Förderschulen nicht aufgeben

Fragen und Antworten

Holger Jeppel ist Schulpflegschaftsvorsitzender in Bochum und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Schulpflegschaften der Förderschulen für Körperliche und Motorische Entwicklung und Förderschule für Sehen in Nordrhein-Westfalen. Der Lehrer im Gemeinsamen Unterricht an einer Gesamtschule hat drei Kinder, ein Sohn hat eine Schwerstmehrfachbehinderung.

Herr Jeppel, wo sehen Sie gute Beispiele für Inklusion im Bereich der LWL-Förderschulen?

An den Schulen werden viele Kinder mit ganz unterschiedlichen Beeinträchtigungen auf höchst vielfältige Weise unterrichtet und gefördert. Inklusion hat also schon lange Einzug in die Förderschulen gehalten. Viele Eltern, deren Kinder eine Grundschule mit Gemeinsamem Unterricht besucht haben, bedauern nachträglich, dass ihre Kinder nicht schon in der ersten Klasse in der Förderschule beschult wurden.

Gelungene Inklusion sehe ich auch beim Übergang ins Berufsleben – egal, ob in einer Werkstatt für behinderte Menschen, in Integrationsunternehmen oder auf dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt. Entscheidend ist, dass der LWL die Jugendlichen professionell berät und begleitet.

Warum sollte Ihr Kind keine Regelschule besuchen, sondern eine Förderschule?

Mein Sohn hätte auch zur Gesamtschule mit Gemeinsamem Unterricht, an der ich arbeite, gehen können. Meine Frau und ich haben uns für die LWL-Förderschule in Bochum entschieden, da nur dort Therapie, Pflege und Bildung konzeptionell zusammenkommen. Die LWL-Schulen bieten eigenes  Therapie- und Pflegepersonal – an der Schule meines Sohnes zum Beispiel einen medizinischen Bademeister –, und entsprechende Räume sowie Ausstattungen wie Bewegungsbad, Snoezelen-Räume oder Unterstützte Kommunikation. In dieser Vielfalt kann so etwas nicht an Regelschulen eingerichtet werden – auch wenn diese sich um Inklusion bemühen.

Wo muss generell – auch vom LWL – aus Ihrer Sicht mehr für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen getan werden?

Der LWL sollte die Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Körperliche und motorische Entwicklung auch in Zukunft nicht aufgeben oder das Engagement zurückfahren. Gerade in den Zeiten eingeschränkter kommunaler Finanzen wird auch in Zukunft immer wieder über Kürzungen diskutiert werden. Hier wünsche ich mir auch weiterhin die klare Linie, die der LWL bislang so konsequent vertreten hat.