Einblicke in den Arbeitsalltag

Unternehmen im Porträt

In Westfalen arbeiten mehr als 100 Integrationsunternehmen und -abteilungen in höchst unterschiedlichen Branchen. Auf diesen Seiten stellen wir eine ganze Reihe dieser Firmen vor – und beleuchten den gemeinsamen Arbeitsalltag der Menschen mit und ohne Behinderungen.

Mehr als nur Einkaufen

„Carekauf“-Supermarkt versorgt in Unna-Hemmerde ein Dorf und gibt Menschen mit Behinderung Arbeit

Ümran Kanar pendelt. Fünf Tage die Woche, jeweils 26 Kilometer. Für eine Fahrt. Zwischen Bergkamen und Hemmerde, das im Kreis Unna zwischen drei Autobahnen liegt. Ohne Supermarkt, ohne funktionierende Nahversorgung, wie es im Planer-Deutsch heißt. Bis Ümran Kanar und ihre zehn Kollegen ins Dorf kamen. Als die 38-Jährige zum ersten Mal ihren Rollstuhl in Hemmerde aus dem Auto wuchtete, waren die Regale im „Carekauf“ noch leer. Doch dann wurde aus der Idee „Ganz nah für sie da“ schnell Wirklichkeit. Weiterlesen ...

„Hier blüh’ ich auf.“

Michael Jung findet im Siegener Integrationsunternehmen Reselve in der alten Heimat einen neuen Anfang

Trupbach – da ist Michael Jung daheim. „Feuerwehr, Heimatverein, Fußballverein“, beschreibt der gelernte Maler und Lackierer, was das 2000-Einwohner-Dorf bei Siegen für ihn ausmacht. In dem Ort ist er aufgewachsen, zur Schule gegangen. Dort lebt er mit seiner Familie und seinen Freunden. Vor gut zwei Jahren hat der 41-Jährige den Pinsel aus der Hand gelegt, ist wegen einer schweren Depression ins Krankenhaus gekommen. „Da war ich weg vom Fenster.“ Seit einem Jahr hat der stämmige Mann eine neue Arbeit in Trupbach – als Hausmeister bei Reselve. „Und mein ganzes Umfeld sagt: Sei froh.“ Weiterlesen ...

„Einfach machen und durch“

Die Varia GmbH montiert als Dienstleister einen der stabilsten Rad-Gepäckträger und ist dafür nach Münster gezogen

Alexa Berndt packt an. „Wenn Tüten gepackt werden, dann bin ich da“, beschreibt die Münsteranerin ihren Job. „Wenn Tüten getackert werden, dann bin ich an der Tacker-Maschine. Wenn bei der Montage wer fehlt, dann bin ich da.“ Mit einem Wort: Die 37-Jährige arbeitet bei der Varia GmbH „überall“. Sie rollt an jeden Arbeitsplatz, wenn dort ein Job zu erledigen ist. Weiterlesen ...

Weglaufen klappt nicht immer

Trotz harten Wettbewerbs haben beim privaten Postdienstleister ABL in Altena mehr als die Hälfte der Mitarbeiter eine Behinderung

Etwas ist anders. Bei der Begrüßung reicht Benjamin Al-Bahah die Hand. Blaue Krawatte, passendes hellblaues Hemd zum schwarzen Anzug mit dezenten hellblauen Streifen. „Das fällt nicht jedem auf“, sagt er, lächelt, schaut auf die Finger seiner rechten Hand. „Eine nervliche Behinderung, die Sehne ist eingeklemmt und angerissen.“ Die Taktik, mit seiner geschädigten Hand nicht aufzufallen, kennt er. Schon Zeit seines Lebens. „Das ist auch eine Sache des Trainings“. Weiterlesen ...

Beruf, Bude, Beziehung

Das Integrationsunternehmen HFR Rümpelfix in Münster gibt Menschen mit Behinderung Arbeit und Sicherheit

Kasse, Quittungsblock und Stempel hat er vor sich. Links die Kontrollmonitore der Kameras. Tesa-Roller, Rechner, Locher stehen rechts. Dazwischen Wasserflasche und Telefon. Udo Mathias hat alles im Griff in seinem Laden. Der Ort hinter der Theke ist der Arbeitsplatz des 40 Jahre alten Münsteraners. Sechs Tage die Woche ist er der Herr eines Dauer-Flohmarkts. Weiterlesen ...

