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Schlosspark Vinsebeck
Titelbild der Anlage
Kartenausschnitt zur Anlage
Kartenausschnitt: http://www.kuladignw.de

Eigentümer und Zugänglichkeit:
Privateigentum. Die Anlage ist nach Voranmeldung zu besichtigen.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe:
Weserbergland, am Rande der Steinheimer Börde, nordöstlich der Ortschaft Vinsebeck. Größe des Schlossgartens ca. 2 ha.

Allgemeine Angaben zur Geschichte:
Das Wasserschloss Vinsebeck wurde vom Hildesheimer Dombaumeister Justus Wehmer in den Jahren 1717-20 für die Herren von der Lippe erbaut. Neben dem eigentlichen Bauherrn Johann Friedrich Ignatz von der Lippe haben sich auch seine drei Brüder am Schlossbau finanziell beteiligt. Sie hatten als Domherren von Hildesheim und Paderborn ein entsprechendes Vermögen, und bekamen als Gegenleistung für die Mitfinanzierung eigene Wohnungen im Schloss.

Durch Erbfolge gelangte 1765 das Wasserschloss mit einem prachtvollen Barockgarten an die Familie von Wolff-Metternich zur Gracht. Sie ist seitdem Eigentümer der eleganten Schlossanlage mit den dazugehörigen Gutsgebäuden.

Gebäude und Ausstattung:
Das Wasserschloss steht auf einer Insel, die von einer rechteckig ummauerten Gräfte umgeben ist. Die gegenüberliegenden Fassaden des Gebäudes sind jeweils völlig gleichmäßig gestaltet. Eine seitliche Zufahrt führt über den Wirtschaftshof zur Schlossbrücke und dann auf die fast quadratische Gräfteninsel. Zwei mächtige Rundtürme flankieren nach Norden die Eckpunkte der Insel.

Die Ausstattung des Gartens mit barocken Skulpturen stammt noch aus der Entstehungszeit. Im Mittelpunkt der Broderieparterres wurden vier weibliche Figuren als Darstellung der Tageszeiten aufgestellt und an der Gartenbrücke zwei tapfere Kriegerfiguren postiert. Als Brunnenfigur befindet sich der zu einem späteren Zeitpunkt aufgestellte Meeresgott Neptun genau in der Mittelachse der Gesamtanlage. Die Originale der großen Vasen und Pflanzschalen stammen vermutlich aus dem 18. Jahrhundert. Der Garten ist vom Haus aus über eine Brücke zugänglich, die als Besonderheit mit einer hölzernen Zugbrücke unterbrochen wird.

Art der Grünanlage:
Historischer Schlossgarten.

Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte:

Seit 1718 ist im Süden des Gebäudes ein etwa 2 ha großer Barockgarten nachweisbar. Den besten Eindruck über die ehemalige Gestaltung des barocken Gartens können die Besucher bei einer Führung durch das Schloss bekommen. Im sogenannten "Mohrenzimmer", dem einstigen Schlafzimmer des Schlossherrn, ist die ursprüngliche Gartenanlage auf einer großflächigen Wandbespannung in allen Einzelheiten dargestellt. Deutlich lässt sich die barocke Flächengliederung mit einem Hauptachsenkreuz und untergeordneten Wegekreuzen erkennen. Das Gartenkarree war damals in sechzehn Felder unterteilt. Ein achteckiger Brunnen mit einer Fontäne bildete das Zentrum. Umgeben war der Brunnen von vier kunstvoll gestalteten Broderieparterres. Hohe Mauern und Hecken umgrenzten den herrschaftlichen Garten.
Im Westen lag einst der Baumgarten mit Obstbäumen und an der Ostseite des Hauses, genau zwischen der Gräfte und dem Heubach, ein kleiner Gemüsegarten.

