Marion Beiring

Individuelles Hilfeplanverfahren

Der Mensch im Mittelpunkt

Bei Anträgen auf Hilfen in betreuten Wohnformen von wesentlich behinderten Menschen aller Zielgruppen führt die LWL-Behindertenhilfe Westfalen ein individuelles Hilfeplanverfahren durch.

Gemeinsam mit den Menschen mit Behinderungen werden der individuelle Hilfebedarf und die benötigten Unterstützungsleistungen festgestellt und geplant. Dabei steht die Schaffung oder Erhaltung einer eigenen Häuslichkeit im Vordergrund. Wenn dies nicht möglich sein sollte, kommen auch das Betreute Wohnen in Gastfamilien oder eine stationär betreute Wohnform infrage.

Wichtig ist, dass die Bedarfserhebung gemeinsam mit den Menschen mit Behinderungen und ggf. ihren Angehörigen oder Bezugspersonen stattfindet. Nichts wird ohne die Menschen mit Behinderungen entschieden. Wichtige Punkte, die im Hilfeplanverfahren geklärt werden müssen, sind unter anderem:

  • Welche Hilfeleistungen benötigen die Menschen mit Behinderungen?
  • Wann, wie oft und wie lange brauchen sie diese Hilfeleistungen?
  • Wo können sie diese Hilfeleistungen am besten bekommen?

Das Hilfeplanverfahren im Detail:

  1. Beantragen
  2. Prüfen
  3. Besprechen
  4. Planen
  5. Entscheiden

 

  1. Beantragen

Um diese Fragen beantworten zu können, benötigt der LWL verschiedene Unterlagen:

Den sogenannten Sozialhilfegrundantrag, mit dem die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse geprüft werden. Das Formular bekommt man beim örtlichen Sozialamt.

Den sogenannten „Erhebungsbogen zur Beurteilung des Hilfebedarfs“ einschließlich der nötigen Anlagen.

Die „Persönliche Stellungnahme“ ist unverzichtbarer Teil der Bedarfsermittlung. Dort sollen die Menschen mit Behinderungen sich im Vorfeld des Hilfeplangespräches aus ihrer Sicht zu ihrer Lebenssituation und ihren Fähigkeiten äußern. Die Persönliche Stellungnahme darf nicht von einem Fachdienst ausgefüllt werden.

Diese Formulare erhält man zum Beispiel beim Sozialdienst, der Werkstatt, der behandelnden Klinik, bei einer Kontakt- und Beratungsstelle oder beim örtlichen Sozial- oder Gesundheitsamt. An all diesen Stellen gibt es Fachleute, die gerne beim Ausfüllen der Unterlagen helfen.

Alle Formulare können auch direkt beim LWL angefordert werden. Die Adresse lautet:

Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)
LWL-Behindertenhilfe
48133 Münster

Die Vordrucke können auch aus dem Internet heruntergeladen werden. Die Adresse lautet:

www.lwl-hilfeplanverfahren.de

 

  1. Prüfen

Der Antrag landet bei den Fachleuten in der LWL-Behindertenhilfe: den sogenannten Hilfeplanerinnen und Hilfeplanern. Sie prüfen die Bedarfe und Wünsche, beantworten die Fragen und treffen schnelle Entscheidungen in Not- oder Eilfällen. Wer sich um den Antrag kümmert, kann im Internet unter www.lwl-hilfeplanverfahren.de: Aufstellung der Hilfeplaner und Hilfeplanerinnen nachgelesen werden.

Zunächst prüft die Hilfeplanerin/der Hilfeplaner, ob der Antrag vollständig ist, und sorgt dafür, dass fehlende Unterlagen nachgereicht werden. Wenn dann noch wichtige Informationen fehlen, nehmen die LWL-Fachleute mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten Kontakt auf. Oder sie setzen sich mit anderen Stellen wie dem Gesundheitsamt oder dem Behindertenhilfefachdienst des LWL in Verbindung.

 

  1. Besprechen

Sind die Unterlagen vollständig, werden die Menschen mit Behinderungen zu einem Hilfeplangespräch eingeladen. Das ist eine Art „runder Tisch“, an dem alle noch offenen Fragen geklärt werden. Am Ende des Gesprächs steht die Entscheidung über den Antrag.