Neues Konzept im ältesten Haus der Stadt

Im Café Anker Villa in Rheda-Wiedenbrück sorgen Menschen mit und ohne Behinderung für perfekten Service

Kuchen verkaufen, das macht Ann-Sophie Bathe am liebsten. „Heute haben wir Käsekuchen, Apfelkuchen, Kirsch-Krokant und Mandarine-Maracuja“, zählt sie auf. In ihrer roten Schürze steht die zierliche junge Frau hinter der Kuchentheke oder bringt den Gästen Kaffee an den Tisch. Zwischendurch verpackt sie kleine Nussecken für den Verkauf, bindet sorgfältig rote Schleifen um die durchsichtigen Cellophan-Tüten. Weiterlesen ...

Das Handicap spielt keine Rolle

16 Menschen mit Behinderung sorgen für perfekte Verhältnisse auf dem Golfplatz Haxterpark in Paderborn

Als Jörg Glörfeld und seine drei Kollegen an Loch drei ankommen, scheint die Sonne hoch vom Himmel. Der Mann im grünen Arbeitsanzug schnappt sich den Handrasenmäher und legt los. Sehr konzentriert rasiert er den dichten Rasen auf vier Millimeter Länge ab, versucht, keinen Weg doppelt zu fahren. „Jörg“, ruft sein Kollege herüber, „du musst hier am Rand noch einmal her.“ Glörfeld dreht sich um, nickt und dreht den Mäher herum. „Ok, mache ich.“ Und schiebt noch eine Runde entlang des rund angelegten Grüns auf dem Golfplatz Haxterpark in Paderborn. Weiterlesen ...

 

Qualität auf allen Ebenen

Bei der Arbeitsgemeinschaft Arbeit in Detmold produzieren Menschen mit Behinderung für den Weltmarkt

Eines nach dem anderen nimmt Monika Dämmrich die grünen Kunststoffteile aus der Kiste, konstant und ruhig. Im Hintergrund ist Radiomusik zu hören, der Lokalsender. Die 53-Jährige greift nach ein paar silbernen Schräubchen, die sie auf dem Tisch bereitgelegt hat, dreht sie in die eine Gehäusehälfte, fügt anschließend die zweite hinzu. Das fertige Teil legt sie fein säuberlich in einen weiteren Behälter. Sie schaut kurz hoch, blickt durch den Raum, in den durch die Dachfenster die Sonne hineinscheint. Dann rückt sie ihren Stuhl zurecht und nimmt das nächste hellgrüne Gehäuse in die Hand. Weiter geht’s. Weiterlesen ...

Arbeiten am richtigen Platz

Die Autowerkstatt FahrFair in Herford verbindet Handwerk und Engagement

Das Leben von Jürgen Swagelski veränderte sich am 21. Mai 2008 von einem Moment auf den anderen. Der damals 20-Jährige hatte sich von einem Freund ein Quad geliehen, eine Art vierrädriges Motorrad. Der erfahrene Motorroller-Fahrer setzte seinen Helm auf. Er fuhr los auf eine kleine Spritztour. Nach einer Kurve überholte er zwei Autos, verlor plötzlich die Gewalt über die Maschine und kam von der Straße ab. Erst einen Monat später erfuhr er, was danach passiert war. Weiterlesen ...

 

Die Profiköche

Oro Verde in Lippetal-Lippborg produziert ökologische Produkte für Großabnehmer und den Naturkosthandel

Mit drei, vier Handgriffen setzt Alexander Teichrib das Schneidwerk ein. Er dreht die Schrauben fest, testet kurz die Funktion, klappt die Metallluke zu. Die Maschine ist betriebsbereit. Nachdem er sich ein anderes Paar Einmalhandschuhe übergestreift hat, greift er in die Plastikwanne mit den grünen Paprikaschoten. Seine Kollegin Stefanie Preuß hat das Gemüse soeben am großen Waschbecken von den Kernen und Strünken befreit und anschließend säuberlich gewaschen. Alexander Teichrib legt einige in den Einfüllstutzen, drückt einen Knopf – und unten prasseln fein geviertelte Stücke in den bereit gestellten Behälter. Weiterlesen ...

