Erfolge und Ziele

Wohnen

Leichte Sprache

Artikel 19 der UN-Behindertenrechtskonvention

„Die Vertragsstaaten anerkennen das gleiche Recht von Menschen mit Behinderungen, mit gleichen Wahlmöglichkeiten wie andere Menschen in der Gemeinschaft zu leben, ihren Aufenthaltsort zu wählen und zu entscheiden, wo und mit wem sie leben. Sie sind nicht verpflichtet, in besonderen Wohnformen zu leben“.


Artikel 28 der UN-Behindertenrechtskonvention

„Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen auf einen angemessenen Lebensstandard für sich selbst und ihre Familien, einschließlich angemessener Ernährung, Bekleidung und Wohnung [...]."

 

Die Anzahl der Menschen mit geistiger Behinderung über 60 Jahren in Wohnangeboten wird sich bis 2030 fast verfünffachen. Der Grund dafür: der demografische Wandel. Derzeit liegt die Lebenserwartung der Männer mit geistiger Behinderung, die betreut wohnen, bei 71 Jahren; die der Frauen mit geistiger Behinderung bei 73 Jahren. Die Altersstruktur verändert sich dramatisch:
Unter den Erwachsenen mit geistiger Behinderung werden die über Sechzigjährigen ihren Anteil verdreifachen, von jetzt 10 auf 31 %. Zudem nimmt auch die Zahl der Menschen mit einer psychischen Behinderung zu. Mit den Fallzahlen steigen auch die Ausgaben, die wesentlich zur prekären Finanzlage der kommunalen Ebene beitragen. Dringend notwendige gesetzliche
Veränderungen stehen nach wie vor aus. Die Kommunen und die Landschaftsverbände fordern die vollen Leistungen der Pflegeversicherung auch für Menschen mit Behinderungen – unabhängig von ihrer Wohn- und Betreuungssituation. Darüber hinaus ist die Einführung eines Bundesteilhabegeldes als erster Schritt für ein Bundesleistungsgesetz für Menschen mit Behinderungen eine zentrale gesellschaftliche und sozialpolitische Aufgabe. Der LWL rechnet mit einer Entlastung der kommunalen Haushalte bei den Ausgaben zur Unterstützung
von Menschen mit Behinderungen durch den Koalitionsvertrag auf Bundesebene. Es ist ein Erfolg der Landschaftsverbände, die jahrelang gemeinsam mit ihren Mitgliedern  Überzeugungsarbeit zur Beteiligung des Bundes an den Kosten der Eingliederungshilfe
geleistet haben.
Nach wie vor steigen die Kosten in Westfalen-Lippe jährlich um rund 100 Mio. Euro, weil mehr Menschen mit Behinderungen Eingliederungshilfe brauchen. An diese Kostenentwicklung, die bundesweit zu beobachten ist, muss der Bund seinen Entlastungsbeitrag dann anpassen, fordert der LWL. Auch die Gestaltung des Sozialraums, also des gesamten Umfelds, in dem die Menschen mit Behinderungen leben, ist eine der großen Herausforderungen der kommenden Jahre. Dazu gehört der knappe kostengünstige Wohnraum für Menschen mit Behinderungen und die teilweise noch mangelnde Barrierefreiheit der baulichen Angebote und aller nötigen Informationen.
Die Übergänge zwischen heutigen stationären und ambulanten Wohnformen müssen fließend gestaltet und bestehende Hemmnisse beseitigt werden. Um das umsetzen zu können, müssen einheitliche Vergütungsstrukturen entstehen. Sie tragen zudem dazu bei, dass die Leistungen vergleichbarer und transparenter werden.

Freie Wahl von Wohnformen ermöglichen

LWL-Sozialdezernent Matthias Münning

LWL-Sozialdezernent Matthias Münning

„Inklusiv Wohnen in den eigenen vier Wänden, das ist für mich das optimale Miteinander. Der LWL hat in der Vergangenheit seine Hausaufgaben gemacht – aber das Ziel ist noch nicht erreicht. Wenn der Bund hilft, ein Bundesteilhabegeld einführt und den Menschen mit Behinderung, die in stationären Einrichtungen leben, die vollen Leistungen der Pflegeversicherung gewährt – dann wäre ein Quantensprung Richtung Inklusion gemacht. Inklusion heißt aber auch, Behinderung zu verhindern. Der LWL hilft Menschen, die Opfer einer Gewalttat wurden, wieder in die Gesellschaft zurückzukehren. Auch sie sollen wieder aktiv am Leben teilhaben, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten und in der eigenen Wohnung leben können.“

Die LWL-Behindertenhilfe Westfalen stellt die Menschen mit Behinderungen in die Mitte. Ihre individuellen Wünsche, Fähigkeiten und Bedarfe sind entscheidend. Sie sollen ihren Aufenthaltsort wählen können, ob in der Gemeinschaft oder allein. Die LWL-Behindertenhilfe Westfalen arbeitet personenzentriert. Um die Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, kooperieren beide Landschaftsverbände zudem mit den Trägern der freien Wohlfahrtspflege, um die Entwicklungen NRW-weit steuern zu können und mehr Innovationen einfließen zu lassen. Das selbstständige Wohnen soll auf diese Weise von der Ausnahme, die es noch im Jahr 2003 war, zur Regel werden. Dies gilt auch für Menschen mit geistiger Behinderung und für älter werdende Menschen mit Behinderungen.