Eigentümer und Zugänglichkeit
Stadt Bielefeld, die Anlage ist öffentlich zugänglich.
Naturräumliche Situation, Lage und Größe
Im Zentrum der Stadt Bielefeld, zwischen Jahnplatz und Kesselbrink, Größe etwa 1,2 ha .
Allgemeine Angaben zur Geschichte
1804 erließ Napoleon ein französisches Gesetz über das Anlegen von Begräbnisstätten in dem bestimmt wurde, dass Begräbnisplätze außerhalb der Dörfer und Städte mit einer Entfernung von 35 m anzulegen seien.
Nach dem Sieg Napoleons über Preußen gehörte Bielefeld von 1807 bis 1813 zum Königreich Westfalen, für das dieses Begräbnisgesetz ebenfalls galt.
Auf Befehl der französischen Regierung wurden die bis dahin genutzten innerstädtischen Kirchhöfe geschlossen. Der Magistrat der Stadt Bielefeld erwarb 1808 in der Nähe des Niedertores (hinter dem jetzigen Haus der Technik) ein etwa 1,4 ha großes Gelände. Der neue Friedhof wurde mit einer 2,5 m hohen Ziegelmauer gefasst und erhielt ein monumentales Eingangsportal aus Sandstein. Der Magistrat beschloss 1875 die Umwandlung des "Alten Friedhofs" in einen Park.
Viele Besitzer von Erbbegräbnissen waren mit der Schließung des Friedhofes nicht einverstanden, so dass der Magistrat einer Verlängerung der Nutzungszeit von 30 auf 50 Jahre - bis 1936 - zustimmte. Da eine Schließung und Entwidmung des Friedhofes auch nach 1936 nicht ausgesprochen wurde, finden auf dem "Alten Friedhof" immer noch Bestattungen in Erbbegräbnissen - heute in Familiengrabstätten umbenannt - statt.
1893 wurde der "Alte Friedhof" ein letztes Mal erweitert, so dass er schließlich etwa 1,7 ha groß war. Alle weiteren Veränderungen hatten eine Verkleinerung der Bestattungsflächen zur Folge: Ausbau der Körnerstraße 1909, Errichtung Haus der Technik 1928, Anlage eines Spielplatzes 1934.
Gebäude und Ausstattung
Nach einer Inventarisierung durch die Stadt Bielefeld 1983 befinden sich auf dem Friedhof 306 Grabmale, Gedenkzeichen, Grabplatten, Grabkreuze und Grabskulpturen aus allen Epochen. Besonders herausragend ist eine hohe Grabsäule für den Pfarrer Scherr (1865). Daneben finden sich Grabmale zahlreicher prominenter Bielefelder Bürgerinnen und Bürger. Das Sandsteinportal wurde 1928 beim Bau des "Haus der Technik" abgebrochen.
Art der Grünanlage
Öffentliche Grünanlage mit Wahrung des Friedhofcharakters.
Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte
Über die frühere Gestaltung des "Alten Friedhofs" gibt es keine Aufzeichnungen mehr. Um 1889 wird von einer Umgestaltung des Friedhofs und 1905 von einer weiteren Umwandlung berichtet. Der erste erhalten gebliebene Bestattungsplan stammt vom 10. Februar 1910 und ist im Maßstab 1:200 gezeichnet.
Im mittleren Bereich des Friedhofs befanden sich mehrere größere Rasenflächen mit vereinzelten Grabhügeln. Einzelne geschwungene Wege durchzogen parkartig die Grünflächen. Der Eingangsbereich zeigt ebenfalls einige geschwungene Wege. Im Anschluss daran folgten größere Erbbegräbnisse und Ehrengräber. Weitere geschlossene Grabreihen befinden sich im Bereich der Einfriedigungsmauer, die durch drei parallel ausgewiesene Wege erschlossen wurden.
Der zweite Bestattungs- und Lageplan von Juli 1933 zeigt anstelle der landschaftlichen Gestaltung eine strenge architektonische Aufgliederung des Friedhofs und sieht die Planung eines Kinderspielplatzes im nördlichen Friedhofsteil vor.
Anfang der 1950er Jahre wurde der große Mittelteil erneut als Grünanlage mit Blumenbeeten und Staudenrabatten ausgestaltet. Eine niedrige Bruchsteinmauer mit kleinen Holztoren an den Eingängen trennt den Friedhof von der Heeper Straße, und zum neu ausgebauten Kinderspielplatz an der Körnerstraße wurde der Jägerzaun mit Hainbuchenhecke erneuert. Der "Alte Friedhof" wurde bis 2000 nur als innerstädtische Grünfläche genutzt. Wegenetz und Flächenaufteilung entsprechen im Wesentlichen noch der Nachkriegsgestaltung. Wohl aufgrund der relativen Abgeschlossenheit durch die umgebende Bebauung war hier zeitweise ein sozialer Brennpunkt entstanden.
Der Pflegezustand insbesondere der Grabmale und der ehemaligen Grabflächen war teilweise schlecht. Weder die Nutzungsprobleme noch der Pflege- und Unterhaltungszustand entsprachen der zentralen städtischen Lage sowie der "Würde des Ortes" als ältestem Kommunalfriedhof Bielefelds.
Heutiger Zustand / Nutzung
Die Stadt Bielefeld hat im Jahr 2000 beschlossen, den "Alten Friedhof" neben seiner Funktion als öffentliche Grünfläche wieder als Begräbnisstätte vorwiegend für Urnen zu nutzen. Zu diesem Zweck wird eine Kapelle errichtet. Am Eingang Friedrich-Verleger-Straße entsteht eine Urnenwand. Im Ostteil des Friedhofs werden geschlossene Flächen für eine Neubelegung hergerichtet (Stand Februar 2001). Verbunden mit diesen Maßnahmen ist eine Instandsetzung historischer Grabmale sowie der Bepflanzung.
Historischer Zeitraum:
von 1808Quellen:
Bilder und historische Karten: