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Gartenanlagen am Haus Mauritzheide, Münster-Mauritz
Titelbild der Anlage
Kartenausschnitt zur Anlage
Kartenausschnitt: http://www.lwl-geodatenkultur.de

Eigentümer und Zugänglichkeit
Orden der Clemensschwestern; die Anlage ist nicht öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe
Westfälisches Tiefland - Kernmünsterland; etwa 2 km nordöstlich der Altstadt unmittelbar am Dortmund-Ems-Kanal; etwa 4 ha.

Allgemeine Angaben zur Geschichte
Vermutlich im späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert entstand vor den Toren von Münster im Amt St. Mauritz das klassizistische Landhaus Coppenrath. Regierungspräsident Dr. Alfred von Gescher ließ anstelle des klassizistischen Landhauses im frühen 20. Jahrhundert als Wohnsitz eine repräsentative Villa errichten. Die Bauten der erst als Haus von Gescher und später als Haus Mauritzheide bezeichneten Anlage wurden 1973 abgerissen.

Gebäude und Ausstattung
Ein Plan aus dem Jahre 1884 der Umgebung von Münster zeigt die Anlage von Haus Coppenrath mit dem Landhaus als Hauptgebäude, zwei seitlich nach Norden angeordneten Wirtschaftsbauten und einer Garteninsel. Beim Neubau der repräsentativen Villa von Gescher blieben die beiden Wirtschaftsgebäude vermutlich erhalten, flankierten das neue Hauptgebäude aber nun aus südlicher Richtung. Die neu errichtete zweigeschossige Villa mit Mansarddach entstand vermutlich nach Plänen des Regierungsbaumeisters Alfred Hensen und zeichnete sich durch einen mächtigen Portikus mit vier Säulen im Süden und zwei turmartigen Anbauten an der Gartenseite im Norden aus.

Art der Grünanlage
Villengarten

Beschreibung
Von dem Neubau der Villa für den Regierungspräsidenten Dr. Alfred von Gescher haben sich noch zwei in den Jahren 1909 und 1910 gezeichnete Gartenentwürfe erhalten, die von der Firma Körner und Brodersen aus Berlin-Steglitz angefertigt wurden. Die Planung stammt aus der Hand des namhaften Kgl. Gartenbaudirektors Albert Brodersen (1857-1930). Er war von 1910-25 als Nachfolger von Hermann Mächtig städtischer Gartendirektor von Berlin. Berühmte Vorgänger von Brodersen und Mächtig waren Gustav Meyer und Peter Joseph Lenné. Beide Pläne zeigen detailliert die Disposition der Bauten und Gartenanlagen und sind wohl größtenteils in der dargestellten Form zur Ausführung gekommen. Die Zufahrt aus südlicher Richtung führte durch einen kleinen Park, der durch geschwungene Wege und auf weiten Wiesenflächen locker gepflanzten Baum- und Strauchpflanzungen gegliedert. Der Hof der großzügigen Villenanlage wurde durch ein großes, ovales Schmuckbeet dominiert. Hinter dem östlichen Wirtschaftsgebäude waren als Nutzgärten eine Baumwiese, ein ausgedehnter Obst- und Gemüsegarten sowie mehrere Frühbeetkästen und ein Gewächshaus angeordnet. Im Norden der Villa wurde ein geometrischer Ziergarten auf einer einstufigen Gartenterrasse gestaltet. Die Gartenseite der Villa war auf ein großes Rasenparterre mit Blumenrabatten ausgerichtet, dessen beiden Längswege in der Verlängerung über zwei Brücken auf die Garteninsel führten. Hier sollte bei der Planung Brodersen das schon vorhandene Wegesystem erhalten bleiben. Vorher erfolgte der Zugang auf die Garteninsel über eine Brücke aus westlicher Richtung. Noch heute ist am Ostufer der Garteninsel eine aus Bruchsteinen gemauerte Nische zu erkennen. Vermutlich handelte es sich dabei um eine Grotte der Vorgängeranlagen, deren Wände nach mündlicher Überlieferung einst mit farbigen Fliesen geschmückt waren. Nördlich der Gräfteninsel schließt sich eine höher gelegene Fläche an. Hier hat man beim Bau des Dortmunder-Ems-Kanals im späten 19. Jahrhundert eine Erdhalde aufgeschüttet, die in der nachfolgenden Zeit überwiegen mit Eichen und Buchen bepflanzt wurde. Zur gleichen Zeit pflanzte man vermutlich auch eine markante Eichenreihe, die einen großen Teil der Anlage nach Osten hin abschließt. Auffällig ist im Westen der Anlage jenseits der Weide eine Kastanienallee, die einen alten Weg am Fuße des Schifffahrter Dammes flankiert und vor allem eine mächtige alte Linde mitten auf der Weide. Bis heute wird die gärtnerischen Gestaltung der großzügigen Gesamtanlage durch zahlreiche Altbäume bestimmt, unter denen besonders mehrere mächtige Buchen und Platanen sowie alte Eiben, Stechpalmen (Ilex) und Rhododendron auffallen.

Pflegezustand
Die Anlage ist verwildert, die wesentlichen Gartenstrukturen sind aber noch heute zu erkennen. Bei einer beabsichtigten Neubebauung der Anlage sollten die historischen Gartenelemente und Strukturen erhalten bleiben.

Historischer Zeitraum:

von 1909 - 1910

Quellen:

  • Gröning, Gert/ Wolschke-Bulmahn, Joachim (1997): Grüne Biographien. Biographisches Handbuch zur Landschaftsarchitektur des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Berlin-Hannover, Seite 53.

Bilder und historische Karten:

Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage
Stand: 01.01.2002

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