Erst zur 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der geometrische Barockgarten in einen Landschaftsgarten umgestaltet. Anstelle der strengen Achsensymmetrie bestimmten nun geschwungene Wege, größere Rasenflächen mit Blumeninseln, verschiedene Gehölzgruppen und die Neupflanzung von exotischen Solitärbäumen das Erscheinungsbild der Anlage. Die landschaftliche Gestaltungsphase des Schlossgartens ist heute noch am alten Baumbestand erkennbar.

Seit den späten 60er Jahren des 20. Jahrhunderts erfolgte im Zusammenhang mit der detailgetreuen Restaurierung des Gebäudes auch die Wiederherstellung des barocken Erscheinungsbildes des Gartens. Auf die Rekonstruktion der einstmals differenzierten Flächengliederung des Barockgartens wurde verzichtet und statt dessen eine einfache, ungegliederte Rasenfläche neu angelegt. Anstelle der pflegeintensiven Broderieparterres sind vier halbkreisförmige Rosenbeete neu entstanden. Zudem stellte man die zwischenzeitlich entfernten barocken Gartenskulpturen wieder am originalen Standort auf.

Heutiger Zustand / Nutzung:
Den vorläufigen Endpunkt in der Entwicklungsgeschichte des einstmals prachtvollen und repräsentativen Schlossgartens setzt eine zeitgenössische Planung, die im Jahr 2000 umgesetzt wurde. Vier langgestreckte, leicht ansteigende und sich in südlicher Richtung geringfügig verjüngende Rasenflächen sollen das barocke Gliederungsmotiv neu interpretieren. Die Kontrastierung mit weißen Kieswegen erhöht zudem die räumliche Tiefenwirkung und führt den Blick in die freie Landschaft. Neben dem reduzierten Pflegeaufwand soll somit die gartenkünstlerische Eigenart der Anlage erhalten bleiben. Der Schlossgarten ist nur nach Anmeldung zugänglich.

Weitere Abbildungen:
Westfalica Picta, Band V, S. 508-511

Historischer Zeitraum:

von 1718

Quellen:

  • Alber-Longère, Christine (1986): Schloss Vinsebeck in Steinheim. In: Schlösser, Burgen, Herrensitze in Ostwestfalen-Lippe, Bielefeld, Seite 232 - 234, Seite 232 - 234.
  • Schopf, Regine von (1988): Barockgärten in Westfalen. Worms.
  • Bufe, Thomas (2000): Gartenreise - Ein Führer durch Gärten und Parks in Ostwestfalen-Lippe. Münster, Seite 181 - 184.
  • Matzner, Florian/ Schulze, Ulrich (1995): Barock in Westfalen - Ein Reiseführer. 1. Auflage, Münster, Seite 191.
  • Wengerzink, Lothar (1992): Adelssitze im Kreis Höxter in lithografischen Ansichten des 19. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Kreis Höxter 1992, Höxter, Seite 147 - 151.
  • Püttmann, Klaus G. (1986): Die barocken Schlossbauten Justus Wehmers in Westfalen zu Bedingungen und Wegen in der Architekturrezeption. Denkmalpflege und Forschung in Westfalen, Band 13. Zugleich, Münster, Universität, Dissertation, Bonn.
  • Bufe, Thomas/ Neuling, Walter et al. (2002): Garten-Landschaft OstWestfalenLippe. Dokumentation bedeutender Park- und Gartenanlagen im Regierungsbezirk Detmold. Beiträge zur Landschafts- und Baukultur in Westfalen-Lippe. Band 3.1: Kreis Höxter. Zugleich CD-ROM, Münster.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe Westfälisches Museumsamt (Hrsg.)/ Püttmann, Kristin (Bearb.) (1988): "... zur noht und zur lust." Orangerien und Gewächshäuser in den Gärten westfälischer Schlösser. Katalog zu einer Ausstellung in Rheda-Wiedenbrück, Münster.

Bilder und historische Karten:

Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage Bild zur Anlage
Stand: 01.01.2000

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