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Gartenanlagen am Haus Vorhelm, Vorhelm
Titelbild der Anlage
Kartenausschnitt zur Anlage
Kartenausschnitt: http://www.lwl-geodatenkultur.de

Eigentümer und Zugänglichkeit
Privat; die Anlage ist nicht öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe
Westfälisches Tiefland - Kernmünsterland; nordöstlich von Ahlen und nordwestlich des Ortsteils Vorhelm; etwa 3 ha.

Allgemeine Angaben zur Geschichte
Als Besitz einer Familie von Tork wird Haus Vorhelm schon im 14. Jahrhundert erwähnt. Seit dem frühen 18. Jahrhundert war die Anlage im Besitz der Grafen von Droste zu Vischering. Heute bewohnt die Familie des Grafen von Schall-Riaucour das Anwesen.

Gebäude und Ausstattung
Auf der Hauptinsel einer insgesamt sechs Inseln umfassenden Gräftenanlage wurde in mehreren Bauphasen das schlichte, zweigeschossige Herrenhaus errichtet. Der Erker mit der Auslucht stammt aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, der nördliche Anbau wird auf 1702 datiert. Aus welcher Zeit der mittlere Bau stammt, ist unbekannt. Die Gebäude wurden im 19. Jahrhundert mit einem einheitlichen Zementputz versehen. Der Hauptflügel des Wohngebäudes hat einen Dachreiter und der seitliche Flügel im Süden fällt durch einen dreistufigen Staffelgiebel und einem zweigeschossigen Erker auf. Zwei historische Mühlen und ein alter Schafstall stehen außerhalb des Wasserschlosses. Durch eine barocke Toranlage gelangt man über eine ehemalige Zugbrücke auf die Vorinsel mit zwei Ökonomiebauten aus dem 20. Jahrhundert. Das größere Gebäude im Süden mit einer Durchfahrt wurde vor einigen Jahrzehnten auf der Grundfläche eines Vorgängerbaus erneuert.

Beim Rundgang um Haus Vorhelm fallen mehrere sehenswerte historische Bildstöcke und Skulpturen auf, die als Flurdenkmale und als Wallfahrtsstationen auf dem Weg zur wenige Kilometer entfernten Barockkapelle in Tönnishäuschen dienen. In der näheren Umgebung von Haus Vorhelm wurden die meisten Bildwerke zur Zeit des Barock um die Mitte des 18. Jahrhunderts aufgestellt.

Art der Grünanlage
Barocke Gartenanlage auf der südwestlichen Garteninsel; Landschaftsgarten des 19. Jahrhunderts auf Hausinsel.

Beschreibung
Von der Landstraße Münster - Beckum führt eine herrliche Lindenallee zum Adelssitz. Die unteren Äste der Alleebäume wurden an der Feldseite nicht wie sonst üblich entfernt, sondern hängen malerisch bis zum Erdboden herab. Die Feldflur des Herrensitzes wird außerdem in nördlicher Richtung von einer neu angepflanzten Kastanienallee und in östlicher Richtung von einer alten Eichenallee erschlossen.

Inmitten des vom Hellbach gespeisten Gräftensystems liegen die fast 3 ha großen Gärten. Auf einer eigenen Insel ist ein großer Zier- und Nutzgarten angelegt. Die weitläufigen Flächen der Garteninsel werden an den Umgangswegen durch hohe, doppelreihige Hainbuchenhecken begrenzt. Ein fast 100 m langer Laubengang schließt die Garteninsel in südlicher Richtung ab. Die ältesten Hainbuchen der Hecken und des Laubengangs wurden vor ungefähr 250 Jahren gepflanzt. Als Rest der barocken Gartenausstattung hat sich im Kreuzungspunkt der Mittelwege eine seltene Polyeder-Sonnenuhr von 1747 erhalten. Der südliche Bereich der Insel wurde vermutlich immer als großflächiger Nutzgarten zur Versorgung der adeligen Bewohner mit Obst und Gemüse bewirtschaftet. In den letzten Jahren ist die gesamte Fläche mit Rasen begrünt und anstelle der Wege eine Bepflanzung mit Rosen und Buchsbäumen angelegt worden. Am Endpunkt der Querachse steht im Norden ein runder Gartenpavillon.

Im westlichen Bereich der Garteninsel hat sich die barocke Grundstruktur ebenfalls erhalten. Am Endpunkt des von einer hohen Hainbuchenhecke gerahmten westlichen Außenweges steht eine barocke Gartenskulptur. Der Putto gehörte zu einem in der Gartenkunst des Barock häufig aufgestellten Skulpturengruppe, welche die "Vier Tageszeiten" symbolisierten. Die erhaltenen Gartenskulptur stellt allegorisch den Mittag dar. Auf die historische Gestaltung des Gartens weist auch eine alte Eibengruppe hin. Die Eiben sind im Laufe der Jahrhunderte zu einer hohen Laube zusammengewachsen und akzentuieren den Kreuzungspunkt der Mittelwege. Im 19. Jahrhundert wurde der nördliche Randbereich des Gartens landschaftlich umgestaltet. Seit dieser Zeit führt ein Schlängelweg durch eine Gehölzpflanzung unmittelbar an der Gräfte auf eine kleine Anhöhe hinauf.

Auf dem Weg von der Garteninsel zur Hauptinsel wird der Hellbach mit einer Brücke überquert, an der zwei Torpfeiler mit aufgesetzten Vasen stehen. Der ungewöhnliche Standort der beiden ins frühe 18. Jahrhundert datierten Torpfeiler gibt bisher einige Rätsel auf. Sie markieren heute eine lange Wege- und Sichtachse, die von der Garteninsel bis zum herrschaftlichen Garten auf der Hauptinsel reicht. Vermutlich hat man zeitgleich mit dem Herrenhaus im 17. Jahrhundert auf der Hauptinsel einen heute nicht mehr erhaltenen Garten angelegt, der einige Jahrzehnte später eben durch diese repräsentative Toranlage betont wurde. Erhalten hat sich aber auf der Hauptinsel noch ein kleiner Landschaftsgarten, den Graf Caspar Max von Droste zu Vischering im 19. Jahrhundert anlegen ließ. Das Erscheinungsbild des Landschaftsgartens im Osten des Hauses wird seitdem durch mehrere Eichen- und Ahorngruppen, einzelnen Solitärbäumen wie Blutbuchen, Linden und Platanen und unmittelbar am Haus durch eine offene Wiesenfläche bestimmt. Einige Bereiche der von einem Umgangsweg erschlossenen gärtnerischen Anlage sind leider schon so stark zugewachsen, daß nur noch schwer die ursprüngliche Gestaltungsidee erkennbar ist.

Im Osten des zum Dorf führenden Dammweges liegt in der zu einem größeren Teich verbreiterten Gräfte eine weitere Insel. Dabei handelt es sich um die ehemalige Bleichinsel des Herrensitzes mit einem kleinen Waschhäuschen.

Pflegezustand
Bis auf den Landschaftsgarten im Osten der Hausinsel werden die Gartenanlagen gut gepflegt.

Historischer Zeitraum:

von 1747

Quellen:

  • Schopf, Regine von (1988): Barockgärten in Westfalen. Worms.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.)/ Bufe, Thomas/ Kalle, Hartmut (Texte) et al. (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems (regionaler Reiseführer). Münster-Hiltrup, Seite 101 - 105.
  • Seick, Carsten (1996): Studien zu landschaftlichen Gärten und Parks in Westfalen-Lippe unter besonderer Berücksichtigung der Anlagen privater Auftraggeber. Münster, Westfälische Wilhelm-Universität Münster, Dissertation, Band 1 - 4, Band 3, Seite 481.
  • Röschenbleck, Paul (1996): Neue Bildstöcke am Wallfahrtsweg. In: Der beflügelte Aal: Heimatliches aus Ahlen-Dolberg-Vorhelm 15/1996, Ahlen, Seite 42 - 46.
  • Schall-Riaucour, Wilderich von (1983): Zunächst nur ein Längsbau in paralleler Lage zum Hellbach? Zur Baugeschichte von Haus Vorhelm. In: Der beflügelte Aal : Heimatliches aus Ahlen-Dolberg-Vorhelm. 1983, Band 2, Ahlen, Seite 24 - 26.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.)/ Bufe, Thomas/ Kalle, Hartmut (Texte) (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems [ein Projekt im Rahmen der Regionale 2004 links und rechts der Ems]. Münster-Hiltrup, Seite 130 - 133.

Bilder und historische Karten:

Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage
Stand: 01.01.2002

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