Beim Hilfeplangespräch treffen die Menschen mit Behinderungen ihre Hilfeplanerin/ihren Hilfeplaner persönlich. Außerdem sind einige weitere Fachleute dabei:

  • von dem örtlichen Sozial- oder Gesundheitsamt
  • von den Leistungsträgern der ambulanten Dienste und Einrichtungen
  • von den Leistungsträgern der stationären Einrichtungen

Die Menschen mit Behinderungen nehmen in der Regel an der Hilfeplankonferenz teil. Wenn sie an dem Gespräch nicht allein teilnehmen möchten, können sie Personen ihres Vertrauens mitbringen: zum Beispiel Angehörige oder ihre gesetzliche Betreuerin/ihren gesetzlichen Betreuer. Wenn sie nicht persönlich kommen können oder wollen, können sie sich auch vertreten lassen.

 

  1. Planen

Das Hilfeplangespräch wird als Teamgespräch durchgeführt. Im Rahmen des Gespräches werden gemeinsam mit den Menschen mit Behinderungen der Bedarf und die Ziele erörtert und festgelegt. Um die geeignete Betreuungsform zu finden, fließen die individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse sowie Überlegungen und Planungen für den zukünftigen begleitenden Betreuungsprozess ein.

Die Mitglieder der Hilfeplankonferenz sprechen eine „Empfehlung“ zur möglichen Betreuungsform und zum Umfang der Betreuung aus. Der Hilfeplan macht es möglich, den Erfolg der vereinbarten Unterstützung zu überprüfen.

Die LWL-Behindertenhilfe hat in allen Kreisen und kreisfreien Städten in Westfalen-Lippe Hilfeplankonferenzen eingerichtet.

So kann das Hilfeplangespräch immer in Ihrer Nähe stattfinden. Bei komplexen Hilfebedarfen werden Bedarfe und Betreuungsmöglichkeiten im Rahmen eines Hausbesuches gemeinsam erörtert.

 

  1. Entscheiden

Über die Empfehlung der Teammitglieder entscheiden die Hilfeplanerinnen und Hilfeplaner der LWL-Behindertenhilfe noch in derselben Konferenzsitzung. Über den Inhalt und das Ergebnis des Hilfeplangespräches wird den Menschen mit Behinderungen eine Ausfertigung des Protokolls ausgehändigt.

Mit dieser rechtsverbindlichen, befristeten Entscheidung können sie die bewilligte Wohnhilfe im Prinzip sofort in Anspruch nehmen. Wann sie tatsächlich mit dem Ambulant Betreuten Wohnen anfangen oder in ein Wohnheim ziehen können, hängt dann davon ab, wie schnell eine geeignete Wohnung oder eine Gastfamilie gefunden wird oder ob ein Platz im gewünschten Wohnheim frei ist.

 

„Wunsch- und Wahlrecht“

Die Festlegung der Ziele, die Bestimmung von Wohnform und Umfangs der Betreuung orientieren sich an den Wünschen und prägen die sozialhilferechtliche Leistungsgewährung.

 

Wunsch auf Beratung in der Hilfeplankonferenz

Die LWL-Behindertenhilfe führt immer ein Hilfeplangespräch, wenn die Menschen mit Behinderungen, ihre Angehörigen oder die rechtliche Vertretung dies wünschen. Dies gilt auch für Folgeanträge, da Anträge auf Weiterbewilligungen nicht regelhaft beraten werden.

Die Hilfeleistungen, die der LWL zusagt, sind zeitlich begrenzt, meist auf einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren. Wenn danach weiterhin Unterstützung benötigt wird, kann zusammen mit der Betreuerin/dem Betreuer des ambulanten Dienstes rechtzeitig vor Ablauf der Frist ein Verlängerungsantrag gestellt werden. Die Hilfeplanerin/der Hilfeplaner wird dann gemeinsam mit den Menschen mit Behinderungen einschätzen, ob die bisherige Unterstützung ausreicht, ob sie verringert werden kann oder ob sie erhöht werden muss.

 

Datenschutz

Die Entscheidungen des Hilfeplanverfahrens werden schriftlich festgehalten. Alle Teilnehmer der Konferenz stehen unter Schweigepflicht.