Das Bild zeigt eine Familie

Westfälische Pflegefamilien

Erzieherische Hilfen für entwicklungsbeeinträchtigte Kinder

Sie möchten gerne ein Pflegekind in Ihre Familie aufnehmen und haben keine Angst vor einer besonderen Herausforderung? Sie haben ein großes Herz, Sinn für Humor und fühlen sich Stress-Situationen gewachsen? Womöglich verfügen Sie auch über eine pädagogisch-psychologische oder medizinisch-pflegerische Ausbildung?

Dann könnte die Westfälische Pflegefamilie ein Modell für Sie sein.

Hintergrund: Westfälische Pflegefamilien (WPF) sind besonders geeignete Pflegefamilien, die ihre Stärke darin sehen, entwicklungsbeeinträchtigten Kindern und Jugendlichen einen familienähnlichen Lebensort zu bieten. Die Kinder blicken oft auf einen stark belasteten Lebensweg mit Gewalterfahrung, Vernachlässigung und Unterversorgung zurück. Deshalb bekommen Sie als Pflegeeltern eine intensive Unterstützung durch Berater.

Derzeit leben etwa 1.200 Kinder und Jugendliche in Westfalen-Lippe auf diese Weise mit ihren Pflegeeltern zusammen.

Die Beratung und Begleitung übernehmen Mitarbeiter von momentan 41 Trägern der freien Jugendhilfe, die seit Mitte der 70er Jahre in einem Kooperationsverbund mit dem Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL) zusammenarbeiten. Das LWL-Landesjugendamt hat dieses System der WPF entwickelt, um auch den kommunalen Jugendämtern in Westfalen-Lippe, die selbst nicht über einen Pflegekinderdienst mit Sonderpflege verfügen, die Vermittlung in Pflegefamilien zu ermöglichen.

Eine Checkliste in 10 zehn Punkten soll Ihnen als Unterstützung dienen, wenn Sie eine Westfälische Pflegefamilie werden möchten.

 

 

Aufwachsen in einer Westfälischen Pflegefamilie

Interview mit den Pflegeeltern Christiane und Volker Schneider

Weil seine Mutter mit der Erziehung überfordert war, kam Maurice vor eineinhalb Jahren als Pflegekind zu Christiane und Volker Schneider. Dort hat er nicht nur ein fürsorgendes Zuhause gefunden, dank finanzieller und beratender Unterstützung wird er auch individuell gefördert.

Zu den Fragen und Antworten

Checkliste: Wie werden Sie eine Westfälische Pflegefamilie?

  1. Voraussetzungen

Westfälische Pflegefamilien bestehen aus Ehepaaren, Paaren, alleinerziehenden Personen mit oder ohne Kinder und den aufzunehmenden Pflegekindern. Die Pflegeeltern können ein bis zwei Pflegekinder aufnehmen. Die Berufstätigkeit beider Pflegeelternteile ist möglich, wenn die Betreuung des Pflegekindes trotzdem sichergestellt ist. Selbstverständlich entscheiden Sie als Bewerber, welches Kind in Ihre Pflegefamilie kommt. Es gibt grundsätzlich ein Kennenlernen in Form von Besuchen und „Probewohnen“. Die Entscheidung trifft ebenso das Kind.

 

  1. Informationen

Als Einstieg dient die Broschüre „Westfälische Pflegefamilien – wäre das etwas für Sie?“. Außerdem können Sie direkten Kontakt aufnehmen mit dem LWL-Landesjugendamt (Imke Büttner, Tel.: 0251/5915884, imke.buettner@lwl.org, oder Heidi Knapp, Tel.: 0251/5913652, heidi.knapp@lwl.org). Oder Sie melden sich direkt bei einem der 41 freien Träger der Jugendhilfe (WPF-Träger).

 

  1. Vorbereitung

Bei dem ersten Termin mit einem Berater des WPF-Trägers erhalten Sie die wichtigsten Informationen rund um das Thema „Pflegekind/Pflegefamilie“. Hier geht es um die pädagogischen, psychologischen und rechtlichen Hintergründe, damit Sie eine solide Entscheidungsgrundlage haben.

