Gewürze spielten im Mittelalter eine ebenso bedeutende wirtschaftliche und politische Rolle wie heute das Erdöl. Der Gewürzhandel war ein einträgliches Geschäft und Grundlage des unermesslichen Reichtums einer Stadt wie Venedig.
Gewürze verbindet der normal Sterbliche gewiss nicht mit Gelsenkirchen. Dennoch dürfte das einzigartig auf der Welt sein: Neben dem alteingesessenen, über 100 Jahre alten, gewerblichen Gewürzverarbeitungs- und Handelsunternehmen Werner & Co. in Gelsenkirchen, das seit vielen Jahren besonders betroffene schwerbehinderte Menschen beschäftigt und bereits im Jahr 2010 eine Integrationsabteilung eingerichtet hat, wird nun das seit 1928 bestehende, ebenfalls in Gelsenkirchen angesiedelte Unternehmen Gewürzmühle Fortkamp & Wiegers als gemeinnütziges Integrationsunternehmen fortgeführt. Für dessen Solidität spricht u.a., dass dort früher einer der beiden ALDI-Gründer persönlich ein- und ausging. Fortan nennt man sich auch Gewürzmanufaktur und unterstreicht damit, dass die anerkannt hohe Qualität immer noch auf sorgfältiger Handarbeit beruht.
Die bestehenden Arbeitplätze bleiben erhalten, neue kommen hinzu. Auch für Menschen mit Behinderung. Zwei sind es bereits jetzt, weitere folgen und zwar demnächst 2 Wechsler aus den Gelsenkirchener Werkstätten. Der Betrieb handelt, mahlt in eigenen Mühlen, reinigt, verpackt und konfektioniert Gewürze. Bisher werden vorwiegend Discounter beliefert. Die Geschäftsaussichten sind positiv. Viele Kundenanfragen konnten in der Vergangenheit mangels Kapzität nicht bedient werden. Noch ist die Produktion gedrosselt. Der Betriebsleiter Herr Puzicha freut sich schon darauf, sie nach der noch laufenden Modernisierung weiter auszuweiten. In Zukunft kommen ein Ladengeschäft und ein Versandhandel für Privatkunden hinzu.
Das Projekt wurde im Rahmen des Landesprogramms „Integration unternehmen!“ durch das Land NRW und den LWL gefördert. Es trug dazu bei, das Ziel von zusätzlich mindestens 1000 neunen Arbeitsplätzen zu erreichen. Dies war Anlass genug für einen Besuch von Staatssekretär Dr. Wilhelm Schäffer aus dem NRW-Arbeitsministerium und LWL-Landesrat Matthias Münning am 30.8.2011. „Arbeitsplätze mitten drin in der Stadt, interessante Tätigkeiten, ordentlich bezahlt und dabei riecht es noch gut – wenn das keine Inklusion ist!“, so der Kommentar des LWL-Sozialdezernenten, der sich über den Zuwachs an Teilhabe im allgemeinen Arbeitsmarkt gerade in Gelsenkirchen besonders freut.