nordborchen gab es ursprünglich zwei Adelssitze. Das Oberhaus, aus dem der heutige Mallinckrodthof hervorgegangen ist und das Unterhaus, welches heute nur noch als Ruine erhalten ist.
Die Geschichte des Herrensitzes reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Das heutige Herrenhaus erbaute Moritz-Wilhelm von Oeynhausen als Landsitz. Nach dessen Tod 1702 wechselten die Besitzer häufig. Ab 1871 war Hermann von Mallinckrodt Besitzer des Oberhauses. Die Familie Mallinckrodt ließ Ende des 19. Jahrhunderts das Haupthaus in südlicher Richtung über die Gräfte hinweg erweitern und eine doppelläufige Treppe zum Park hin errichten. Zu dieser Zeit wurde vermutlich auch ein Park südlich des Hauses angelegt. Wegen der wechselnden Eigentümer der Anlage gibt es heute jedoch kaum Angaben über die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Parks.
Das Anwesen wurde 1911 von der "Gesellschaft für Landwirtschaftliche Frauenbildung" erworben und seitdem als Land- und Hauswirtschaftsschule genutzt. Ursprünglich lag ein Schwerpunkt der Ausbildung im gartenbaulichen Bereich, so dass der gesamte östliche Teil des Gartens, die heutige Wiese, als Nutzgarten bewirtschaftet wurde. Der Hof hatte auch Ländereien außerhalb des Dorfes, sowie eine Molkerei und Käserei in den historischen Kellergewölben des Herrenhauses.
Gebäude und Ausstattung:
Der Mallinckrodthof wird durch das barocke Herrenhaus geprägt, das von einer Gräfte umgeben ist. Von 1684 - 1686 wurde der eindrucksvolle Fachwerkbau wahrscheinlich auf den Fundamenten einer älteren Burganlage errichtet. Innerhalb der von Quellen gespeisten Gräfte befindet sich eine kleinere Gartenanlage mit dem "Annetten-Tempelchen", von dem es heißt, dass sich hier die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff aufgehalten und einen Teil der "Judenbuche" verfasst haben soll.
Art der Grünanlage:
Historischer Gutspark mit modernen Umgestaltungen.
Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte:
In den letzten Jahrzehnten hat man das Unterrichtsfach "Gartenbau" in der Ausbildung so stark reduziert, dass auch zwangsläufig die Pflegearbeiten im Garten vernachlässigt wurden. 1997 erwachte die alte Tradition des Gartenbaus am Mallinckrodthof mit einer umfassenden
Neugestaltung im Bereich des einstigen Wirtschaftsgartens. Es entstanden ein moderner Rosen- und Bauerngarten. Unmittelbar am barocken Kuhstall sind im Rosengarten zahlreiche Rosensorten und Hochstamm-Rosen angepflanzt worden. Nach alten Vorbildern entstand der Bauerngarten mit einem kreuzförmigen Grundriss und Beeteinfassungen aus Buchsbaum. Im Bauerngarten sind heute die verschiedenen Nutz- und Zierpflanzen zu finden, die im Schulbetrieb für Tischdekorationen und als Gewürze für die Küche verwendet werden. Neben typischen Stauden wie Rittersporn, Küchenschelle oder Tränendes Herz und bekannten Gewürzpflanzen wie Schnittlauch, Petersilie und Liebstöckel finden sich auch alte Heilkräuter wie Lavendel, Salbei und Pfefferminze.
Heutiger Zustand / Nutzung:
Insgesamt lassen sich die Außenanlagen des Mallinckrodthofes heute in drei Bereiche einteilen. Vom Parkplatz kommend erreichen die Besucher zunächst die Gräfte mit dem Herrenhaus und der kleinen Gartenanlage mit einem Pavillon, dem "Annetten-Tempelchen". Über eine kleine Brücke östlich des Hauses erreicht man den Rosen- und Bauerngarten, an den sich eine weitläufige Wiese anschließt. Der gesamte Bereich gehört zum einstigen großen Wirtschaftsgarten.
Südlich des von alten Bäumen umgebenen Herrenhauses liegt der großzügige Landschaftspark. Das sanft zur Aue des Flüsschens Altenau abfallende Gelände wird von einem alten Baumbestand gesäumt. In dessen Zentrum befindet sich eine große Wiese mit Obstbäumen, die bis heute zur Versorgung des Hofes dienen. In der südlichen Ecke des Parks befindet sich ein historischer Felsenkeller, der auch heute noch zur Lagerung von Obst und Gemüse genutzt wird. Das Eingangsportal des Kellers war ursprünglich mit einer steinernen barocken Christusfigur bekrönt. Sie ist heute an der nordwestlichen Ecke der Gräfte aufgestellt. Vom Felsenkeller führt der Weg durch eine alte Lindenallee wieder zurück zum Herrenhaus.
Historischer Zeitraum:
von 1880 - 1900Quellen:
Bilder und historische Karten: