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Weberpark, Oerlinghausen
Titelbild der Anlage
Kartenausschnitt zur Anlage
Kartenausschnitt: http://www.lwl-geodatenkultur.de

Eigentümer und Zugänglichkeit:
Privateigentum. Der Park ist öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe:
Am Osthang des Teutoburger Waldes; südlich vom Ortskern am Hang des Kalderberges; Größe etwa 2 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte:
Bereits 1850 verlegte der Leinenhändler und Fabrikant David Carl Weber seinen Wohnsitz und die Produktionsanlagen von Bielefeld nach Oerlinghausen. In der nachfolgenden Zeit stieg die Firma C. Weber und Co. zum größten Feinleinenhersteller Deutschlands auf. Die große mechanische Weberei hatte um die Jahrhundertwende zeitweise eintausend Beschäftigte.

Gebäude und Ausstattung:
Der Park wird nach Norden durch die Fabrikantenvilla, das sogenannte Weberhaus, sowie ein langgestrecktes Kontorgebäude im neubarocken Stil begrenzt.

Positive Akzente werden im Park mit den Plastiken von Berthold Müller-Oerlinghausen gesetzt. Der aus der Fabrikantenfamilie stammende Künstler war ein Enkel des Firmengründers. Die beiden naturalistischen Bronzeskulpturen "Der Abschied" und "Harmonie" laden die Besucher des Parks zur stillen kontemplativen Betrachtung ein.

Art der Grünanlage:
Historischer Villenpark.

Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte:
Der etwa 2 Hektar große Landschaftspark am Hang des Kalderberges wurde in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts angelegt. Am Haupteingang zum Park erinnert heute eine Büste an den Gründer des Textilimperiums. Hinter der Fabrikantenvilla und dem großen neubarocken Kontorgebäude öffnet sich der Park zunächst mit einer großen, leicht ansteigenden Wiese. Die landschaftliche Gestaltung setzt sich mit kulissenartig gepflanzten Gehölzgruppen fort, die durch ein System von Schlängelwegen erschlossen werden. Geschickt arrangierte Randbepflanzungen mit immergrünem Rhododendron und verschieden Stauden ergänzen die sorgfältig aufeinander abgestimmte Pflanzenauswahl von Koniferen und Laubgehölzen.

Der Weberpark mit seiner erhaltenen Substanz und dem alten und seltenen Baumbestand ist ein Kulturdenkmal, das den Lebensstil des Großbürgertums am Ende des 19. Jahrhunderts widerspiegelt. Die gehobene Gesellschaft setzte ihre kultivierten Ansprüche an einen großzügig und luxuriös ausgestatteten Wohnraum mit der gartenkünstlerischen Gestaltung des Außenbereichs weiter fort. Durch eine geschickte Staffelung der Gehölze und der Auswahl von seltenen Pflanzen entstand in Oerlinghausen eine eindrucksvoll arrangierte Naturszenerie.

Heutiger Zustand / Nutzung:
Der Park erstreckte sich ursprünglich bis fast an den Kamm des Osning. Nach dem Bau einer den Park zerschneidenden Straße entwickelte sich die südliche Parkseite am steilen Osning-Hang zum Buchenwald. Erhalten ist der nördliche Parkteil.

Ein dendrologischer Lehrpfad ermöglicht die Bestimmung der verschiedenen Bäume und Sträucher. Von den Laubgehölzen sind eine prächtige Hängebuche, zwei alte Federbuchen (Fagus sylvatica "Laciniata"), eine eindrucksvolle Gold-Ulme sowie eine mehrstämmige Flügelnuss (Pterocarya fraxinifolia) hervorzuheben. Eine kleinblättrige Eibe (Taxus baccata "Adpressa") und drei um 1870 gesetzte Silber-Tannen (Abies procera) sind seltene Koniferen in der artenreichen Bepflanzung des Parks. Neben vielen Gehölzen stammen die Einfassungen der Wege und die niedrigen, grottenartig gestalteten Mäuerchen an den Ruheplätzen noch aus der Entstehungszeit des Parks.

Durch den Bau eines zusätzlichen Wohnhauses hinter dem Kontorgebäude, und die Umzäunungen der Wohngebäude mit einem Maschendrahtzaun ist ein sichtbarer Eingriff in die ursprünglich großzügige und weiträumige Gestaltung des Parks erfolgt. Im östlichen Parkbereich wird eine befestigte Fläche für Konzerte und Veranstaltungen genutzt.

Sonstiges:
Vom Wohlstand der Fabrikantenfamilie Weber - später Müller - zeugen in unmittelbarer Nähe des Weberparks mehrere gut erhaltene Villenbauten des Historismus. Der Schwiegersohn von David Carl Weber, Bruno Müller, ließ das Gebäude mit dem auffälligen Gartenpavillon an der Straße erbauen (Detmolder Straße 26). Etwas versteckt liegen am bewaldeten Hang des Kalderberges die repräsentativen Wohnhäuser der Enkel des Firmengründers. Bauherr der neugotischen "Alten Müllerburg" (Detmolder Straße 24) war Georg Müller. Der Bruder Richard Müller, Mitinhaber der damals weitbekannten Leinenweberei und Präsident des deutschen Leinenverbandes in Berlin, beauftragte 1912 den berühmten Architekten Hermann Muthesius mit den Planungen für eine großzügige Villa (Detmolder Straße 20). Das harmonisch in die Umgebung eingefügte Gebäude ist mit seiner noblen und zurückhaltenden Architektur in Verbindung mit dem landschaftsgärtnerisch gestalteten Umfeld für Ostwestfalen-Lippe ein herausragendes Denkmal.


Historischer Zeitraum:

von 1850 - 1899

Quellen:

  • Freitag, Eberhard (Hrsg.) (1978): Oerlinghausen auf alten Postkarten. Oerlinghausen.
  • Harms, Harry (1980): Gehölze in den Parkanlagen von Lippe. Park Weber in Oerlinghausen. In: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde, Band 49, Detmold, Seite 224 - 229.
  • Diekmann, Hermann (1936): Die Geschichte der Bergstadt Oerlinghausen im Teutoburger Wald. Detmold, Seite 150 - 152.
  • Bufe, Thomas/ Neuling, Walter et al. (2002): Garten- Landschaft OstWestfalenLippe. Dokumentation bedeutender Park- und Gartenanlagen im Regierungsbezirk Detmold. Beiträge zur Landschafts- und Baukultur in Westfalen-Lippe. Band 3.2: Kreis Lippe. Zugleich CD-ROM, Münster.
  • Winkler, Herbert (1994): Baudenkmäler in Lippe. In: Heimatland Lippe 12/1994, Detmold, Seite 329 - 333.
  • Bufe, Thomas (2000): Gartenreise - Ein Führer durch Gärten und Parks in Ostwestfalen-Lippe. Münster, Seite 122 - 124.

Bilder und historische Karten:

Bild zur Anlage Bild zur Anlage
Stand: 01.01.2000

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