Fehlerquote null Prozent

Das Integrationsunternehmen PSA GmbH mit der Abteilung DMS in Bocholt digitalisiert Akten und ermöglicht Rafa Lawah ein Arbeitsleben trotz einer schweren Behinderung

Büroklammern, Heftklammern und gelbe Klebezettel. Diese drei unscheinbaren kleinen Helferlein sind in den meisten Büros rund um den Globus zuhause. Taucht auch nur eines der drei Dinge vor Rafa Lawahs Augen auf, dann gibt’s mehr Arbeit. Nicht nur für die 25-jährige Bocholterin mit dem Lockenkopf – sondern gleich auch für ihre Kollegen in der DMS Abteilung. Denn Rafa Lawah scannt Akten ein, aber Scanner mögen keine Büro- und Heftklammern, wie es sie zuhauf in Akten gibt. Weiterlesen ...

Von Anis bis Zimt

Ein Integrationsunternehmen führt die traditionsreiche Gewürzmanufaktur Fortkamp & Wiegers in Gelsenkirchen weiter

Sandy Sommer sortiert in einer weißen Pappkiste auf dem Tresen kleine Cellophan-Tütchen. Weißer Pfeffer, doppelt in Reih und Glied, der Inhalt kaum mehr als daumendick. Oben mit einer Klammer zugedrückt. „Fein gemahlen, 50 Gramm“, ist auf dem Etikett zu lesen. Die Frau im weißen Kittel richtet daneben eine Reihe mit schwarzem Pfeffer auf. Die Mitnahme-Päckchen für die Theke im Direktverkauf. Sandy Sommer sagt: „Die sind beliebt“. Weiterlesen ...

Saubere Arbeit

In der Bäckerei Grobe in Dortmund wurde aus der Reinigungs- eine Integrationsabteilung

„Pause zu Ende“, sagt Jennifer Kretschmann. Sie nimmt ihre Wasserflasche vom Tisch im Aufenthaltsraum, in dem sie erst seit fünf Minuten mit zwei Kollegen sitzt. Ein Schluck noch, dann geht`s zurück an die Arbeit. Die 27-Jährige in der grauweiß-karierten Bäckerhose und dem grünen Sweat-Shirt steht auf, sagt: „Bis später.“ Die weiße Mütze zieht sie etwas tiefer ins Gesicht. „Die müssen wir wegen der Sauberkeit tragen“, erklärt sie und macht sich auf den Weg in die Produktionshalle der Bäckerei Grobe in Dortmund. Weiterlesen ...

Mit Rotation zum Erfolg

In Hagen-Hohenlimburg arbeiten bei Springtec, Schrimpf & Schöneberg behinderte und nicht behinderte Menschen eng zusammen

Bei Knut Schuster war es der Vater, der ihm klarmachte, dass Menschen mit Behinderungen ebenso große Chancen wie nichtbehinderte Menschen haben sollten. Schon, weil sein Papa an einer offenen Tuberkulose litt und eine Wirbelsäulenverkrümmung sowie eine dementsprechende Körperhaltung hatte. „Wenn die anderen Kinder mir mal sagten, dass er sich aber komisch bewegen würde, habe ich immer nur geantwortet, dass er genauso ein Vater wie alle anderen ist“ ... Weiterlesen ...

Schweißen für den Weltmarkt

Das Integrationsunternehmen Komet in Gütersloh setzt behinderte und suchtkranke Mitarbeiter am richtigen Arbeitsplatz ein

Funken sprühen, knappe Anweisungen hallen durch die hohe Werkhalle. Die Sonne scheint durch das Fenster. Aber die Arbeiter haben keinen Blick für das schöne Wetter. Einige tragen Stahlstangen in die Ecke des Raums, in der ein Kollege mit Gesichtsschutz das Material zusammenschweißt. Mittendrin Ralf Hoffmann, im Blaumann. Er hat alles im Blick, prüft Schweißverbindungen, klopft einem Kollegen auf die Schulter. Weiterlesen ...

Deutschlands Einzige

Behindertengerecht und barrierefrei: In Bigge brauen Sauerländer mit und ohne Behinderung Biere

Um ihn herum zischt und dampft es. Heute wird das naturtrübe Kellerbier abgefüllt. Ein paar Stunden hat Ralf Beckmann unter der riesigen schwarzen Plastikschürze schon auf die vor ihm vorbeiklimpernden Bierflaschen geschaut. Er sitzt in seinem Rollstuhl und hat ein Auge darauf, ob das „Josefs“-Kopfetikett gerade über dem Verschlussbügel sitzt. Kontrolliert, ob die Flaschen richtig befüllt sind. Weiterlesen ...

Waschküche mit Aussicht

Alexianer-Projekt in Münster

Es klingt wie? Holländisch? Oder doch Norwegisch? Vor ein paar Tagen hat eine Kundin Anna-Lena Smania gefragt, woher aus den Niederlanden sie denn stamme. „Da war ich erst ganz irritiert.“ Wobei das „ich“ bei ihr eher nach einem „ick“ klingt. An sich ist in der Uni-Stadt Münster ein ausländisch klingender Akzent nicht ungewöhnlich. Für die Emsdettenerin mit den hochgesteckten, schwarzen Haaren ist die Frage ein dickes Kompliment. Weiterlesen ...

Flexibel und zuverlässig im Job

Donaldson in Dülmen

Jörg Bußmann montiert große, schwarze Luftfilter für einen Lasterhersteller. Einzwängen, festzurren, schrauben. Kurze, sichere Handgriffe. Der schlanke 35-Jährige mit dem Donaldson-Logo auf dem Blaumann schiebt den Filter lässig über die Werkbank zu seiner Kollegin. Sie lässt den fertigen Einsatz gleich in einen Pappkarton verschwinden. Zweimal falten – und schon ist der Filter versandfertig in der großen Transportbox. Minutensache. Weiterlesen ...

Nah am Kunden

CAP-Markt in Bottrop-Grafenwald

Nein, dass sie einmal gerne kassieren würde, hätte sich Anne-Kathrin Hasebrink früher nicht träumen lassen. Wegen einer Rechenschwäche macht sie um Zahlen eigentlich gerne einen großen Bogen. Heute sitzt die Verkäuferin dagegen liebend gern an einer der Kassen des „CAP-Marktes“, zieht Produkte über den Scanner und plauscht dabei mit Kundinnen und Kunden. Weiterlesen ...

Das Modell „Aspethera“

Volle Integration und vollkommener Service – geht gut zusammen.

Sobald Gäste das Haus betreten, schenkt ihnen Bettina Rehaag ein Lächeln. Sie blickt von ihrer Tastatur auf, begrüßt die Ankommenden und checkt sie mit zwei, drei routinierten Fragen in ihre Zimmer ein. Die 27-Jährige sitzt an der Rezeption des Hotels Aspethera am Rande der Paderborner Innenstadt – im Rollstuhl. Weiterlesen ...

Alle(s) unter einem Dach

Das "Servicehaus" in Stemwede

Wenn Lothar Pannen von seiner Arbeit erzählt, merkt man schnell, dass es bei ihm mehr um Berufung als um einen Beruf geht. Vor allem sein großes und jüngstes Projekt, das gemeinnützige Unternehmen Servicehaus Stemwede, erklärt er enthusiastisch und mit viel Energie. Weiterlesen ...

Museum ohne Direktor

Das HeinrichNeuyBauhausMuseum in Steinfurt schafft Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen

Graue Haare, Goldbrille, hellblaue Jeans, braune Boots-Schuhe, ein Polo-Shirt in Pink. Jürgen Holtz steht mit einem Lächeln in der eichenen, reich verzierten Eingangstür, begrüßt die Besucher. Aber auch wenn es so aussieht, das HeinrichNeuyBauhausMuseum in Steinfurt hat keinen Direktor. Und auch keinen Museumsführer. Beides macht dann und wann Jürgen Holtz. Ehrenamtlich. Weiterlesen ...