 

  1. Ausbildung

Westfälische Pflegefamilien bringen eine besondere Eignung mit wie zum Beispiel Beratungsbereitschaft, Akzeptanz der Herkunftsfamilie des Pflegekindes und gegebenenfalls auch die Unterstützung der Besuchskontakte. Pflegeeltern mit einer pädagogischen oder medizinischen Ausbildung unterstützen Kinder mit einem besonderen Bedarf. In mindestens fünf Vorbereitungsterminen mit einem bestimmten Themenkatalog bereiten die Berater Sie als Pflegeeltern auf Ihre neue Aufgabe vor.

 

  1. Vertrag und Verdienst

Den WPF-Vertrag schließen Sie als Pflegefamilie mit dem WPF-Träger ab. Außerdem gibt es einen Vertrag zwischen dem WPF-Träger und dem Jugendamt, das die Vermittlung des Pflegekindes veranlasst hat und Kostenträger ist. Westfälische Pflegefamilien arbeiten wie alle Pflegefamilien ehrenamtlich. Insofern erhalten Sie kein Gehalt, sondern eine Aufwandsentschädigung für die Kosten der Erziehung und die materiellen Aufwendungen für das Pflegekind. Insgesamt beträgt die monatliche Aufwandsentschädigung ca. 490,00 €. Verfügt eine Pflegeperson über eine pädagogische Ausbildung, ist der Betrag höher. Eine weitere Summe richtet sich nach dem Alter des Kindes.

 

  1. Beratung + Begleitung

Ihre Beratung übernimmt der WPF-Träger. In einem Hilfeplangespräch vereinbaren Sie als Pflegeeltern mit dem Träger die Intensität der Beratung, wobei Sie sich nach dem Bedarf des Kindes und Ihrem eigenen als Pflegeeltern richten. Der Berater besucht Sie in Ihrer WPF etwa alle vier bis acht Wochen.

 

  1. Krisenmanagement

Bei Krisen ist der Berater Ansprechpartner und muss innerhalb von 24 Stunden reagieren.

 

  1. Hilfeplangespräche

Es gibt in der Regel ein bis zwei Hilfeplangespräche, in denen es um Entwicklungsschritte, konkrete Bedarfe und die nächsten Ziele geht. Die Pflegeeltern, das Jugendamt, der WPF-Berater und der Vormund oder auch die sorgeberechtigten leiblichen Eltern nehmen teil. Sofern das Kind alt genug ist, sollte es ebenfalls dabei sein.

 

  1. Vertragsende

Ein Pflegeverhältnis kann beendet werden. Allerdings sollten Pflegeeltern sich im Vorfeld klar darüber werden, wie einschneidend eine Beendigung für ein Pflegekind sein kann. Um Beendigungen zu vermeiden, die aus Überforderung und mangelnder Beratung resultieren, bieten die Träger im Bereich der Westfälischen Pflegefamilien eine intensive Begleitung an, die im Rahmen der Hilfeplanung immer wieder individuell angepasst werden kann. Sehr selten kommt es zu einem Ende der WPF, weil das Kind zurück zu den leiblichen Eltern geht. Schon bei der Auswahl der Bewerber und Kinder achten alle Beteiligten sehr stark darauf, ob die Pflegeeltern sich auch eine zeitliche Befristung vorstellen können oder eine Pflegefamilie auf Dauer sein möchten.

 

  1. Dauer von der ersten Idee bis zur Familienzusammenführung

In den letzten fünf Jahren vergingen zwischen dem Moment des ersten Kennenlernens von Pflegefamilie und Kind bis zum Einzug des Kindes rund vier Monate. Das kann sich jedoch stark unterscheiden. Grundsätzlich sind Westfälische Pflegefamilien kein Ort für eine ad hoc-Unterbringung. Damit Sie als Pflegefamilie das passende Kind finden, sollten Sie Zeit einplanen.